Die Geschichte von Hajduk Split
Meister: 1927, 1929, 1941, 1946, 1950, 1952, 1954/55, 1970/71, 1973/74, 1974/75, 1978/79, 1992, 1993/94, 1994/95, 2000/01, 2003/04, 2004/05
Pokalsieger: 1966/67, 1971/72, 1973/74, 1974/75, 1975/76, 1976/77, 1983/84, 1986/87, 1990/91, 1992/93, 1994/95, 1999/2000, 2002/03
1911 - 1940
Die Heimat von Hajduk ist die über 1700 Jahre alte Stadt Split, die über 300.000 Einwohner und eine große sportliche Tradition hat mit der sich nur wenige Städte Europas rühmen können. In dieser Stadt spürten die Menschen über den Sport sehr oft und sehr früh politische Veränderungen im Lande oder beeinflussten sie sogar. Der Sport spielte immer eine sehr bedeutende Rolle in der Hauptstadt Dalmatiens, Split bezeichnet man als eine der sportlichsten Städte Europas. Dies bewies Split eindeutig 1979 während der mediterranen Festspiele sowie 1990 als Ausrichter der Leichathletik-Europameisterschaft. Split ist auch die Heimat des dreifachen europäischen Pokalgewinners der Landesmeister und fünffachen jugoslawischen Meisters im Basketball KK Split (ehemals Jugoplastika). Die goldene Generation der „Zutih“ (aufgrund der Vereinsfarben die „Gelben“ genannt) verwöhnte die Bürger Splits mit legendären Siegen und sportlichen Triumphen. Spieler wie Toni Kukoc, Dino Rada und Zan Tabak schrieben in Split Basketballgeschichte. Goran Ivanisevic gewann 2001 seinen ersten Grand-Slam-Titel in Wimbledon und machte sich durch diesen Erfolg nicht nur in seiner Geburtsstadt unsterblich. Aufgrund seiner „Verdienste für den Tennissport“ erhielt er als einziger Nicht-Brite eine Wild-Card. Ivanisevic gewann als erster Wild-Card-Teilnehmer das Turnier und ging somit für immer in die Geschichte des Tennissport ein.
Jedoch ist die Geschichte der Stadt Split ohne die Erwähnung des Fußballs unmöglich. Das wunderschöne Stadion „Poljud“ zieht bei jedem Heimspiel die Massen an und ist seit 1979 Kultstätte der Hajduk-Fans. Das Herz eines jeden Dalmatiners schlägt für diesen Verein. Für Tore, Siege und Erfolge die die Spieler Hajduks mit ihren Anhängern zu teilen wussten. All dies nahm im Jahr 1911 seinen Lauf. Nun es schien so als ob es den Gründern dieses kroatischen Traditionsvereins leichter fiel gegen den Ball zu treten als einen passenden Vereinsnamen zu finden. Der Klub wurde von vier kroatischen Studenten gegründet die zu dieser Zeit in Prag studierten. Ihre Namen waren Fabijan Kaliterna, Lucijan Stella, Ivan Sakic und Vjekoslav Ivanisevic. Sie besuchten regelmäßig Spiele von Sparta und Slavia Prag und kamen dadurch auf die Idee einen Verein in ihrer Heimatstadt Split zu gründen.
Die Gründer von Hajduk Split
Eines nachmittags im Cafe „Troccoli“ im Zentrum Splits wurden Gespräche über die Organisation des Vereins geführt. Man konnte sich auf alle einigen bis auf einen Namen. Da sie keine Lösung fanden stürmten die vier Burschen unangemeldet in das Arbeitszimmer des damaligen Prof. Barac an der Universität Splits, der ihnen bei der Namensfindung helfen sollte. Da sie so aufbrausend und stürmisch waren schlug er ihnen den Namen „Hajduk“ vor, nach jenen mystischen Robin-Hood-artigen Helden, die im 16. und 17. Jahrhundert im dalmatinischen Landesinneren reiche Leute überfielen und das Diebesgut unter das Volk brachten. Ursprünglich waren Hajduken Söldner, die zur Zeit Österreich-Ungarns gegen die Osmanen/Türken eingesetzt wurden.
Nachdem alle nötigen Genehmigungen besorgt waren wurde Hajduk Split endgültig am 13. Februar 1911 als Fußballverein eingetragen. Die ersten Spiele wurden auf der „Kraljeva Njiva“ (Königswiese) ausgetragen welche im Besitz der Armee Österreich-Ungarns war. Nach ein paar Trainingseinheiten der ersten und zweiten Mannschaft war die Zeit reif für das erste Spiel.
