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Ja, er lebt noch.....

Hier finden Sie die Diskussion Ja, er lebt noch..... im Nationaler Fußball Forum. Diese befindet sich in der Kategorie Fußball-Foren; Montag, 07.02.2005 Ja, er lebt noch... So war das früher am Bökelberg: steile Ränge, hohe Siege. (Fotos: dpa) LIEBESERKLÄRUNG / ...


 
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Alt 09.02.2005, 02:09   #1
Keyser Söze
 
Benutzerbild von drunkenbruno
 
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Registriert seit: 31.08.2004
Ort: Ratingen
Icon32 Ja, er lebt noch.....

Montag, 07.02.2005


Ja, er lebt noch...



So war das früher am Bökelberg: steile Ränge, hohe Siege. (Fotos: dpa)

LIEBESERKLÄRUNG / Der Gladbacher Bökelberg ist goldene Vergangenheit. Eine Geschichte vom ersten und letzten Mal.

Da ist es wieder. Dieses besondere Glücksgefühl. Vergleichbar mit dem Augenblick, wenn man als kleiner Junge gerade sein Lieblingseis bekommt. Oder später das erste Mal auf Skiern steht. Heute ist es vielleicht der erste Ton beim Konzert der Lieblingsband. Es sind diese Stufen, die man locker nimmt. Vor denen man sonst schon am Absatz kehrt machen würde. Doch man erwischt sich immer wieder dabei. Dass man sich freut, wie ein kleines Kind. Am Gladbacher Bökelberg. Wie an diesem tristen 29. Oktober des Jahres 2003. Vielleicht ist es mein letztes Mal. Also muss Zeit zum Genießen bleiben. Ich atme durch, bleibe stehen, schaue auf. Natürlich ist sie in die Jahre gekommen, die alte Dame. Hier ein Riss, dort Unkraut. Doch alte Liebe rostet nicht. Und Treue heißt, auch den schweren Weg rauf zu gehen. In ein paar Sekunden werde ich oben sein, am Gipfel meines Glücks. Gehen wir spazieren in der glorreichen Gladbacher Vergangenheit und kommen in der Gegenwart an, im neuen Stadion.

Lange war ich nicht mehr hier. Drei, zwei, eins - ich bin über den Berg. Zu Hause angekommen, in meinem zweiten Wohnzimmer. Schön, dass sich nichts verändert hat. Rechts ein Tor, links ein Tor. Dazwischen 100 Meter sattes Grün. Gegenüber die Tribüne, an den Seiten die Kurven. Die eigentlich gerade sind. Grün-weiß-schwarze Glückseligkeit, im Norden, im Süden, wie im Westen. Hier wird in allen vier Ecken immer Liebe drin stecken. Das sehen einige Tausende genau wie ich. Auch die in Block 28 auf der Gegengeraden im Osten. Vorbei ist´s urplötzlich mit der Bergidylle, dicht gedrängt stehen die Leute steil hinunter bis zum Zaun. "VAU-EFF-ELL". Schon eine halbe Stunde vor Beginn stimmen die Fans ihre Loblieder an.

Hoffnung stirbt nicht

Wohl wissend, dass es in diesen Zeiten nicht mehr so viel zu jubeln gibt. Für unsere Elf. Vielleicht auch heute nicht. Denn da unten machen sich ein paar illustre Herren in Schwarz-gelb warm. Koller, Wörns und Ewerthon. Borussia gegen Borussia also. In der zweiten Runde des DFB-Pokals. Die Nervosität ist groß, die Erwartung verhalten, die Hoffnung noch kleiner. Die Leiden des halbwegs jungen S. zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Früher, ja früher, da war hier am Bökelberg alles besser. Dort hat man mit acht Mark Eintritt für den Stehplatz in der Nordkurve gleich die Torgarantie mitgekauft. Feiern auf dem Berg, das hat auch meine Freunde Jörg, Volker, Michael und mich bei der Planung unserer Wochenendgestaltung nicht lange überlegen lassen. Mit der Thermoskanne voll Tee und Keksdose im Gepäck ging´s in den goldenen Westen. A 57, A 52, Ausfahrt Mönchengladbach-Nord - das kannten wir besser als den eigenen Schulweg Richtung Moers.

Sag mal, wie steht´s eigentlich?" Unser Satz der Woche damals. Oft blieb bloß der Blick nach links oben. Zur Anzeigetafel. Auch wenn die oft nicht mitkam. Wie in der Saison 84/85. Beim 10:0 gegen Braunschweig oder 7:0 gegen Kaiserslautern war sie überfordert. Jeder zweite Schuss ein Treffer, ja das war unsere Jugend am Bökelberg. Eine schöne Zeit. Mit dem Trommler Manolo, dem Eismann und dieser berüchtigten Durchsage des Stadionsprechers: "Heute wird gestürmt, morgen wird gemauert - mit Simons-Klinker."Unvergesslich das Meer aus grün-weiß-schwarzen Fahnen, Schnipseln und Schals in der Nordkurve. Beim Einlauf der Gladiatoren. Und natürlich die vielen Tore. Von Mill, Criens, Rahn, Dahlin und wie sie alle heißen. Manchmal waren wir mittwochs da, selig sind die alten Europapokalzeiten.Später dann, als Mann der schreibenden Zunft, war ich dort, wo man als kleiner Junge immer hin wollte. Im langen Spielertunnel. Im Innenraum, direkt hinter dem Tor. Hörte Torwart Uwe Kamps fluchen, sah den Ball in den Abendhimmel fliegen, aber auch ins gegnerische Netz rauschen. Da musste man die Faust in der Tasche machen. Nicht ganz einfach, Neutralität zu wahren. Doch es gab auch nicht mehr viel Grund zum Feiern. Abstieg, die Grausamkeit der 2. Liga, dann zuletzt der Kampf ums Überleben.

Umzug in eine größere Wohnung

Der Schnitt kam vielleicht zur rechten Zeit. Irgendwann zieht jeder um, in eine größere und schönere Wohnung. Die heißt jetzt Borussia-Park. Ein richtiges Schmuckstück. Mit viel Marmor, mit Aufzügen bis unters Dach, Sesseln für Journalisten, einem überdachten Rund, einer Anzeigetafel mit bewegten Bildern und netten Damen, die einem den Weg weisen. Kicken mit Komfort, Fußball im 21. Jahrhundert. Doch eine schöne Fassade macht noch keinen neuen Fohlen-Zauber. Gegen den 1. FC Kaiserslautern feiere ich mein Debüt. 2:0 gewonnen. Natürlich bleibt die Raute im Herzen, auch ein paar Kilometer weiter. Aber ob das mein neues Wohnzimmer wird?

Deshalb werde ich diesen letzten Abend auf dem Bökelberg nie vergessen. "Stückchen Schokolade", fragt mich die Frau neben mir, als "Fußballgott" Igor Demo den Ball zum 1:0 in den Winkel drischt. Auch beim 2:0 durch Kolkka sind meine Qualitäten als Sprungbrett gefragt. Der Mann hinter mir will beim Jubeln hoch hinaus. Auf der falschen Seite geht der Ball nur einmal rein. 2:1, die nächste Runde ist erreicht, die Frage nach der wahren Borussia geklärt.

Ein letztes Mal genieße ich den Abstieg. Stufe für Stufe. Atme durch, bleibe stehen, schaue auf. Da ist es wieder. Das gute Gefühl. Wenn die Schultern schmerzen...

07.02.2005 CHRISTIAN SCHYMA


Copyright: Neue Ruhr/Rhein Zeitung NRZ

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