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Dokumentation eines verpfiffenen Pokalspiels

Hier finden Sie die Diskussion Dokumentation eines verpfiffenen Pokalspiels im Nationaler Fußball Forum. Diese befindet sich in der Kategorie Fußball-Foren; "Was Sie pfeifen, ist das Allerbeste" Die Dokumentation eines verpfiffenen Pokalspiels: Wie Schiedsrichter Hoyzer Paderborn gegen den HSV half. Von ...


 
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Alt 11.02.2005, 14:49   #1
 
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Icon19 Dokumentation eines verpfiffenen Pokalspiels

"Was Sie pfeifen, ist das Allerbeste"

Die Dokumentation eines verpfiffenen Pokalspiels: Wie Schiedsrichter Hoyzer Paderborn gegen den HSV half.
Von Jörg Marwedel

An diesem Freitag um 12.30 Uhr behandelt das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt den Fall des von Schiedsrichter Robert Hoyzer verschobenen DFB-Pokalspiels SC Paderborn – Hamburger SV (4:2).

Es ist das erste von bislang 13 angestrebten Verfahren im Zusammenhang mit manipulierten Spielen im Auftrag von Profizockern.

Zu entscheiden haben die DFB-Richter über eine finanzielle Entschädigung des HSV oder/und die Forderung des durch Betrug ausgeschiedenen Klubs, wieder in den Pokalwettbewerb aufgenommen zu werden.

In der Folge wird dokumentiert, was vor, während und nach dem Spiel in Paderborn passierte. Die Chronik basiert auf Aussagen Beteiligter und Betroffener. Nicht alle Darstellungen sind bislang zweifelsfrei belegt.

21.August 2004, vormittags: Auf einer Wiese in der Nähe des Hermann-Löns-Stadions in Paderborn ist Thijs Waterink, Kapitän von Regionalligist SC Paderborn, mit einem Unbekannten verabredet. Der „südländisch anmutende Mitbürger“ – so gibt Vereinspräsident Wilfried Finke später Waterinks Beschreibung wieder – übergibt dem Fußballer 10000 Euro. Sie seien als zusätzliche Motivation für einen Sieg über den Hamburger SV im DFB-Pokal gedacht.

Sollte Paderborn nicht gewinnen, müsse Waterink das Geld zurückzahlen. Der Mann ist Filip S., ein Bruder des Berufszockers Ante S. aus Berlin, und es gibt eine zweite Darstellung des Treffens: „Lass dich einfach mal im Strafraum fallen“, fordert Filip S. Waterink demnach auf, bevor er ihm die Scheine übergibt. Der Kapitän erzählt den Mannschaftskollegen angeblich nichts von der Prämie.

Mittags: Ante S. besucht den Schiedsrichter Robert Hoyzer, der am Tag zuvor angereist ist, auf dessen Zimmer in einem Paderborner Hotel. Die beiden besprechen Details der Schiebung. Ante S. und seine Freunde haben bei verschiedenen Wettbüros einen sechsstelligen Betrag auf einen Paderborner Sieg gesetzt.

Der Kroate sagt, was er jedes Mal sagt, wenn er auf Hoyzers „Freundschaftsdienst“ baut: „Das ist unser Spiel.“ Bei geglücktem Coup soll Hoyzer 20000 Euro bekommen, die Zocker werden einen siebenstelligen Betrag kassieren.

15 Uhr: Hoyzer pfeift die Partie im Hermann-Löns-Stadion an. 7000 Zuschauer sind da, die meisten hoffen auf eine Pokal-Sensation. Auch Ante und Filip S. sitzen erwartungsfroh auf der Tribüne.

15.13 Uhr: Der HSV geht durch Rahn 1:0 in Führung. Hoyzer unterbindet fortan auffällig oft Aktionen der Hamburger mit Freistoß für Paderborn.

15.20 Uhr: HSV-Trainer Klaus Toppmöller beschwert sich bei Schiedsrichter-Assistent Stephan Kammerer: „Hier ist doch was faul.“

15.30 Uhr: Mpenza erzielt trotzdem das 2:0, die Hamburger wirken souverän und kontrollieren das Spiel.

15.35 Uhr: Hoyzer raunt Paderborns Kapitän Waterink zu: „Mach’ doch mal was.“ Kurz darauf fällt Waterink im Strafraum. Der in der Nähe stehende Hamburger Rahn hat ihn nicht gefoult, doch Hoyzer gibt Elfmeter und Spork verkürzt auf 1:2.