Mannschaft 1911
Das erste offizielle Spiel gewann Hajduk Split gegen den örtlichen italienischen Fußballverein „Calcio“ mit 9:0 (6:0). Das erste Tor in der Geschichte des Vereins erzielte Sime Raunig nicht mehr und nicht weniger als mit seinem Knie. Nach jedem erzielten Tor spielte das Stadtorchester ein Lied an. Auf diese Art und Weise unterstützten die Bürger Splits damals ihren Verein gegen die Italiener.
Seit Gründung des Vereins am 13. Februar 1911 sind unzählige Jahre, Tore, unvergessene Spiele und Generationen vergangen. Von Spiel zu Spiel, von Sieg zu Sieg, eroberte Hajduk Split die Fußballszene Europas und verdiente sich somit auch internationales Ansehen. Durch diese Erfolge wuchs auch der Bekanntheitsgrad der Stadt Split. In den Reihen des Vereins spielten diverse bekannte Fußballspieler. Im Jahr 1924 spielte sogar die gesamte Mannschaft Hajduks bis auf den Torwart, der Italiener war, für die Nationalmannschaft. Der Verein war sogar eine Inspiration für die Künstler, insbesondere für Musiker. Am bekanntesten ist die Oper von Ivo Tijardovic mit dem Namen „Kraljica baluna“ (Königin des Balls) die zum 15-jährigen Bestehen des Vereins aufgeführt wurde. Hajduk Split ist eine lebende Legende, dessen Geschichte Spieler und Trainer prägten, so wie einst Luka Kaliterna, der bereits zu Lebzeiten zu einer Legende wurde. International bekannte Spieler wie Bernard „Bajdo“ Vukas oder auch Frane Matosic waren während ihrer aktiven Laufbahn sehr populär und von einigen europäischen Vereinsmannschaften umworben.
1913 folgte dann in Zagreb das erste Auswärtsspiel gegen HASK Zagreb (heute Dinamo, siehe History-Thread), dass mit 2:3 verloren ging. Die zu dieser Zeit absolvierten Test- bzw. Freundschaftsspiele verbesserten nicht nur das eigene Spiel der Mannschaft sondern auch die Finanzkraft des jungen aufstrebenden Vereins.
1923 folgte der erste Spielbetrieb in der königlichen jugoslawischen Liga (damals noch das Königreich der Slowenen, Kroaten und Serben), jedoch erreichte der Klub dort keine nennenswerten Erfolge. Seitdem war man ununterbrochen in der 1. Liga vertreten und überstand sogar 3 Kriege. Wahrscheinlich ist auch deshalb der Slogan der Fans schon immer gewesen: „Hajduk zivi vjecno!“ (Hajduk lebt ewig!)
Mannschaft 1923
Im Interesse des Vereins organisierten die Verantwortlichen der Stadt Split die Teilnahme Hajduks an einem internationalen Turnier in Südafrika. Dort gelang den Kroaten der große internationale Durchbruch. Während des Turniers gewann Hajduk Split sein erstes internationales Spiel mit 3:2 gegen Olympique Marseille, wodurch der Verein sein Ansehen enorm steigern konnte. Durch diesen unerwarteten Erfolg kam in der eigenen Stadt eine wahre Euphorie auf. Die Mannschaft wurde bei ihrer Rückkehr im Hafen der Stadt Split gebührend empfangen. Die weitere Entwicklung des Vereins sowie die künftigen Spiele waren von nun an das Hauptthema in der dalmatinischen Metropole.
Die erste Meisterschaft gewann Hajduk Split 1927 und erreichte damit zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte einen internationalen Pokalwettbewerb. Damals hieß die heutige „UEFA Champions League“ noch „mitteleuropäischer Pokal der Landesmeister“. Allerdings zog Hajduk Split in der ersten Runde gleich ein schweres Los und musste sich mit dem damals übermächtigen Rapid Wien messen. In Österreich ging die unerfahrene Mannschaft mit 1:8 unter, während man sich im Rückspiel nur mit 0:1 geschlagen geben musste. Der nächste Titel folgte zwei Jahre später – 1929 gewann der Verein erneut die Meisterschaft. Diese Saison schloß Hajduk mit einer bemerkenswerten Statistik ab, da man in der abgelaufenen Spielzeit nur eine einzige Saisonniederlage hinnehmen musste.
