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"alles in schutt und asche"

Hier finden Sie die Diskussion "alles in schutt und asche" im Nationaler Fußball Forum. Diese befindet sich in der Kategorie Fußball-Foren; Neben dem Job auf dem grünen Rasen oder womöglich noch dem an der Seitenlinie gibt es einen weiteren Traum-Beruf im ...


 
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Alt 20.06.2005, 13:29   #1
Schönwetter-Fußballer
 
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"alles in schutt und asche"

Neben dem Job auf dem grünen Rasen oder womöglich noch dem an der Seitenlinie gibt es einen weiteren Traum-Beruf im Fußball, besonders bei unseren VfLs: Den des Presse- und Medienchefs. Beim VfL in Mönchengladbach heißt der Mann Markus Aretz, und der VfLog hat sich mit ihm zum Gespräch getroffen. In vier Folgen lesen Sie von heute an, wo der VfL nächste Saison hin will, wie es zum Abschied von Dick Advocaat kam und wann Aretz in den letzten Jahren am meisten gelitten hat.

Herr Aretz, am Anfang würden wir gern etwas über Sie persönlich erfahren. Manche Mutter fragt sich wohl, was sie falsch gemacht hat, wenn ihre Jungs sogar noch studiert haben, aber dennoch nicht vom Fußball wegzubringen sind und einfach keinen anständigen Beruf ergreifen... Was ist bei Ihnen schiefgelaufen, dass Sie bei Gladbach Medienchef wurden?

Das war völlig ungeplant. Eigentlich war ich durch meine Eltern sehr in Richtung Ausland geprägt, weil mein Vater bei der Bundeswehr war. Daher war ich als Kind viel im Ausland und wollte später unbedingt etwas mit Fremdsprachen machen. Deswegen bin ich nach dem Abi zum Auswärtigen Amt gegangen, habe die Diplomatenschule in Bonn besucht und bin dann im Anschluss auch an Botschaften gegangen. Irgendwann habe ich dann aber den Flash bekommen und mir gesagt: „Jetzt bist Du 24 und Beamter – zwar im Ausland, was superinteressant und spannend ist. Aber das kann noch nicht alles gewesen sein. Du möchtest noch studieren!“ Deswegen bin ich zurück nach Deutschland gegangen, habe gekündigt und in Köln angefangen, Politische Wissenschaften auf Magister zu studieren. Von Rumänien aus hatte ich in Mönchengladbach eine Wohnung gefunden, und eigentlich wollte ich nach einem halben Jahr nach Köln umziehen.
Aber wie das dann so ist: Freundin kennen gelernt, doch erstmal in Gladbach geblieben, dann über einen Job bei der Rheinischen Post mit Schreiben angefangen, eigentlich auch dort nicht zuerst mit dem Hintergedanken, unbedingt Sport machen zu wollen. Die brauchten aber zufällig gerade im Sport jemanden. Angefangen hat es, wie sowas immer losgeht, mit kleinen Fechtturnieren, Kreisligafußball und so weiter. Ich bin dann immer mehr da reingerutscht, habe richtige Redaktionsdienste gemacht, auch über Borussia Mönchengladbach geschrieben – und dann hat man mir ziemlich schnell ein Volontariat angeboten. Das habe ich angenommen und in Düsseldorf begonnen. Und nach einem Jahr Volontariat kam das Angebot, Sportredakteur zu werden. Dort habe ich das machen können, wovon man halt träumt, wenn man ein kleiner Junge und Gladbach-Fan ist: Erst träumt man davon, dass man selber Fußballer wird, dann sieht man irgendwann eines Tages ein, dass das nicht hinhaut. Und dann träumt man davon, da später irgendwie mit zu tun zu haben. Aber wie gesagt: Ich habe da eigentlich nie drauf zugearbeitet: Auf einmal war das eben so.
Außerdem hatte ich auch über Borussia geschrieben, war bei den Spielen immer dabei, und dann zeichnete sich ab, dass Borussia absteigt – im Winter 1999 stand das ja eigentlich schon fest. Im Frühjahr bin ich schließlich vom Präsidium angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könne, Pressesprecher zu werden. Nach zwei Tagen Bedenkzeit war klar, dass ich das mache. Und dann war ich im Juni 1999 auf einmal Pressesprecher hier.

Auch wenn der Beruf im Fußball nie geplant war, Sie waren aber schon Fußballfan von Kindesbeinen an?

Ja, mein Vater war Gladbach-Fan, die Familie kommt aus Gladbach, ich bin in Mönchengladbach geboren. Mönchengladbach, das waren immer die Wurzeln, obwohl meine Eltern ständig durch die Weltgeschichte gefahren sind. Hier bin ich alle zwei Monate am Wochenende mit Mama und Papa hingefahren, und mein Vater hat das immer so gelegt, dass das an einem Spieltag war. Es war daher schon immer die Verbindung da.

Die richtig große Zeit des Vereins haben Sie aber wahrscheinlich nur als kleines Kind mitbekommen haben, oder?

Ja, ich erinnere mich da nicht mehr an viel, wo ich selber dabei war. Klar, vorm Fernseher habe ich viel gesehen. Ich weiß noch, dass ich da als kleiner Stöpsel immer um halb elf aufstehen durfte, wenn Europapokal kam – damals waren das ja noch die Zusammenfassungen. Und ich weiß auch, dass mein erstes Spiel im Stadion 1972 war, und zwar gegen Düsseldorf auf dem Bökelberg. Mein Vater hat mich da als kleines Kind immer mit hin geschleppt.

