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Michael Meier - kein ganz normaler Fortgang

Hier finden Sie die Diskussion Michael Meier - kein ganz normaler Fortgang im Nationaler Fußball Forum. Diese befindet sich in der Kategorie Fußball-Foren; Quelle: www.die-kirsche.com Autor: Markus Hahn / torwarttrainer Es gibt ganz seltene, kostbare Momente im Leben eines Menschen, in denen er ...


 
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Alt 16.03.2005, 00:08   #1
Dortmunder.
 
Benutzerbild von Kurz-de-Borussia
 
Geschlecht: Männlich
Registriert seit: 31.08.2004
Ort: Zürich / Dortmund
Michael Meier - kein ganz normaler Fortgang

Quelle: www.die-kirsche.com
Autor: Markus Hahn / torwarttrainer



Es gibt ganz seltene, kostbare Momente im Leben eines Menschen, in denen er zu einem anderen Menschen findet, der die gleichen Visionen teilt. Dies sind Momente, in denen häufig Großes seinen Anfang nimmt. Ein solcher Moment war es, in dem Michael Meier und Gerd Niebaum sich vor etwa 15 Jahren ihr geschäftliches Ja-Wort gaben, um aus einem etwas verstaubten, kränkelnden Familienunternehmen einen Weltkonzern zu formen. Der BVB geriet in den Bannkreis der Visionen beider Männer. Und es wie mitunter in der Galaxis der Fall zu sein pflegt, führte der Bannkreis letztendlich in ein schwarzes Loch.


Ein gutes Gespür für die aufkommende unaufhaltsame Kommerzialisierung des Fußballs und eine mutige Unternehmensstrategie nach dem Motto „Geld schiesst Tore“ waren es, die unseren Verein zu neuem sportlichen Ruhm und Ansehen verhalfen. Anfangs noch getragen von der überregionalen Sympathie für den Underdog mit den außergewöhnlich begeisterungsfähigen und fairen Fans erklomm der BVB unter der betriebswirtschaftlichen Leitung Michael Meiers die Zuschauer- und Merchandise-Charts der Bundesliga. Wer das Hündchen und wer das Herrchen war, erschloss sich dem Betrachter nicht immer. Zu wichtig, zu distinguiert war die Inszenierung beider Visionäre, als dass man in ihnen etwas anderes hätte erkennen können, als ein perfektes Duo.

Die erste Meisterschaft seit vielen, vielen Jahren hätte die beiden zu Dortmunder Ikonen werden lassen können. Doch in der Folge liefen die Visionen aus dem Ruder. Ein fester Platz im Club der europäischen Creme de la Creme sollte es werden. Dr. Niebaum als Dortmunder Sonnengott und Michael Meier als Manager der Erfolgsgeschichte. Dafür musste Knete her, viel Knete, mehr Knete, zum Schluss – zu viel Knete. Das erforderte die gründliche Umgestaltung des Ballsportvereins Borussia Dortmund.
Aus dem Verein wurde ein Unternehmen. Aus den Fans wurden Kunden. Aus den Fußballern wurden Betriebskapital und Spekulationsobjekte. Aus den Statements Michael Meiers wurden rhetorische Spreitzungen der betriebswirtschaftlichen Terminologie.
Man entfernte sich – von den Wurzeln des Vereins, von den Fans, von der Realität, zuletzt von der Liquidität.

Der Börsengang, in dem damals schon einige den Ausdruck finanzieller Not und nicht eine unternehmerische Vision sahen, wurde gegen Kritiker mit Verve verteidigt. Michael Meier war ein Meister des verbalen Floretts. Alleine seine Kompetenz beim Austeilen war immer wesentlich höher als seine Nehmerqualitäten. Kritiker wurden abwechselnd als böswillig oder ahnungslos gebürstet. Der innerbetrieblichen Stimmungspflege dienten „Fankonferenzen“, die die offene Atmosphäre von FDJ-Delegiertentreffen atmeten. Michael Meier machte es einem schwer, ihn zu mögen. Und es wurde immer schwerer.
Es mehrten sich betriebswirtschaftliche Zauberkunststückchen, die die Bilanz glätten sollten. „Kreative Buchführung“ war gefragt, um den unersättlichen Bedarf an Geld für horrende Ablösesummen und Gehälter zu stillen. Der Amoroso-Evanilson-Deal war der erste, der auch dem gemeinen Fan wie mir zu denken gab. Der Stadion-Deal mit Molsiris, der uns fast den Kragen gekostet hätte, erscheint rückblickend so hanebüchen, dass man sich kaum traut, nach den Hintergründen zu fragen.
„Ein ganz normaler Vorgang“ – man hätte es Michael Meier so gerne geglaubt.