Mannschaft 1927
1940 – 1970
Den ersten kroatischen Meistertitel gewann man in der Saison 1940/41 (31 Punkte und eine Tordifferenz von 75:17) und in der Saison 1946 den zweiten kroatischen und insgesamt vierten Titel. Dies war für lange Zeit die letzte kroatische Meisterschaft.
Mannschaft 1941
Nach dem 2. Weltkrieg spielte Hajduk weiterhin in der jugoslawischen Meisterschaft, obwohl Italien wollte das Hajduk in der italienischen Meisterschaft mitwirkt. 1946 gewann Hajduk eine weitere Meisterschaft und begann mit der Herausgabe des Magazins „Hajdukov Vjesnik“ (Hajduks Nachrichten)
In der Saison 1948/49 ging der Klub auf Tournee nach Australien und ist somit der erste Verein aus dem ehemaligen Jugoslawien der auf allen fünf Kontinenten gespielt hat.
Die nächste Meisterschaft sollte im Jahre 1950 erneut an die Adria gehen. Dieses Mal schaffte Hajduk einen Ligarekord der bis heute nicht eingestellt wurde. In dieser Saison hat die Mannschaft aus Split kein einziges Spiel verloren obwohl das damalige Stadion (Stari Plac (alter Platz)) und das anliegende Trainingsgelände im Umbau waren und die Mannschaft nur unter schlechten Bedingungen trainieren konnte. In dieser legendären Saison wurde auch die älteste europäische Fanorganisation „Torcida“ gegründet. Es waren erneut Studenten aus Split, die die Torcida am 29. September 1950 vor dem entscheidenden Saisonspiel gegen den verhassten Rivalen Roter Stern Belgrad ins Leben riefen.
(Mehr zur Torcida) Dieses letzte Saisonspiel im Jahre 1950 entschied über den jugoslawischen Meistertitel. Beide Mannschaften waren zu diesem Zeitpunkt punktgleich, allerdings sprach die Tordifferenz für die Belgrader. Vor dem Spiel herrschte in der Innenstadt eine große Euphorie. Während des Spiels versammelten sich dann plötzlich über 20.000 Zuschauer, allerdings hatte das damalige Stadion des Vereins nicht das nötige Fassungsvermögen so dass viele Fans sich das Spiel nur von draußen anhören konnten.
Die Torcida verwandelte das alte, sich im Umbau befindende Stadion in einen Hexenkessel. Roter Stern Belgrad reichte zum Gewinn des Titels ein Unentschieden. Trotzdem gingen die Gäste durch ihren Mannschaftskapitän Rajko Mitic in der 31. Minute mit 1:0 in Führung. Dieses Ergebnis hielt auch bis zum Halbzeitpfiff. In der zweiten Halbzeit trat die Mannschaft von Hajduk komplett anders auf. Es folgte ein Sturmlauf Hajduks während die Torcida auf den Rängen ununterbrochen ihr Team anfeuerte. In der 74. Minute hatte dann der legendäre Bernard „Bajdo“ Vukas einen seiner berühmten Auftritte. Von der linken Außenbahn auf das gegnerische Tor stürmend versetzte er unnachahmlich einen Belgrader Spieler nach dem anderen, bis er ganz allein vor dem Torwart Stankovic stand und das runde Leder in den Torwinkel beförderte – 1:1! Die Freude der Torcida kannte keine Grenzen und die Welle der Euphorie und der Wille zum Sieg übertrug sich auf das Spielfeld.
Frane Matosic, eine weitere Hajduk-Legende und der damalige Mannschaftsführer, schickte den Belgrader Torhüter mit einer rechten Gerade auf den Boden, nachdem dieser ihn übelst attackiert hatte. Allerdings traute sich der verunsicherte Schiedsrichter sich aufgrund des fanatischen Publikums nicht, den Spieler des Feldes zu verweisen. Hajduk Split spielte auch weiterhin offensiv nach vorne und ließ mit dem erfolgreichen Pressing nicht nach. In den Schlussminuten befanden sich alle Spieler, bis auf den Schlussmann Vladimir Beara von Hajduk Split, in der Hälfte von Roter Stern Belgrad. In der 87. Minute erzielten die Kroaten den entscheidenden Siegtreffer. Bozo Broketa hielt nach einem Abpraller einfach aus vollem Lauf aus 30m Entfernung auf das Tor drauf. Wie an einer Schnur gezogen schlug der Ball ins Netz des Gegners ein – 2:1! Das Stadion spielte verrückt und die Zuschauer stürmten vor Freude das Spielfeld. Die Folge war eine Spielunterbrechung. Nach wenigen Minuten wurde das Spiel jedoch fortgesetzt. Die Torcida feierte ihren Sieg. Hajduk Split gewann die so sehnlichst erwartete Meisterschaft und feierte in diesem Jahr gleichzeitig noch das 40jährige Vereinsjubiläum. Grund genug für eine Feier wie sie die Stadt Split bis zu diesem Tage nicht gesehen hatte.