Stellen wir uns ganz kurz eine ganz furchtbare Welt vor, in der Fußball nie erfunden worden ist: Was wäre dann wohl aus Ihnen geworden?

Ich glaube, es wäre Richtung „politischer Journalismus“ gegangen. Da habe ich auch während des Volontariats mal meine Fühler ausgestreckt, die Rheinische Post hat ein Netz von Auslandskorrespondenten beschäftigt, und das hat mich schon sehr gereizt. Ich glaube, darauf hätte ich dann auch mehr hingearbeitet.

War das dann auch der Impuls, im Studium die Politikwissenschaft zu wählen?

Nicht so konkret. Damals, als ich das Studium angefangen habe, wusste ich ja noch nichts von Journalismus. Ich wusste schon, dass ich das gern ausprobieren würde. Aber als Berufsziel hatte ich das nicht. Ich hab mir damals einfach nur gesagt: „Du studierst jetzt was, das dich interessiert, das dir Spaß macht, und nicht etwas, von dem du meinst, das könnte dann in fünf Jahren mit deinem Berufsziel zusammen passen.“

Sie sind dann ja gewissermaßen Medienprofi auf der journalistischen Seite geworden und so bei Borussia gelandet. Nun wird allenorten eine Professionalisierung des Fußballs und der Kommunikationsarbeit festgestellt. Da gehört dann ja auch viel BWL und Management zu, gerade wenn man auch eine ganze Abteilung führt. Haben Sie das on-the-job gelernt?

Ich hab durch meine Zeit im Auswärtigen Dienst da einiges an Knowhow mitgebracht, weil man da gerade durch die eher bürokratische Ausrichtung viel lernt. Ich habe Verwaltungsabläufe kennen gelernt, habe gelernt, sich zu organisieren und auch Teams zu organisieren. Davon habe ich schon profitiert. Und on-the-job lernt man natürlich immer dazu.

Wie bewerten Sie denn allgemein die Professionalisierung des Fußballs? Die Medien werden immer aufmerksamer und präsenter und beobachten immer genauer. Was hat sich, auch in Ihrer Zeit hier, dadurch verändert?

Ich glaube, es hat sich sehr viel verändert im Bewusstsein der Vereine. Als ich 1999 angefangen habe, war dieser Prozess schon in vollem Gange, da hatte schon fast jeder Bundesligist einen Pressesprecher. Und inzwischen ist es ähnlich wie bei uns auch bei den meisten anderen Vereinen so, dass die Presseabteilungen ausgebaut wurden. Wenn man mal in die 80er Jahre zurückgeht, da hatten nur die Bayern einen Pressesprecher, den Markus Hörwick, der auch so eine Art Urgestein ist. Er war der erste in der Bundesliga, und die Bayern machen das natürlich auch perfekt. Sie hatten auch als erste das Bedürfnis, jemanden hauptamtlich einzustellen. Bei dem Rest der Liga ging das erst Anfang oder Mitte der 90er Jahre los, und das Medieninteresse hat gerade in den vergangenen zehn Jahren so rapide zugenommen, dass die Vereine ohne professionelle Medienarbeit auch gar nicht mehr leben können.

Wo stehen Sie denn in der Gladbacher Vereinshierarchie, und wieviel Mitspracherecht haben Sie auch vorab bei Entscheidungen? Können Sie sagen, „‚Leute, das ist vielleicht sinnvoll, aber kommunikativ nicht durchsetzbar“? Oder müssen Sie sozusagen rüberbringen, was auf den Tisch kommt?

Ich bin schon unmittelbar dem Präsidium und dem Geschäftsführer unterstellt, nehme auch regelmäßig an Präsidiumssitzungen teil und habe auch sonst einen engen Kontakt zum Präsidium, sehr engen zum Geschäftsführer und zum Sportdirektor. Wir reden also ständig miteinander, und ich gebe auch ständig meine Meinung ab. Ich sage auch zu jedem Thema, „Ihr solltet dies und das bedenken. Das kommt in der Öffentlichkeit so rüber. Hier können wir vielleicht entgegenwirken, aber da haben wir keine Chance.“ Ich will nicht sagen, dass ich da mitentscheide, aber ich glaube schon, dass meine Meinung bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt wird.

Zum Thema Professionalisierung gehört auch der Begriff der ‚Marke Borussia’, der auch vom Präsidenten gerne benutzt wird. Vor ein paar Jahren gab es im Prinzip die gleiche Diskussion für Parteien. Nach der Bundestagswahl 1998 wurde die SPD immer wieder mit dem Begriff ‚Marke’ in Verbindung gebracht, und ihre Anhänger waren empört darüber. Und heute sind es die Fußballfans, die sagen: "Unsere Borussia ist doch ein Verein und keine Marke." Ist Gladbach denn nun gleich Persil?