15.36 Uhr: Die HSV-Profis können sich nicht beruhigen. Emile Mpenza läuft auf Hoyzer zu und ruft zweimal: „Arschloch.“ Der Schiedsrichter zeigt Mpenza die rote Karte.

15.41 Uhr: Gegen zehn aufgebrachte Hamburger schießt Müller das 2:2. Die Zeitlupe zeigt: Müller hat sich bei einem Gegenspieler aufgestützt – ein nicht geahndeter Regelverstoß.

16.10 Uhr: HSV-Profi Sergej Barbarez, 33, reklamiert bei Hoyzer nach einer erneut umstrittenen Entscheidung. Der Schiedsrichter kontert: „Reg’ dich nicht auf, deine Zeit ist eh vorbei.“

16.18 Uhr: Der Paderborner Cartus nutzt eine Konfusion in der Hamburger Abwehr und erzielt das 3:2.

16.20 Uhr: Hoyzer pfeift einen Freistoß für den HSV, Christian Rahn sagt zu ihm: „Das ist der erste, den ich bekomme.“ Hoyzer spottet: „Da kannst du mal sehen, wie selten du am Ball bist.“

16.30 Uhr: HSV-Profi Stefan Beinlich kommentiert Hoyzers Wirken ironisch: „Was Sie pfeifen, ist das Allerbeste.“ Der Schiedsrichter antwortet: „Pass auf, das kann ich noch viel besser.“

16.37 Uhr: Paderborns Stürmer Löbe lässt sich wie ein Kartoffelsack im Strafraum fallen. Ein Gegner hat ihn nicht berührt. Hoyzer gibt erneut Strafstoß, Spork verwandelt zum 4:2.

Später Nachmittag: Die HSV-Profis werden von mitgereisten Fans bespuckt und als „Versager“ beschimpft. Stefan Beinlich ist da schon von einem Bekannten zugetragen worden, was Hoyzer zu einem Paderborner Spieler in der Halbzeit gesagt haben soll: „Spielt ihr mal so weiter, den Rest erledige ich.“

Und: „Die können spielen, wie sie wollen, die haben hier keine Chance.“ Die Information macht im Mannschaftskreis die Runde. Hoyzer steigt ins Auto von Filip S. und fährt mit ihm zurück nach Berlin, wo der Referee sein Geld bekommen soll.

Abends: Hoyzer trifft im Café King ein und wird von „Freunden“ gefeiert.

22. August 2004, morgens: HSV-Chef Bernd Hoffmann bestellt die Mannschaft zur Krisensitzung und sagt: „Wir haben alles, was wir in der Sommerpause aufgebaut haben, eingerissen.“ Und: „Ich möchte nicht, dass jemand den Schiedsrichter als Entschuldigung anführt.“

In Paderborn verteilt Kapitän Waterink das Geld, das er am Vortag entgegen genommen hat, 500 Euro für jeden im Kader. Er sagt: „Von einem unbekannten Gönner.“ Weitere Fragen nach der Herkunft der Scheine stellt niemand.

23. August 2004: Die Zeitungen berichten von Hoyzers seltsamen Entscheidungen und seinen angeblichen Sprüchen. Das Hamburger Abendblatt schreibt: „Was Hoyzer in Paderborn sah und pfiff, war ein Skandal.“ Der HSV-Vorstand sieht dennoch von der zunächst erwogenen Beschwerde über den Schiedsrichter ab. Hoffmann sagt: „Wir wollen nicht als schlechte Verlierer dastehen.“

Hans-Wilhelm Forstner, Vizechef der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern, die Oddset bundesweit koordiniert, ruft DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt an und äußert den „Verdacht der Manipulation“. Es habe auffällig hohe Wetteinsätze auf das Spiel in Paderborn und eine weitere Partie unter Hoyzers Leitung gegeben – und bei beiden „fragwürdige“ Entscheidungen des Schiedsrichters.

Nachdem Schmidt um Vorsicht mit dem Begriff Manipulation gebeten hat, ist das Wort im folgenden Fax an den DFB durch „Unregelmäßigkeiten“ ersetzt. Auf Bitten von Oddset informiert die Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB) telefonisch einen Berliner Kriminalkommissar, doch der Mann ist nicht für den Bereich „Großbetrug“ zuständig.