Mannschaft 1950
Allerdings hatten diese Ereignisse des letzten Spieltags auch ihre Schattenseiten. Roter Stern Belgrad wollte diese Niederlage und die damit verlorene Meisterschaft nicht einfach so hinnehmen und fand bei der Belgrader Regierung ein offenes Ohr. Der damals mächtige serbische Ideologe Milovan Dilas berief kurzfristig den Zentralrat der kommunistischen Partei Jugoslawiens ein, damit sich dieser mit dem Fall auseinandersetzen konnte. Es wurde sogar extra ein Partei-Ausschuss gebildet, um der Öffentlichkeit den Ernst der Lage darzustellen. Das damalige Präsidium von Hajduk Split (Ante Jurjevic Baja und Jure Bilic) erhielt von der Partei eine schriftliche Abmahnung. Der Höhepunkt dieser Intrige war allerdings der Parteiausschluss von Mannschaftskapitän Frane Matosic, der den Belgrader Torhüter Stankovic während des Spiels zu Boden geschickt hatte.
Die Rivalität zwischen diesen beiden Vereinen war inzwischen so groß dass kein Spieler von Hajduk es wagte nach Belgrad zu wechseln und umgekehrt. Als der legendäre Torwart Vladimir Beara sich in den 50ern einmal darüber, nach einer Anweisung aus Belgrad, hinwegsetzten musste, wurde eine nach ihm benannte Straße auf der vorgelagerten Insel Brac vorübergehend in „Straße der Verräter“ umbenannt.
Die nächste Meisterschaft konnte zwei Jahre später 1952 gefeiert werden. Der Verein erreichte durch die vergangenen Erfolge einen höheren Bekanntheitsgrad. Die wohl bekanntesten Spieler dieser Zeit: Bernard „Bajdo“ Vukas, Vladimir Beara und Frane Matosic, genießen auch außerhalb Kroatiens einen guten Ruf. Der nächste Titel wurde in der Saison 1954/55 eingefahren. Zwischen 1956 und 1966 ging Hajduk leer aus. Zwar erreichte man drei mal das Finale des jugoslawischen Pokals, jedoch konnte Hajduk kein einziges für sich entscheiden.
Mannschaft 1952
Die staatlichen Vereine Roter Stern sowie Partizan Belgrad wurden durch die Zentralisierung Jugoslawiens stärker gefördert als der Rest der Liga. Diese politische Einmischung des Staates in den Fußball stürzte die anderen Vereine in eine große Krise. Jedoch gaben die „Majstori s Mora“ (Meister vom Meer) nie die Hoffnung auf und in ihrem wohl einmaligen Stil holten sie in der Saison 1966/67 endlich wieder einen Titel. Sie gewannen den jugoslawischen Pokal und durften zum ersten Mal im Europapokal der Pokalsieger an den Start gehen.
Mannschaft 1967
Auf der europäischen Bühne ist Hajduk Split bereits seit über 30 Jahren vertreten. Natürlich, wie viele andere Vereine, mit zwischenzeitlichen Unterbrechungen. Jedoch ist der erste Auftritt im europäischen Wettbewerb nach dem 2. Weltkrieg vielen Hajduk-Fans gut in Erinnerung geblieben. Im Europapokal der Pokalsieger 1967 erwischte Hajduk Split gleich in der ersten Runde einen starken Gegner und musste gegen Tottenham aus London antreten. Diese Mannschaft sollte in den nächsten Jahren der Angstgegner Hajduks werden. In Split verlor man mit 0:2, während man sich auf der Insel nach einem aufregenden Spiel mit 3:4 geschlagen geben musste.