Das absolut nicht, das will auch keiner. Es ist einfach so, dass wir einen Präsidenten haben, der aus der Wirtschaft kommt und ein sehr erfolgreicher Unternehmer ist. Der weiß, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen, das ein gutes Markenprofil hat. Und genau das hat er bei Borussia Mönchengladbach vorgefunden. Hier hat eigentlich 1999 alles in Schutt und Asche gelegen, aber trotzdem war der Verein noch immer eine sehr, sehr gute, unverbrauchte Marke. Das bedeutet überhaupt nicht, dass man sich entfernen will von dem, was Fußball ausmacht, Stehplätze oder Fankultur abschaffen will. Aber Fußball ist nun einmal, zumindest in der Bundesliga, ein Geschäft geworden, bei dem viele Millionen umgesetzt werden, mit dem Werbung gemacht wird. Da ist es wichtig, dass man ein Profil hat. Und das merkt man auch in Verhandlungen mit Sponsoren oder Fernsehsendern – ob man das nun Markenprofil nennt oder sagt, das ist unser Mythos. Der Fan spricht von Mythos, der Präsident spricht von der Marke, aber eigentlich meinen sie das gleiche. Ich sehe diese Diskussion etwas entspannter, ich finde, da sollte man nicht allzu viel rein interpretieren.

Dortmund hat seine Markenrechte ja sogar verpfändet. Hat man in Gladbach mal ausgerechnet, was die Marke unserer Borussia wert ist?

Nein, nie. So etwas ist auch überhaupt nicht angedacht bei uns. Wir haben ganz bewusst kein einziges Recht mehr aus der Hand gegeben, im Gegenteil alles zurückgekauft im Lauf der Zeit, egal in welchem Bereich. Wenn ein Sponsor eine Bande kauft, dann landet das Geld zu 100% bei Borussia, weil wir uns komplett selbst vermarkten.

Letzte Frage zum Thema Vereine als Unternehmen: Wir haben auf dem VfLog auch schon das Thema Unternehmenskultur der Borussia diskutiert. Würden Sie so einen Begriff auch im Fußball akzeptieren und wenn ja, was wäre die Unternehmenskultur?


Ich glaube schon, dass es so was auch bei uns gibt. Hier wird ja viel von der Fohlen-Philosophie gesprochen, vom Mythos der Fohlen-Elf. Das sollte man auch nicht überstrapazieren, aber das ist schon etwas, was bei uns dahinter steckt: Underdog zu sein, Provinzstadt, die eigentlich nichts anderes hervorgebracht hat als einen erfolgreichen Fußballverein. Das steht bei vielen Menschen auch heute für Borussia Mönchengladbach, der kleine Verein zu sein, der mit innovativen Mitteln und mit anderen Mitteln als die der Großen mithalten kann. So wie das vielleicht im letzten Jahr auch Mainz verkörpert hat.
Auf diese Kultur sollten wir auch setzen, indem wir zum Beispiel die Nachwuchsarbeit noch verstärken. Es ist zwar eine Illusion, dass man heute im Profibereich nur mit einer guten Nachwuchsarbeit in der Bundesliga bleiben kann. Aber ein Verein wie wir, mit dieser Geschichte, dieser Philosophie, der sollte versuchen, jedes Jahr einen Spieler aus dem Nachwuchs hervorzubringen, der es schafft, einen Profivertrag zu bekommen. Das wäre schon sehr erfolgreich.
Darüber hinaus ist es auch ein Merkmal von Borussia, dass der Verein zwar vielleicht nicht gerade familiär, aber in jedem Fall sehr einfach und durchsichtig geführt wird. Bei uns soll es nichts geben, was der Fan nicht durchschauen kann, keine komplizierten Konstruktionen mit Tochterfirmen usw. Bei uns gibt es eine GmbH, in der der Lizenzspielbetrieb und das Stadion ausgegliedert sind, und dann gibt es den Verein mit den Jugendmannschaften, den Handball- und Tischtennisabteilungen – und das ist es dann auch. Die Struktur ist ganz einfach zu durchschauen, und soll es auch sein. Wir haben auch ein Präsidium mit nur zwei Mitgliedern, das gibt es auch selten in der Bundesliga – nicht kompliziert, und jeder weiß, woran er ist. Auch das macht Borussia aus.


Lesen Sie am Mittwoch, wie es zur Trennung von Dick Advocaat kam, ob sich Peter Pander von Christian Hochstätter unterscheidet und warum der idealistische Fan ein Belgier werden sollte.

1 Comments:

Anonymous said...

Sympathischer Mann... Gibt für Gladbach eine Beamtenkarriere auf, das ist ein anderer Geist als bei Marek Heinz! ;-)



Quelle:http://vflog.blogspot.com/2005/06/al...und-asche.html

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Alt 22.06.2005, 15:52   #2
Keyser Söze
 
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Icon32 Weluntergangsstimmung rund um den Klub.....

Mittwoch, Juni 22, 2005
"weltuntergangsstimmung rund um den klub"


Der zweite Teil des VfLog-Interviews mit VfL-Medienchef Markus Aretz. (Den ersten Teil lesen Sie hier.)

Der Trainerwechsel von Hans Meyer zu Ewald Lienen war so ein Ereignis, wo man als Gladbachfan auch stolz sein konnte auf seinen Verein. Das war harmonisch wie nur wenige Wechsel in der Bundesliga. Stand das auch für einen Wert wie Kontinuität, den wir zuletzt bei den Trainern verloren haben, aber wiederfinden können und sollten, oder ist so was im Profigeschäft eine Illusion und Wunschdenken?