Derweil spricht der Berliner Schiedsrichter-Kollege Olaf Blumenstein Hoyzer auf die Presseberichte an. Der gibt sich, so Blumenstein, „völlig entrüstet, dass in den Zeitungen stand, er hätte falsch gepfiffen“.

24. August 2004: Auch Lutz-Michael Fröhlich, „Elder Statesman“ unter Berlins Schiedsrichtern, sucht das Gespräch mit Hoyzer. Eine Stunde dauert sein Vortrag über „korrektes Auftreten in der Öffentlichkeit“. Der junge Kollege solle „aufpassen, was er sagt und wie er mit den Spielern umgeht, dass er keine Front gegen sich aufbaut“, rät Fröhlich. Als er Gerüchte anspricht, wonach Hoyzer wette, antwortet der: „Da ist nichts dran.“

25. August 2004: Auf der Internet-Seite des DFB weist Volker Roth, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, nach einer Befragung Hoyzers die Kritik an dem Referee zurück. Kolportierte Äußerungen Hoyzers gegenüber Paderborner und Hamburger Spielern nennt Roth „frei erfunden“. Von dem Manipulationsverdacht weiß er nichts, niemand vom DFB hat ihn informiert.

Epilog: Nachdem Oddset dem DFB Mitte September mitteilt, es gäbe laut Berliner Kripo „keine zusätzlichen Verdachtsmomente“ und um „vertrauliche“ Behandlung des Falles bittet, stellt der Verband das Verfahren ein, ohne selbst ermittelt zu haben. Erst Ende Januar 2005, nach Hoyzers Geständnis, wird Roths Plädoyer vom August von der Website des DFB genommen.

Mediendirektor Harald Stenger sagt: „Wir haben die Mitteilung entfernt, weil man inzwischen sagen muss, dass diese Verteidigung in sich zusammen gefallen ist.“


Quelle: Sueddeutsche.de (aber eigentlich aufmerksam geworden bei S1 durch den user St. Pauli Girl ... )

mst8576 ist offline   Mit Zitat antworten Zum Ende der Seite springen Zum Anfang der Seite springen 
Alt 11.02.2005, 15:09   #2
Europapokalsieger
 
Benutzerbild von Icke
 
Geschlecht: Männlich
Registriert seit: 31.08.2004
Ort: Irgendwo im Nirgendwo
Sorry, so ernst die ganze sache auch ist, aber die Dialoge zwischen den Spielern und Herrn Hoyzer sind einfach zu köstlich:

HSV-Profi Sergej Barbarez, 33, reklamiert bei Hoyzer nach einer erneut umstrittenen Entscheidung. Der Schiedsrichter kontert: „Reg’ dich nicht auf, deine Zeit ist eh vorbei.“

Hoyzer pfeift einen Freistoß für den HSV, Christian Rahn sagt zu ihm: „Das ist der erste, den ich bekomme.“ Hoyzer spottet: „Da kannst du mal sehen, wie selten du am Ball bist.“

HSV-Profi Stefan Beinlich kommentiert Hoyzers Wirken ironisch: „Was Sie pfeifen, ist das Allerbeste.“ Der Schiedsrichter antwortet: „Pass auf, das kann ich noch viel besser.“

Eigentlich kann ich den Typern ja (wie wohl fast alle) überhaupt nicht ab, aber eins muss ich ihm lassen: auf den mund gefallen ist er nicht...
Icke ist offline   Mit Zitat antworten Zum Ende der Seite springen Zum Anfang der Seite springen 
Alt 11.02.2005, 15:13   #3
 
Benutzerbild von derMoralapostel
 
Geschlecht: Männlich
Registriert seit: 01.09.2004
Zitat von Icke
Eigentlich kann ich den Typern ja (wie wohl fast alle) überhaupt nicht ab, aber eins muss ich ihm lassen: auf den mund gefallen ist er nicht...

wenn es nicht den Hintergrund dazu gäbe, müsste man ihn fast für solche Antworten loben Ich bin mir sicher, dass weniger gemeckert und reklamiert werden würde, wenn die Schiedsrichter entsprechend antworten würden

derMoralapostel ist offline   Mit Zitat antworten Zum Ende der Seite springen Zum Anfang der Seite springen 
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