1970 – 1990
Anfang der 70er (1971) ging das Land politisch schweren Zeiten entgegen – Inhaftierungen, Verfolgungen und Malträtierungen waren an der Tagesordnung. Die Kroaten strebten damals bereits die Unabhängigkeit ihrer Republik und die Trennung aus dem Staatenbund Jugoslawien an. Diese politischen Veränderungen gingen auch an Hajduk Split nicht spurlos vorbei. So wurde von der Belgrader Zentralregierung darüber verfügt dass das traditionelle Vereinswappen Hajduks (das rot-weiße Karomuster Kroatiens) dem roten kommunistischen Stern Platz machen musste – u.a. wurde auch die Torcida verboten. Der harte Kern der Hajduk-Fans organisierte sich neu unter dem Pseudonym „Die Unbeugsamen“ und wollte sich der Regierung nicht ohne weiteres fügen.
Schäden nach politischen Protesten und Ausschreitungen
In der Saison 1970/71 regiert König Fussball erneut in Split. Hajduk musste 16 lange Jahre warten bis sie ihren treuen Anhängern wieder einmal einen Meistertitel schenken konnten. Hajduk Split wurde auch in diesem Jahr von den temperamentvollen Einwohnern Splits gebührend empfangen. Die ganze Stadt war auf den Beinen und fand sich an diesem Nachmittag an der Uferpromenade der Innenstadt wieder um den neuen Meister zu begrüßen. In den darauf folgenden Jahren folgte eine Dominanz Hajduks in der jugoslawischen Liga. Bereits in der Saison 1973/74 schaffte der Verein das Double und gewann in diesem Jahr sowohl die Meisterschaft als auch den Pokal. In der kommenden Saison wurde dieser Erfolg sogar wiederholt. Von 1972 bis 1976 gewann Hajduk Split fünf Mal hintereinander den jugoslawischen Pokal. Auch dieser Rekord besteht bis zum heutigen Tage.
Mannschaft 1972
Von der Saison 1970/71 bis zur Mitte der 80er konnte Hajduk auf seine wohl erfolgreichste Spielergeneration zurückgreifen. In all diesen Jahren erzielte der Verein die besten Resultate in seiner Geschichte, vor allem in den europäischen Wettbewerben. Sowohl im UEFA-Cup, im Europapokal der Pokalsieger als auch im Europapokal der Landesmeister. Durch die Unterstützung der Torcida wurden auch die schwierigsten Spiele gewonnen, die vermeintlich stärkeren Gegner besiegt. Sogar in den dramatischen Schlussminuten wichtiger Begegnungen konnte Hajduk Split das bessere Ende oft für sich verbuchen. In Split mussten sich viele große Vereine wie Leeds United, Hamburger SV, AC Turin, St. Etienne, VfB Stuttgart, FC Valencia, FC Metz oder auch Sparta Prag am Ende geschlagen geben. Der Fußball verzauberte in Split die Massen bei den direkten Vergleichen mit europäischen Spitzenvereinen.
Im Europapokal der Landesmeister schafften die Kroaten drei Mal den Einzug in das Viertelfinale. Das letzte Mal 1995 in der neugegründeten Champions League, als man durch den späteren Cup-Gewinner Ajax Amsterdam (0:0/0:3) eliminiert wurde. 1976 scheiterte Hajduk am PSV Eindhoven mit 2:0 und 0:3, 1980 am HSV mit 3:2 und 0:1.
Den größten Erfolg im Europapokal der Pokalsieger erzielte Hajduk Split 1973, als man sich im Halbfinale nur knapp geschlagen geben musste. Am Ende fehlte nur ein einziges Tor zum Einzug ins Finale. Der kroatische Traditionsverein zog erneut gegen einen englischen Verein den Kürzeren – dieses Mal gegen Leeds United mit 0:0 und 0:1.
Im UEFA-Cup ist Hajduk der erfolgreichste Verein aus dem ehemaligen Jugoslawien. Man erreichte den größten Erfolg 1984, den Einzug ins Halbfinale. Wieder war in England Endstation. Dieses Mal waren es die Tottenham Hotspur, die das Finale mit 2:1 und 0:1 erreichten.
1979 wurde das heutige Stadion namens „Poljud“ fertiggestellt. Das Stadion hat ein Fassungsvermögen von 40.000 Zuschauern und ist aufgrund des Standortes und seiner Form (das Stadion liegt am Meer und hat die Form einer Muschel) nicht nur das schönste Stadion Kroatiens, sondern auch eines der schönsten Stadien Europas. Es wurde 1979 wegen der Ausrichtung der mediterranen Festspiele erbaut und ist sehr schnell die neue Heimat des Vereins, seiner Fans, der gewonnenen Pokale und neuer Triumphe geworden.