Das hätte natürlich jeder liebend gerne. Trainerwechsel gibt es nun einmal in der Bundesliga, auch vorzeitige, da ist keiner vor gefeit. Beim einen geht es vielleicht etwas schneller, bei anderen dauert es etwas länger; aber wie so etwas vonstatten geht und kommuniziert wird, hängt auch sehr von den handelnden Personen und der allgemeinen Situation ab.
Der Übergang von Meyer zu Lienen war auch deshalb so harmonisch, weil Hans Meyer optimal mitgespielt hat. Er hätte vielleicht auch Gründe gehabt zu sagen, dieses und jenes passt mir nicht und ich gehe hier im Zorn. Aber er hat immer die Interessen des Vereins vertreten, sogar als er gegangen ist. Wir haben damals ja auch gegen den Abstieg gespielt und er wusste einfach: Der Verein braucht Ruhe.

Bei Advocaat war es dann so, dass viele ihn sehr früh weghaben wollten. Aber es gab auch Stimmen, die in ihm die Vision einer internationalen, erfolgreichen Borussia der alten Schule verkörpert sahen und kritisiert haben, dass diese Perspektive, wegen der man Advocaat ja auch verpflichtet hatte, nicht länger kommunikativ verteidigt wurde. Gab es da zuviel Druck von außen oder war man auch im Verein uneins?
Intern war da überhaupt nichts, da haben alle absolut zu ihm gehalten, sowohl das Präsidium als auch alle anderen Mitarbeiter im Verein. Aber der Druck durch die Öffentlichkeit ist massiv geworden, nicht nur durch die Medien, sondern auch durch die Fans. Das habe ich, seit ich hier bin, nie so erlebt. Die große Mehrheit war gegen ihn und wollte ihn loswerden, wir hatten eine Atmosphäre im Stadion, die klar gegen den Trainer und auch gegen den Sportdirektor war, was dann auch noch auf die Mannschaft übergeschwappt ist. In die Online-Foren brauchte man ja gar nicht mehr reinzugucken. Das war eine Weltuntergangsstimmung rund um den Klub. Und das hat dann auch dazu geführt, dass er gesagt hat, es hat keinen Sinn so.

Und das kam auch wirklich von Advocaat selbst?

Ja. Das kam nach dem Spiel gegen Mainz von ihm, da hat das Präsidium sich geweigert und gesagt: „Nein. Wir ziehen das durch mit dir.“ Er ist dann noch einmal einen Tag nach Holland gefahren, kam danach aber zurück und meinte erneut, dass es so nicht weitergeht. Und ich glaube, dass er letzten Endes auch recht damit hatte. Denn als er weg war, ist so ein Druck vom Verein abgefallen – dass war wie wenn man beim Kochtopf den Deckel entfernt: Alles konnte entweichen, und es war wieder Ruhe im Verein.

Bei Dick Advocaat gab es ja auch sehr, sehr früh schon heftige Kritik von der Presse. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Bei Dick Advocaat war die Situation so: Er hatte während seiner Zeit als Nationaltrainer in Holland schlechte Erfahrung mit der Presse gemacht und war vorher Trainer in Schottland. Da arbeitet man ganz anders, da gibt es eine Pressekonferenz vor dem Spiel, eine danach und das war’s. Sonst arbeitet man völlig abgeschottet. Das war für ihn eine heile Welt, ungestört. Und so wollte er das hier auch haben. Wir haben ihm natürlich gesagt: „Das läuft so nicht in Deutschland, Du musst auch zwischendurch zur Verfügung stehen.“ Aber er hat darauf bestanden, dass wir es zumindest bis Weihnachten so machen, wie er es will und dann gucken, ob es geht. Nur: Da war das Kind dann natürlich längst in den Brunnen gefallen, auch wenn er später zu angemeldeten Interviews bereit war. Und selbst das war auch zu wenig. Heute wollen Journalisten den Trainer nach jedem Training ansprechen können, zumindest kurz einen Satz hören, und wenn es nur um Kinkerlitzchen geht.

Wie ist denn ihre Position dazu? Denken Sie manchmal, es wäre schön, wenn man heute noch arbeiten könnte wie früher und weniger unter Beobachtung wäre? Oder finden Sie die hohe mediale Aufmerksamkeit positiv?

Ich kann privat jeden verstehen, der nur mit Menschen reden will, die ihm sympathisch sind. Aber so geht es heute eben nicht mehr. Und man muss es auch so sehen, dass wir alle davon leben. Wenn man heute in die BILD-Zeitung guckt, die Seiten zählt, das ist doch gigantisch geworden: Es gibt ja in Deutschland kaum Wichtigeres mehr als die Bundesliga. Deswegen sind Sponsoren und Fernsehsender bereit, viel Geld auszugeben, von dem wir die Spieler bezahlen und die Mitarbeiter. Das hält erst das Geschäft am Laufen und sorgt auch dafür, dass man international mithalten kann.
Der idealistische Fan, der keine Sponsoren will, keine VIP-Logen, keine zerstückelten Spieltage wäre wahrscheinlich auch nicht glücklich, wenn er sich durchsetzt, dann aber alle guten Spieler ins Ausland gehen und wir auf einem Niveau wie zum Beispiel in Belgien spielen würden.