Die Spirale drehte sich unerbittlich, auszupressen gab es langsam nichts mehr. Kredite waren außer von sauerländischen Unternehmern (gegen Abtritt von potentiellen Transfererträgen) nicht mehr zu bekommen. Die Banken klappten die Zugbrücken hoch, sahen sie den Mercedes des KgaA-Geschäftsführers anrauschen. Zu dieser Zeit, als die beiden Vorsitzenden der KgaA schon hektisch durch Europa reisten, um Bares zu leihen, gab Michael Meier unverändert den Unbeugsamen, der vorsichtige Kritik am Finanzgebahren des BVB gnadenlos abgrätschte.

Rien ne va plus.

Als Dr. Gott irgendwo im Schnee von St. Moritz versank, glaubten manche, dies sei Ausdruck eines proaktiven Neuanfangs von Seiten des neuen Präsidenten. Weit gefehlt, es war nur der letztmögliche Augenblick, zu dem sich Niebaum proaktiv diskret vor der öffentlichen Preisgabe des eigenen Lügengeflechts drücken konnte.

Meier blieb, das muss man ihm zu Gute halten. Am Ende war er nicht so geschmeidig wie sein Alter Ego, auch wenn er bis zum Schluß nichts Schlechtes in seinem Tun erkennen wollte. Forderungen nach seinem Rücktritt verwies er in den jakobinischen Dunstkreis des Plebs. „Verantwortlich“ sei er schon gewesen, „schuld“ nicht. „Irgendwann“ müsse „auch Schluss sein“. Spätestens, wenn es galt, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur rhetorisch.
Der BVB, vielleicht der Traditionsverein in Deutschland, an dem die meisten Menschen – nicht nur Fans – mit ganzem Herzen hängen, ist ruiniert. Finanziell und ein Stück weit auch moralisch. Durch die Verantwortung von Dr. Gerd Niebaum und Michael Meier. Es handelte sich nicht um eine einzelne verhängnisvolle Fehlentscheidung, die uns allen immer wieder unterlaufen kann. Es handelte sich nicht um widrige Zufälligkeiten, wie uns das Michael Meier immer noch weismachen will. Es handelte sich um aus menschlichen Schwächen geborene, jahrelange betriebswirtschaftliche Fehlleistungen der beiden Protagonisten, die unkorrigiert und scheinbar unkorrigierbar zum Crash führten.
Deswegen wird Michael Meier spätestens Ende Juni 2005 leise von Außen die Türe schliessen.



Eine öffentliche Verabschiedung im Stadion wird sich wohl selbst sein Tennispartner Reinhard Rauball verkneifen.

Aber was gibt es schöneres für einen Kaufmann, als wenn er alle Kunden restlos bedient zurück lässt…..

Adieu Michael Meier!

Wir bleiben zurück. Zum Glück weiterhin mit unserem BVB.

Die wirtschaftlichen Folgen der Ära Niebaum/Meier werden uns vermutlich noch unser ganzes Fanleben lang begleiten. Die emotionalen Kollateralschäden werden hoffentlich etwas schneller zu reparieren sein.

Wir erwarten nicht mehr allzu viel. Wir sind glücklich, wenn wir eine Mannschaft mit Identifikationspotential nach vorne brüllen können und wenn wir wieder Glaubwürdigkeit bei denen verspüren, die die Geschicke unseres Vereins leiten.

Es ist eine Zeit der Besinnung. Wir sollten sie nutzen...

hier

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Alt 16.03.2005, 01:10   #2
Keyser Söze
 
Benutzerbild von drunkenbruno
 
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Registriert seit: 31.08.2004
Ort: Ratingen
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Sehr schöner Bericht...leider zu weich für einen Dr.God und einen Meier...... Wenn selbst ich als fast Unbeteiligter eine solche Wut aufgebaut habe gegenüber diesen beiden Machern, dann heißt das schon was.

Versteht mich bitte nicht so falsch wie ihr es ab und an tut, aber meine Wut richtet sich fast ausschließlich gegen diesen beiden Typen, die dem deutschen Fußball in den letzten 15 Jahren sehr geschadet haben... Sie haben das Gehaltsgeflecht aufgeblasen...sie haben mutwillig andere Vereine sportlich wie auch finanziell geschädigt. Vereine sind infolge dessen, natürlich nicht ausschließlich, abgestiegen oder mußten ihren Spielern viel Geld zahlen , um sie zu halten.