Das "Poljud"
Dies wäre jedoch nicht die Geschichte Hajduks, wenn der Erfolg ohne Widerstände endstanden wäre. Die Frontverläufe symbolischer sowie tatsächlicher Kriege durchkreuzten Hajduks Geschichte traditionell mehr als bei jedem anderen Verein in dieser Region. In diesem Renommier-Klub zeigte sich meist sehr früh, wie sich an Dalmatiens Küste die winde drehen. Lange vor der offiziellen Proklamation der Unabhängigkeit Kroatiens hatte die Torcida im Oktober 1989 eindrucksvoll demonstriert, was die Menschen in Kroatien noch von der jugoslawischen Idee hielten. Beim letzten Heimspiel dieser Saison wurden im Poljud Nationalflaggen Jugoslawiens verbrannt und die Fans von Partizan Belgrad verprügelt. Das Spiel musste beim Stand von 0:2 abgebrochen werden.
1990 – 2005
In der Saison 1990/91 führte der Spielmacher Aljosa Asanovic seine Mannschaft in Belgrad zum grandiosen Sieg im letzten jugoslawischen Pokalfinale. Hajduk gewann gegen Roter Stern Belgrad durch ein Tor von Alen Boksic mit 1:0. Die Rückgabe der Trophäe, eigentlich Eigentum des jugoslawischen Fußballverbandes, ist bis heute erfolgreich verweigert worden. Der Pokal steht als Denkmal eines letzten Triumphs des kroatischen Fußballs über das Regime aus Belgrad im Regal des Klubhauses.
Mannschaft 1991
Asanovic wechselte nach Metz und verpasste so die wildeste Zeit des Vereins. Es war die Phase in der Plastiktüten zu Geldkoffern wurden und jeder Besitzer eines Fax-Gerätes als seriöser Spielervermittler galt. Außer Asanovic verließ mit Alen Boksic (u.a. Marseille, Lazio, Juve und Middlesbrough), Robert Jarni (u.a. Bari, Betis, Juve, Real), Nikola Jerkan (u.a. Oviedo, Nottingham, Charleroi), Tonci Gabric (u.a. Saloniki) und anderen damals eine halbe Traumauswahl den Verein. Die geschätzten 10 Mio. aus den Transfers ließen Hajduk als Großverein überleben.
Am 17. Oktober 1990 wurde die Abspaltung Kroatiens mit zwei gleichzeitig ausgetragenen Länderspielen vorweggenommen. In Belgrad traf die serbisch dominierte Auswahl Jugoslawiens auf Nordirland, in Zagreb debütierte die kroatische Nationalmannschaft mit einigen Hajduk-Spielern gegen das Team der USA und siegte mit 2:0.
1991 fanden die ersten Agressionen und Angriffe auf Kroatien seitens der serbischen Armee statt. In diesen Krieg zogen viele Mitgleider der Torcida freiwillig, wie auch Mitglieder anderer kroatischer Vereine. Zu Ehren aller gefallenen Hajduk-Fans, die ihr Leben für die Freiheit und Unabhängigkeit Kroatiens geopfert hatten, steht ein Denkmal im Poljud unterhalb des Fanblocks „Sjever“ (Nordkurve) – Eingang „M“. Auf diesem steht geschrieben:
"SILNI SE PONOS ODAVDE DIZE, VJEROM I SNAGOM ZABLISTA DOM, NA KRVAVI BEDEM TORCIDA STIZE I BIT CE HRVAT NA KAMENU SVOM."
("Ein mächtiger Stolz ersteht hier auf, mit Glauben und Stärke glänzt die Heimat, die Torcida kommt zum blutigen Bollwerk und die Kroaten werden auf ihren Felsen stehen.")