Bei all der Aufmerksamkeit der Medien ist es auch klar, dass man in Krisen sofort in eine Position gerät, in der man nur noch reagieren kann. Aber was ist denn ihre persönliche Vorstellung einer aktiven Medienarbeit der Borussia?

Aktive Medienarbeit ist das, was jeder Pressesprecher in der Bundesliga am liebsten hätte. Und das versucht man auch, indem man zum Beispiel mit der Vereinsführung vor Entscheidungen spricht, mögliche kommunikative Konsequenzen aufzeigt und sich auch auf Reaktionen von Fans und Medien vorab einstellt. Aber das kann man letztlich nur so lange machen, wie es gut läuft. In der Realität ist es so, dass man meistens in reaktive Situationen gedrängt wird und sich da kaum wehren kann. Da bringt es auch nichts zu jammern: Das Ergebnis auf dem Platz überlagert alles, da kann man noch so gut aufgestellt sein, Marketingeinnahmen erzielen, viele Mitglieder haben, Dauerkarten verkaufen, gute Medienarbeit machen. Wenn die Mannschaft dreimal verliert, ist alles schlecht. Das wäre blauäugig, wenn man meinte, eine Saison lang nur aktive Medienarbeit machen zu können. Man muss sich aber so aufstellen, dass man gut und angemessen reagieren kann, wenn es schlecht läuft.

Hatte eigentlich Peter Pander ganz andere Vorstellungen von Medienarbeit als Christian Hochstätter oder konkrete Änderungswünsche?

Kaum, auch die Unterschiede in der Medienarbeit zwischen den Bundesligavereinen sind ja wie gesagt nicht mehr so groß. Das wird immer ähnlicher und es geht dann nur ums Detail. Aber da ändert man dann auch mal etwas. Peter Pander hat zum Beispiel am Anfang Ruhe in den Verein und auch in die Medien bringen wollen. Da hat er wirklich jede Interviewanfrage angenommen. Das war auch richtig und hat geholfen. Es ist immer besser, wenn man mitreden kann, wenn über einen gesprochen wird.


Lesen Sie am Freitag, ob der Kanzler recht hat, ob es künftig 'Fohlen-TV' auf Premiere gibt und was kleine Minderheiten schätzen.

Quelle: Klick
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Alt 24.06.2005, 11:01   #3
Schönwetter-Fußballer
 
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"mit einem lächeln im gesicht"

Der Kanzler hat mal gesagt, er könne allein über BILD, BamS und Glotze regieren. Das ist lange her, aber gibt es im Fußball heute auch so etwas wie Leitmedien für Sie?

Generell behandeln wir alle Medien gleichrangig. Bundesweit haben natürlich BILD, Kicker und Premiere, weil die live übertragen, die größte Ausstrahlung. Der Doppelpass im DSF hat sich auch etabliert als Diskussionsforum. Und bei uns ist auch die regionale Tageszeitung vor Ort, die Rheinische Post, wichtig, weil die in der Stadt die Stimmung mitbestimmt.

Und die Öffentlich-Rechtlichen sind abgemeldet? Sportschau und Sportstudio?

Beide sind schon noch wichtig. Das Sportstudio hat vielleicht nicht mehr die Quoten wie früher, aber nach wie vor einen guten Ruf. Und die Spieler gehen auch gerne hin, wenn sie eingeladen sind. Das ist immer noch eine Art Ritterschlag.

Die Fernsehrechte werden bald auch neu verhandelt. Was ist die Position, die Gladbach da vertritt und an die DFL weitergibt?

Keine andere als die meisten anderen Vereine sie auch vertreten. Wir möchten schon die Einnahmen erhöhen und uns den anderen Ligen anpassen, also zum Beispiel Italien, Frankreich oder England. Gerade Frankreich ist ein guter Bezugspunkt, weil dort die Rechte viel mehr kosten, obwohl die Liga dort keineswegs spannender oder fußballerisch interessanter ist. Da sollte sich schon etwas verändern. Aber das darf nicht dazu führen, dass man Bundesliga nur noch im Pay-TV sieht.

Es gibt ja auch Überlegungen, den Spieltag auseinanderzuziehen, samstags früher zu spielen usw. Was finden Sie davon gut, und wo sehen Sie auch die Grenze, bevor die Fans dann wegbleiben?

Ich bin keiner von denen, die neun Spiele am Samstag um 15.30 haben müssen. Aber alles muss zuschauerfreundlich bleiben. Was spricht dagegen, ein interessantes Spiel rauszuziehen und samstags um 20 Uhr zu zeigen? Auch der Sonntagstermin um 17.30 Uhr ist heute wirklich etabliert und sogar ziemlich familienfreundlich, der Freitagstermin früher war ja auch sehr beliebt. Um das Thema wird auch viel Palaver gemacht.

Wäre für Gladbach auch eine komplette Selbst-Vermarktung interessant, wie sie ja die Bayern immer fordern? Vielleicht gar mit eigenem Kanal bei Premiere als Fohlen-TV?

Das sind natürlich primär Themen für unseren Manager. Ich persönlich denke, dass ein eigener Fernsehkanal wohl ein bisschen übertrieben wäre. Ansonsten wäre die Selbstvermarktung für Borussia sicher interessant, da gibt es sonst nur wenige Vereine in der Liga, für die sich das lohnen würde. Eigentlich nur die, die bundesweit viele Anhänger haben, also Bayern, Dortmund, Schalke und Gladbach. Aber ich halte trotzdem das Prinzip für richtig, dass die Liga zentral vermarktet wird und das Geld nach einem Schlüssel umgelegt wird. Das funktioniert, und wie es ist, ist es auch gut.