Sie haben aber vor allen Dingen das Herz des Vereines zerstört. Sie haben mehr als die Seele verkauft...ein Dr. Faust ist gar nichts gegen die beiden.... Selbst vor dem Namen, dem Stadion oder sonstwas, haben sie nicht halt gemacht, alles wurde dem schnöden Mammon geopfert, alles.... Wäre es weitergegangen letztes Jahr mit Schechter, hätten die beiden wohl auch die Fans verkauft.....

Ab gestern schlägt nun eine neue Uhr im Herzen des Ruhgebietes. Eine Uhr die mindestens 10 Jahre Mißwirtschaft aufholen und verarbeiten muß. Es wird wohl fast genauso lange brauchen bis wieder alles im Reinen ist. Oder gibt es überhaupt ein Nachher, ein unschuldiges Nachher noch? Ich glaube nicht...

Der Imageschaden wird wohl wahrscheinlich sehr viel größer sein. Ich zum Beispiel werde euch immer als den Verein ansehen, der als Erster seine Seele an der Börse verkauft hat. Von da ab ein unpersöhnliches Papier, welches heute für zwei-euro-fuffzig in Frankfurt gehandelt wird.....kein Verein mehr sondern eine Kapitalgesellschaft.

Alle eure Erfolge, alle eure Siege haben einen tiefschwarzen Schatten erhalten und sind in meinen Augen nicht das Papier wert auf das sie stehen, aber jetzt werde ich wieder polemisch....

Was ich mich immer frage, wenn ich an die beiden Sonnenkönige denke ist, wieviel Geld haben die beiden in den letzten 15 Jahren wohl verbraten und warum hat es keiner bemerkt? Wie konnte sich eine so renommierte Bank wie die DB beim IPO so hinters Licht führen lassen? Wie konnte man Huntertausende von Aktionären so verarschen? Wie konnte man das Stadion in der Art und Weise verscherbeln? Wie war das alles möglich?

Möge der -tiefe- Fall BVB einzigartig bleiben.....


@Kurz
Komme bitte nicht auf die Idee hier Quervergleiche mit meiner Borussia anzuführen... Wir reden, wenn, dann von anderen Zahlen, die in meinen Augen sogar refinanziert werden...also lassen wir das.....

@alle anderen Bitte zerfleischt mich nicht.... bin ein wenig betrunken.....
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Alt 16.03.2005, 02:05   #3
Giovane forever!
 
Benutzerbild von jens
 
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Registriert seit: 01.09.2004
Ort: Jetzendorf
Zitat von Kurz-de-Borussia
Quelle: www.die-kirsche.com
Autor: Markus Hahn / torwarttrainer



...Ein solcher Moment war es, in dem Michael Meier und Gerd Niebaum sich vor etwa 15 Jahren ihr geschäftliches Ja-Wort gaben, um aus einem etwas verstaubten, kränkelnden Familienunternehmen einen Weltkonzern zu formen....

hier

Einen WAS bitte?
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Alt 16.03.2005, 07:05   #4
downie
Gast
 
Zitat von jens
Einen WAS bitte?


Setze "Fussball" vor Weltkonzern und beachte den Kontext "angetreten sind", was ja nicht bedeutet, dass jeder der antritt auch wie geplant abtritt...


Aber du hast schon recht, ab und an blitzt es ganz freudianisch nochmal durch. 15 Jahre gingen auch am Schreiber sicher nicht ohne Spuren vorbei.

Ab heute dürft ihr bei jedem geplanten Transfer mächtig zucken, denn selbst wenn heute das Geld dafür vorhanden scheint, es wird auch ein Jahr 2006 kommen und man schmunzelt schon wieder, wenn man sich die Konsolidierungsgrundlagen (internationales Geschäft, lt. Mr. 300000€) betrachtet.

Gute Reise und dranbleiben am Michel!

BWRG

downie
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Alt 16.03.2005, 08:33   #5
Póg Mo Thoin
 
Benutzerbild von Tom Bombadil
 
Geschlecht: Männlich
Registriert seit: 04.09.2004
@Jens:
Du hast den Text irgendwie nicht verstanden, oder?

@drunkenbruno:
Unsere Wut ist immens, alleine sie wird uns jetzt nicht mehr weiter bringen. Jetzt ist handeln mit kühlem Kopf angesagt, damit Meier endlich den Abgang macht.