Die Granaten zerstörten einige kroatische Städte und somit auch deren Stadien. Aufgrund dieser Angriffe wurde die jugoslawische Nationalmannschaft 1992 von der bevorstehenden Europameisterschaft kurzfristig ausgeschlossen und Dänemark rückte in das Turnier nach. Die Dänen gewannen damals überraschend die EM. Die kroatischen Spieler trainierten weiter und konnten kaum den historischen Start ihrer ersten eigenen Meisterschaft abwarten. Während einige Städte weiterhin angegriffen wurden, war die Entscheidung gefallen – der Fußball sollte wieder rollen. Einige Mannschaften konnten nicht richtig trainieren, geschweige denn ordentlich an der Meisterschaft teilnehmen. Die Angriffe weiteten sich auf Osijek, Zadar, Sibenik, Dubrovnik, Vukovar, Vinkovce und andere kroatische Städte aus. Die erste Meisterschaft startete mit 12 Vereinen. Die Spieltage wurden schneller als gewohnt angesetzt, so dass der regelmäßige Spielbetrieb dienstags und Samstag stattfand. Hajduk Split wurde seinem Ruf „Majstori s Mora“ erneut gerecht. Die erste historische Meisterschaft ging nach Split. Hajduk war in dieser Saison die beste kroatische Vereinsmannschaft, da gab es überhaupt keine Zweifel.
Mannschaft 1992
In der Saison 1992/93 wurde man kroatischer Pokalsieger und 1993/94 erneut Landesmeister. Als Landesmeister bzw. Pokalsieger gewann Hajduk auch den Supercup 1992, 1993 und 1994. In der Saison 1994/95 schaffte Hajduk das Double. Sie gewannen die Meisterschaft und den Pokal und somit auch den Supercup 1995. Diese Spielzeit ging als die erfolgreichste Saison des Vereins in die Annalen ein.
Mannschaft 1995
Die Vereinsführung pokerte vor der Saison ein wenig. Für insgesamt 2 Mio DM holten sie ehemalige Vereinsspieler aus dem Ausland zurück. Erfahrene Profis wie Igor Stimac (heute Sportdirektor) der gerade mit Cadiz in Spanien abgestiegen war. Oder den einstigen Spielmacher Aljosa Asanovic aus Montpellier, den Libero Zoran Vulic vom FC Nantes und den an Celta Vigo ausgeliehenen Stjepan Andrijasevic, einen ehemaligen Junioren-Spieler. Außerdem verpflichtete man noch Torwart Tonci Gabric, dem serbische Emigranten in Saloniki Mannschaftsfotos des Klubs PAOK mit einem Loch in seiner Stirn zuschickten. So fand die Vereinsspitze fünf Leistungsträger. Aus ihnen und jungen Talenten aus der Gegend bastelte Cheftrainer Ivan Katalinic eine Mannschaft zusammen, die voller moderner Fußballstrategien steckte und mit der Aussicht auf attraktive Siegprämien angespornt wurde. Die Mischung schien die richtige zu sein denn der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Der Verein gewann 1995 alle nationalen Titel und erreichte in der Champions League das Viertelfinale. Dort schied man gegen den späteren Titelträger Ajax Amsterdam mit 0:0 und 0:3 aus.
Hajduk konnte bis zur Saison 1999/2000 keine weiteren Titel gewinnen. Im Süden des Landes erwachte neue Unzufriedenheit. In diesen Jahren spürten die Fans wieder Druck, diesmal aus Zagreb. Das Verhältnis zur kroatischen Hauptstadt hatte sich merklich abgekühlt. Seit der damalige Staatspräsident Franjo Tudman die Umbenennung von Dinamo in „HASK Gradanski“ und später „Croatia Zagreb“ verfügte und deutlich betonte, der Verein müsse das neue Aushängeschild Kroatiens werden, hatte die neue politische Klasse bei den Fußballfans im Land Kredit verspielt. In Split registrierten die Menschen verärgert, wie die alten Tricks des Protektionismus plötzlich wiederkehrten. So war es für sie nicht verwunderlich dass Croatia Zagreb (heute wieder Dinamo) von 1996 bis 2000 die kroatische Meisterschaft gewinnen konnte. Ihrer Meinung nach wurde die Meisterschaft in der Saison 1998/99 die Meisterschaft an den Serienmeister „verkauft“. Durch seltsame Schiedsrichterentscheidungen konnte Croatia sich am letzten Spieltag die Meisterschaft sichern und den bisherigen Tabellenführer aus Rijeka hinter sich lassen. Beweise für die „Schiebungen“ konnten allerdings nie gefunden werden. Auch in den nächsten Jahren wurden dem kroatischen Fußballverband von Seiten der Fans ähnliche Vorwürfe gemacht.