Für Vereine ist auch das Internet zu einem interessanten Medium geworden, weil sie hier die Inhalte auch komplett selbst bestimmen können. Gladbach tut das mit borussia.de, parallel gibt es aber auch aufwendige und noch umfangreichere Seiten wie Torfabrik oder Seitenwahl, die das Geschehen auch journalistisch aufbereiten und kommentieren. Gibt es da eine bewusste Aufgabenverteilung?

Borussia.de ist sehr wichtig für uns, weil wir darüber unmittelbar, ganz schnell und gezielt Vereinsmeinungen kommunizieren können. Das versuchen wir auch immer. Wir wollen Neuigkeiten an die Fans bringen, bevor sie in den Medien sind, aber auch auf Berichte reagieren können und denen die Vereinsmeinung gegenüberstellen. Das konnte man früher nicht, das ist für die Vereine eine positive Entwicklung.
Wir können aber auf der vereinseigenen Seite keine kontroversen Diskussionen über den Club führen. Dafür wäre das der falsche Ort, auch wenn wir der Meinung sind, dass es so etwas auch im Internet geben muss. Deswegen haben wir auch früh die Zusammenarbeit mit Torfabrik und Seitenwahl gesucht. Wir wollen auch diesen Fanseiten ermöglichen, ins Stadion zu kommen oder Interviews mit Spielern zu führen. Das läuft gut, die Seiten sind ja auch professionell gemacht, und wir unterstützen das, wo wir können.

Auf der einen Seite gibt es nun die sehr professionellen journalistischen Angebote im Netz, andererseits gibt es auch noch die Fanforen, die vielleicht weniger professionell, dafür aber umso emotionaler sind. Hat man die als Verein auch im Blick?

Da guckt man schon rein, das beobachtet man, aber nicht so, dass man jetzt morgens direkt nach der Zeitungslektüre in die Foren schaut. Dafür haben wir ja auch die Fanbeauftragten, deren Aufgabe es ist, in den Verein weiterzugeben, wie die Befindlichkeit bei den Fans ist und was die beschäftigt. In den Foren zeigt sich auch, wenn die Fans Probleme haben, ihre Dauerkarte zu kriegen, oder sich zum Beispiel beschweren, dass in Block 19 der Zaun zu hoch ist. Dort kann man also ein bisschen fühlen, was bei den Fans so gedacht wird und dann darauf reagieren.
Man muss aber auch sehr, sehr aufpassen mit diesen Foren. Ich glaube, das ist auch ein Nachteil, den die Entwicklung mit dem Internet heute hat, dass wirklich jeder in der Lage ist, anonym seine Meinung abzusondern, was dann natürlich auch wieder von den Medien aufgenommen wird.

Sie sagen, Sie möchten über borussia.de auch Falschmeldungen korrigieren. Ab wann reagieren Sie da, und was ist so ein übliches Grundrauschen, das man unkommentiert lässt?

Die Schmerzgrenze ist schon ziemlich hoch. Wenn man auf alles reagieren würde, was einen stört, da käme man gar nicht mehr hinterher. Ich denke, der Verein muss einschreiten, wenn etwas bewusst und nachweislich falsch dargestellt wird. Zum Beispiel hatten wir das Problem, dass die BILD-Zeitung im Januar permanent geschrieben hat, wir hätten für sieben Spieler zwölf Millionen Euro ausgegeben. Es waren aber nur drei Millionen. Das haben wir eigentlich in jeder Pressekonferenz und auf der Homepage so oft wie es ging gesagt. Aber wie gesagt: Man kann auch nicht auf alles reagieren, beim besten Willen nicht.

Dazu vielleicht auch noch eine Frage zur Zusammenarbeit mit Journalisten. Fragt man sich nicht an irgendeinem Punkt, wie man täglich mit Menschen zusammenarbeitet, von denen man am Frühstückstisch auch mal einen Artikel gelesen hat, wegen dem man ihnen vielleicht am liebsten den Hals umdrehen würde…?


Ja, das gibt es, und das ist ganz schwierig. Mit einem Lächeln im Gesicht muss man das ertragen.

Mal ganz unabhängig von Gladbach: Wie zufrieden sind Sie mit dem deutschen Sportjournalismus? Es gibt eigentlich drei Genres: Kicker/Sportbild, dann die Tageszeitungen und schließlich so etwas wie 11Freunde. Es gibt nur relativ wenig dazwischen. Würden Sie sagen, da ist noch Raum? Und ist vielleicht auch Raum für eine tägliche Sportzeitschrift, wie es sie in Frankreich oder Italien gibt?