@downie:
da blitzt nichts freudianisch durch - dafür solltest du TT mittlerweile kennen. Dass wir nur eine Galgenfrist bekommen haben bis und alles wieder einholt ist klar. Es muss jetzt gearbeitet werden wie Sau, damit wir aus dem Loch kommen. Dazu muss aber erst Meier das Feld räumen.
Tom Bombadil ist offline   Mit Zitat antworten Zum Ende der Seite springen Zum Anfang der Seite springen 
Alt 16.03.2005, 09:08   #6
downie
Gast
 
TT bitte melden
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Alt 16.03.2005, 09:20   #7
Nur der BVB!!!
 
Benutzerbild von ConJulio
 
Geschlecht: Männlich
Registriert seit: 05.02.2005
Ort: Wuppertal
Zitat von Tom Bombadil

@downie:
da blitzt nichts freudianisch durch - dafür solltest du TT mittlerweile kennen. Dass wir nur eine Galgenfrist bekommen haben bis und alles wieder einholt ist klar. Es muss jetzt gearbeitet werden wie Sau, damit wir aus dem Loch kommen. Dazu muss aber erst Meier das Feld räumen.



Sorry, aber mit dem was jetzt auch wieder Rauball, Watzke und Co. jetzt wieder erzählen schon kritisch auseinander gesetzt.
Als ich nach der Molsiris entscheidung hier einen Text hinein gesetzt habe der damit Kritisch ungeht und wo ich geschrieben habe das es noch hart wird - Wollte keiner hören glaube ich. Vielleicht liege ich auch falsch, aber mir scheint es so.
Alle jubeln im Moment und freuen sich - was auch vollkommen berechtigt ist. Aber wir als Fans des BVB sollten mal sehr sehr wachsam sein. Denn das sollte nicht nochmal passieren.
ConJulio ist offline   Mit Zitat antworten Zum Ende der Seite springen Zum Anfang der Seite springen 
Alt 16.03.2005, 09:56   #8
 
Geschlecht: Weiblich
Registriert seit: 02.03.2005
Ort: Dortmund
Zitat von Kurz-de-Borussia
Quelle: www.die-kirsche.com
Autor: Markus Hahn / torwarttrainer



Es gibt ganz seltene, kostbare Momente im Leben eines Menschen, in denen er zu einem anderen Menschen findet, der die gleichen Visionen teilt. Dies sind Momente, in denen häufig Großes seinen Anfang nimmt. Ein solcher Moment war es, in dem Michael Meier und Gerd Niebaum sich vor etwa 15 Jahren ihr geschäftliches Ja-Wort gaben, um aus einem etwas verstaubten, kränkelnden Familienunternehmen einen Weltkonzern zu formen. Der BVB geriet in den Bannkreis der Visionen beider Männer. Und es wie mitunter in der Galaxis der Fall zu sein pflegt, führte der Bannkreis letztendlich in ein schwarzes Loch.


Ein gutes Gespür für die aufkommende unaufhaltsame Kommerzialisierung des Fußballs und eine mutige Unternehmensstrategie nach dem Motto „Geld schiesst Tore“ waren es, die unseren Verein zu neuem sportlichen Ruhm und Ansehen verhalfen. Anfangs noch getragen von der überregionalen Sympathie für den Underdog mit den außergewöhnlich begeisterungsfähigen und fairen Fans erklomm der BVB unter der betriebswirtschaftlichen Leitung Michael Meiers die Zuschauer- und Merchandise-Charts der Bundesliga. Wer das Hündchen und wer das Herrchen war, erschloss sich dem Betrachter nicht immer. Zu wichtig, zu distinguiert war die Inszenierung beider Visionäre, als dass man in ihnen etwas anderes hätte erkennen können, als ein perfektes Duo.

Die erste Meisterschaft seit vielen, vielen Jahren hätte die beiden zu Dortmunder Ikonen werden lassen können. Doch in der Folge liefen die Visionen aus dem Ruder. Ein fester Platz im Club der europäischen Creme de la Creme sollte es werden. Dr. Niebaum als Dortmunder Sonnengott und Michael Meier als Manager der Erfolgsgeschichte. Dafür musste Knete her, viel Knete, mehr Knete, zum Schluss – zu viel Knete. Das erforderte die gründliche Umgestaltung des Ballsportvereins Borussia Dortmund.
Aus dem Verein wurde ein Unternehmen. Aus den Fans wurden Kunden. Aus den Fußballern wurden Betriebskapital und Spekulationsobjekte. Aus den Statements Michael Meiers wurden rhetorische Spreitzungen der betriebswirtschaftlichen Terminologie.
Man entfernte sich – von den Wurzeln des Vereins, von den Fans, von der Realität, zuletzt von der Liquidität.