Erst in der Saison 1999/2000 holte Hajduk erneut einen Titel. In diesem Jahr gewann man den Pokal und anschließend auch noch den Supercup gegen den amtierenden Meister Dinamo Zagreb. Ein Jahr später, in der Saison 2000/01, sollte dann nach sechs erfolglosen Jahren erneut die Meisterschaft nach Split gehen. Über 500.000 Menschen begrüßten den kroatischen Meister auf der Promenade im Stadtzentrum. In der Saison 2002/03 konnte der Traditionsverein erneut den Pokalwettbewerb für sich entscheiden.
Hajduk Split konnte sich in der Vergangenheit immer schon gut mit seinem Spielerpotential in Europa durchsetzen. Allerdings blieb der ganz große Erfolg auf internationaler Ebene stets durch die andauernden Verkäufe eigener Talente aus. Hajduk war nie in der Lage eine eingespielte Mannschaft auf die Beine zu stellen, da die jungen Spieler oft and die europäischen Spitzenvereine verkauft werden mussten (z.B. Aljosa Asanovic, Alen Boksic, Robert Jarni, Igor Stimac, Slaven Bilic, Igor Tudor und viele andere). Diese Unerfahrenheit kostete Hajduk Split den Sprung in die europäische Fußballspitze. Das beste Beispiel ist der Angstgegner Tottenham Hotspur, gegen den die Kroaten dreimal antreten mussten und dreimal unglücklich ausschieden.
In der Saison 2003/04 sicherte sich Hajduk erneut die Meisterschaft in einem sehr spannenden Finish gegen den Erzrivalen Dinamo Zagreb. Hajduk verlor die Tabellenführung zwei Spieltage vor Schluss an Dinamo und keiner glaubte mehr an den Titel. Doch Dinamo stolperte am vorletzten Spieltag in Zadar mit 1:1 was Hajduk wieder zurück an die Spitze katapultierte. Auch am letzten Spieltag ließ man nichts anbrennen und schlug Varteks mit 2:0.
In der Saison 2004/05 konnte man den Titel sogar verteidigen. Ausnahmsweise war aber nicht Dinamo Zagreb der Hauptkonkurrent sondern Inter Zapresic. Insgesamt war es wohl die ausgeglichenste Saison in der Geschichte der kroatischen Liga, so dass sich Hajduk den Titel erst am letzten Spieltag mit einem 6:0, wieder gegen Varteks, sichern konnte. Kurz nach Spielende gab dann Varteks’ Trainerlegende Ciro Blazevic seinen Wechsel zu Hajduk bekannt was perfekt zu dieser Saison passte, in der Trainer verschlissen wurden und es zum undenkbaren Transfer von Niko Kranjcar von Dinamo Zagreb zu Hajduk Split kam.
Die Mannschaft 2005 beim Feiern
Was gibt es sonst noch zu sagen?
Durch diese lange, erfolgreiche und auch einzigartige Geschichte hat sich Hajduk einige besondere Merkmale angeeignet:
- Das Erste Tor für Hajduk wurde mit dem Knie erzielt (Sime Raunig)
- Im Jahr 1924 stellte die Mannschaft alle Spieler der Nationalmannschaft außer dem Torwart, der eine andere Staatsangehörigkeit hatte
- Im Jahr 1944 waren gegen Bari 50.000 Zuschauer im Stadion, obwohl der 2. Weltkrieg in vollem Gange war
- 1950 wurde die Meisterschaft ohne eine einzige Niederlage gewonnen
zwischen 1970 und 1980 wurden 9 Titel geholt
- 1979 wurde das damals schönste Stadion Europas gebaut welches mehr als 50.000 Zuschauer fasst.
- Mehr als 170 Spieler des Vereins haben für die Nationalmannschaft gespielt
- 11 olympische Medaillen wurden von Hajduks Spielern gewonnen
- Hajduk hat in mehr als 500 Stadien in mehr als 80 Ländern auf der ganzen Welt gespielt...
Hajduk Split ist die große Liebe aller Bürger der Stadt Split, der ganzen Region Dalmatien und hat weltweit seine Anhänger. Hajduk ist nicht einfach nur ein berühmter Fußballverein, sondern das Aushängeschild der Stadt Split. Dem Verein ist es auch zu einem großen Teil zu verdanken dass Split weltweit bekannt geworden ist. Die Geschichte Splits kann man mit Hajduk beginnen, jedoch hat auch diese Geschichte, wie jede wahre Geschichte, kein Ende. Wie sollte sie auch enden, denn…
HAJDUK ZIVI VJECNO!
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