Ich wäre begeistert, wenn es sowas geben würde! Ich war immer fanatischer Liebhaber der Equipe in Frankreich, weil ich immer gern in Frankreich Urlaub gemacht habe und Französisch spreche. Da gehört es für mich jeden Tag dazu, die Equipe zu holen und von vorn bis hinten zu lesen, sehr zum Leidwesen meiner Freundin. Das finde ich toll, und das hätte ich gern hier auch. Ich glaube auch, dass dafür Platz wäre.
Was die Qualität des Sportjournalismus angeht: Man kann das schlecht vergleichen mit dem Ausland. Wenn ich an Tagen, an denen mal wenig los ist, genüsslich Sportberichterstattung lese, dann ist das oft in der Süddeutschen Zeitung oder FAZ, weil da ausgeruhte Geschichten stehen, die man mal in Ruhe lesen kann: hintergründig und nicht nur den Ergebnissen hinterherhechelnd, nicht reißerisch aufgemacht. Das ist für mich qualitativ hochwertiger Sportjournalismus, den es natürlich nicht nur in SZ oder FAZ gibt.

Wie ist das mit den journalistischen Formen: Der Kicker hat seit jeher einen sehr zahlenorientierten, nüchternen Stil, da gibt es zum Beispiel in FAZ und SZ schon vielmehr Journalismus in essayistischer oder Reportageform. Würden Sie sich auch einfach mehr Experimente und Innovationen wünschen?

Absolut. Aber da bin ich vielleicht auch Angehöriger einer kleinen Minderheit, die das bevorzugen würde.

Zum Schluss dieses Journalismus-Blocks sei uns eine Frage in eigener Sache gestattet: Haben Sie schon mal einen Blick auf den VfLog geworfen?


Ja, den habe ich mir angeschaut. Den Ansatz finde ich sehr interessant, das ist ja schon sehr außergewöhnlich. Und die Geschichten gefallen mir gut, die sind gut geschrieben. Das ist eine wirklich nette Ergänzung, auch nicht mit dem Anspruch „Wir müssen jeden Tag die neuesten Nachrichten aus Gladbach und Osnabrück auf der Seite haben“. Aber das, was so passiert, wird originell aufgearbeitet und durchaus auch mit der Meinung der Autoren verknüpft. Finde ich schön.

Quelle:http://vflog.blogspot.com/2005/06/mi...m-gesicht.html
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Alt 27.06.2005, 16:20   #4
Keyser Söze
 
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Montag, Juni 27, 2005
"mit einer träne im auge"
Der vierte und letzte Teil des VfLog-Interviews mit VfL-Medienchef Markus Aretz. (Teil 1 | Teil 2 | Teil 3) s.o.

Wagen wir jetzt einen Ausblick auf die nächste Saison. Im Gladbacher Umfeld ist die Erwartungshaltung, auch wenn man gerade die x-te Saison ganz knapp nicht abgestiegen ist: „Jetzt wollen wir in die Champions League!“ Was macht man dagegen? Und zweitens: Worauf darf man realistischerweise hoffen im nächsten Jahr, was wäre ein Ziel?

Nach der letzten Saison ist wohl der Wunsch bei uns allen hier, mal eine Saison in Ruhe zu spielen, ohne Trainerentlassung, und dann irgendwo in der Bundesligatabelle zu landen, wo man nicht diesen Druck hat, dass die nächste Saison in der zweiten Liga stattfinden könnte. Wobei ich auch der Meinung bin, dass es nie eine Situation ohne Druck geben wird in der Bundesliga. Wenn da einer schreibt: „Jetzt hat man schon wieder so viel Druck vor dem Heimspiel.“ – das ist ja so ein Quatsch! Druck hat man immer. Wenn man auswärts verloren hat, hat man Druck: Klar, man muss zu Hause gewinnen, um nicht abzurutschen. Wenn man auswärts gewonnen hat, gibt es aber genauso Druck, weil dann alle schreiben: „Aber jetzt habt ihr die Chance, mit einem Heimspiel mal richtig nach oben zu gehen…“
Es gibt ja in der Bundesliga auch keine Zone in der Tabelle, wo man so jenseits von gut und böse spielt, wie das vielleicht in Holland ist. Oben geht es um die Meisterschaft, danach um den UEFA-Cup, UI-Cup, und der Zehnte ist ja nicht in Sicherheit vor dem Abstieg – vielleicht in den letzten drei Wochen, aber bis dahin auch nicht. Wir wünschen uns, mal eine Saison zu haben, in der es so erfolgreich läuft, dass man nach unten nicht diese Angst hat. Mit dem Druck nach oben könnten wir gut leben. Was die Erwartungshaltung angeht, kann man auch versuchen, mit aktiver Kommunikation darauf ein bisschen einzuwirken, aber auch das ist sehr, sehr schwierig.

Ankündigungen wie „Ein einstelliger Tabellenplatz ist das Ziel“ wird es also vor der nächsten Saison nicht geben?

Die wird es sicher nicht geben, und es war vielleicht auch im vergangenen Jahr nicht so schlau, das so zu sagen. Aber wenn man zwei Mal Zwölfter wird und ein Jahr Elfter und dann gefragt wird, „Was wollt ihr denn nächstes Jahr machen?“, dann sagt man natürlich nicht, „Wir wollen wieder Zwölfter werden oder wir wären auch mit Platz Dreizehn zufrieden“. Man muss sich ja jedes Jahr ein Ziel setzten, das ein bisschen höher gesteckt ist. Und dann sagt man: „Nach diesen drei Platzierungen hätten wir jetzt gern mal was Einstelliges.“
Man kann auch nicht so naiv sein zu glauben, dass man kein Ziel ausgeben müsste. Schwierig ist es natürlich, wenn man mit dem Ziel daneben liegt und die Medien fragen: „Warum haben die das gemacht?“ Das sind dann aber die gleichen Leute, die vor der Saison gefragt haben: „Wo wollt ihr denn hin? Sagt uns das mal! Ihr müsst doch ein Ziel haben!“ Das wird auch dieses Jahr wieder so sein, dass alle wissen wollen, wo wir denn landen wollen.

Mit dem Stadion und den Strukturen, die hier geschaffen wurden, ist natürlich das internationale Geschäft nicht aus dem Fankopf und aus dem eigenen Herzen rauszukriegen. Gibt es da intern wirklich so eine Art Stufenplan, indem man sagt, bis zu einem bestimmten Jahr wollen wir da und da stehen?

Auch intern ist es unsere Überzeugung, dass wir erstmal zusehen müssen, uns zu festigen. Klar hat jeder, der hier arbeitet, auch die 70er und 80er Jahre im Kopf und möchte international spielen. Und jeder wäre auch fehl am Platz, der sagen würde: „Da sehen wir Borussia Mönchengladbach nicht. Wir wollen immer Zehnter werden.“ Das ist ja Quatsch. Es wird auch irgendwann soweit kommen, dass Borussia wieder weiter oben spielt, das erfordert nur auch sehr viel Geduld.

Zum Abschluss eines langen Gesprächs möchten wir Sie noch um ein paar kurze Statements bitten: Gibt es für Sie irgendwelche ‚Nerv-Fragen’? In der vergangenen Saison zum Beispiel bestimmt die Frage, wann Elber fit ist oder wann die Trainer-Frage mit Köppel entschieden wird. Gibt es daneben noch ganz allgemein eine Frage, die Sie gern nie mehr hören würden?

(Lange Pause)
Ja, vielleicht die Frage, die mir vormittags jeden Tag gestellt wird: „Gibt’s was Neues?“ (lacht.) Ich find das so überflüssig. Das ist offenbar so: Da kommen Journalisten in die Redaktion und rufen erstmal hier an für ihre Tagesplanung. Ich denke dann immer, inzwischen müsste doch jeder wissen, dass wir uns melden, wenn es etwas gibt…

Gibt es umgekehrt eine Frage, vielleicht gerade nach Krisenzeiten, auf die Sie die ganze Zeit warten – wo Sie denken, da könnte ich so viel Positives erzählen, die aber noch nie gestellt wurde?

Nein, wüsste ich nicht.

Es ist also ok, was kommt?

Ok ist es nicht immer, aber in jedem Fall so erschöpfend, dass ich keine Frage vermisse. In Krisenzeiten ist es ja auch so, dass man meist ohnehin nicht so viel Positives zu erzählen hat. Ich würde mir da eher wünschen, dass es ein bisschen mehr Vertrauen in die handelnden Personen gibt. Ich finde, dass die Leistungen des Präsidiums in den letzten Jahren schon vorzeigbar sind. Und wenn dann zum Beispiel ein Spieler rausfliegt, dass man dann auch davon ausgeht, dass wir dafür gute Gründe haben und uns das auch überlegt haben. Auch wenn man die Gründe vielleicht nicht immer veröffentlichen kann.

Ganz zum Schluss möchten wir Sie jetzt nur noch bitten, zehn Satzanfänge zu vervollständigen.

1. Fußball ist … mein Lieblingsspiel.
2. Nur in Gladbach … dreht sich in einer Stadt alles, aber auch wirklich alles nur um den örtlichen Fußballverein – selbst, wer sich angeblich nicht für Fußball interessiert, weiß, wie der Verein gespielt hat und hat seine Meinung dazu.
3. Wenn der Bökelberg abgerissen wird, … werde ich auf der Bökelstraße stehen und das mit einer Träne im Auge mit ansehen.
4. Was ich einem Journalisten nie verzeihe, … ist, wenn er wissentlich lügt.
5. Manchmal beneide ich den FC Köln um … die schöne Stadt Köln (lacht).
6. Das Wort Mythos … spielt eine große Rolle bei Borussia, sollte aber nicht überstrapaziert werden, sonst könnte es auch zur Belastung werden.
7. Am meisten gelitten habe ich in den letzten Jahren, als … wir in Aachen das Pokalfinale verspielt haben.
8. Am meisten gefreut habe ich mich … bei einzelnen entscheidenden Spielen, von denen so viel abhängt. Zum Beispiel das Spiel, das den Aufstieg entschieden hat oder als zuletzt der Abstieg verhindert wurde…
9. In zehn Jahren ist Gladbach … wie jetzt schon einer der am besten aufgestellten Vereine der Liga und dann auch sportlich hoffentlich auf gleichem Niveau.
10. Und zum Abschluss: In zehn Jahren bin ich … – puh, keine Ahnung, da habe ich mir in meinem Leben noch nie Gedanken drüber gemacht. Dass ich sechs Jahre einen Job mache, ist schon sehr ungewöhnlich, ich habe vorher nie länger als drei Jahre an einem Ort gelebt. Jetzt bin ich schon seit 14 Jahren in Mönchengladbach, seit sechs Jahren Pressesprecher und ich kann mir auch gut vorstellen, das in zehn Jahren noch immer zu machen – das kann sich aber auch von einem Tag auf den anderen ändern.

Herr Aretz, vielen Dank für dieses Gespräch!

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