Der Börsengang, in dem damals schon einige den Ausdruck finanzieller Not und nicht eine unternehmerische Vision sahen, wurde gegen Kritiker mit Verve verteidigt. Michael Meier war ein Meister des verbalen Floretts. Alleine seine Kompetenz beim Austeilen war immer wesentlich höher als seine Nehmerqualitäten. Kritiker wurden abwechselnd als böswillig oder ahnungslos gebürstet. Der innerbetrieblichen Stimmungspflege dienten „Fankonferenzen“, die die offene Atmosphäre von FDJ-Delegiertentreffen atmeten. Michael Meier machte es einem schwer, ihn zu mögen. Und es wurde immer schwerer.
Es mehrten sich betriebswirtschaftliche Zauberkunststückchen, die die Bilanz glätten sollten. „Kreative Buchführung“ war gefragt, um den unersättlichen Bedarf an Geld für horrende Ablösesummen und Gehälter zu stillen. Der Amoroso-Evanilson-Deal war der erste, der auch dem gemeinen Fan wie mir zu denken gab. Der Stadion-Deal mit Molsiris, der uns fast den Kragen gekostet hätte, erscheint rückblickend so hanebüchen, dass man sich kaum traut, nach den Hintergründen zu fragen.
„Ein ganz normaler Vorgang“ – man hätte es Michael Meier so gerne geglaubt.

Die Spirale drehte sich unerbittlich, auszupressen gab es langsam nichts mehr. Kredite waren außer von sauerländischen Unternehmern (gegen Abtritt von potentiellen Transfererträgen) nicht mehr zu bekommen. Die Banken klappten die Zugbrücken hoch, sahen sie den Mercedes des KgaA-Geschäftsführers anrauschen. Zu dieser Zeit, als die beiden Vorsitzenden der KgaA schon hektisch durch Europa reisten, um Bares zu leihen, gab Michael Meier unverändert den Unbeugsamen, der vorsichtige Kritik am Finanzgebahren des BVB gnadenlos abgrätschte.

Rien ne va plus.

Als Dr. Gott irgendwo im Schnee von St. Moritz versank, glaubten manche, dies sei Ausdruck eines proaktiven Neuanfangs von Seiten des neuen Präsidenten. Weit gefehlt, es war nur der letztmögliche Augenblick, zu dem sich Niebaum proaktiv diskret vor der öffentlichen Preisgabe des eigenen Lügengeflechts drücken konnte.

Meier blieb, das muss man ihm zu Gute halten. Am Ende war er nicht so geschmeidig wie sein Alter Ego, auch wenn er bis zum Schluß nichts Schlechtes in seinem Tun erkennen wollte. Forderungen nach seinem Rücktritt verwies er in den jakobinischen Dunstkreis des Plebs. „Verantwortlich“ sei er schon gewesen, „schuld“ nicht. „Irgendwann“ müsse „auch Schluss sein“. Spätestens, wenn es galt, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur rhetorisch.
Der BVB, vielleicht der Traditionsverein in Deutschland, an dem die meisten Menschen – nicht nur Fans – mit ganzem Herzen hängen, ist ruiniert. Finanziell und ein Stück weit auch moralisch. Durch die Verantwortung von Dr. Gerd Niebaum und Michael Meier. Es handelte sich nicht um eine einzelne verhängnisvolle Fehlentscheidung, die uns allen immer wieder unterlaufen kann. Es handelte sich nicht um widrige Zufälligkeiten, wie uns das Michael Meier immer noch weismachen will. Es handelte sich um aus menschlichen Schwächen geborene, jahrelange betriebswirtschaftliche Fehlleistungen der beiden Protagonisten, die unkorrigiert und scheinbar unkorrigierbar zum Crash führten.
Deswegen wird Michael Meier spätestens Ende Juni 2005 leise von Außen die Türe schliessen.



Eine öffentliche Verabschiedung im Stadion wird sich wohl selbst sein Tennispartner Reinhard Rauball verkneifen.

Aber was gibt es schöneres für einen Kaufmann, als wenn er alle Kunden restlos bedient zurück lässt…..

Adieu Michael Meier!

Wir bleiben zurück. Zum Glück weiterhin mit unserem BVB.

Die wirtschaftlichen Folgen der Ära Niebaum/Meier werden uns vermutlich noch unser ganzes Fanleben lang begleiten. Die emotionalen Kollateralschäden werden hoffentlich etwas schneller zu reparieren sein.

Wir erwarten nicht mehr allzu viel. Wir sind glücklich, wenn wir eine Mannschaft mit Identifikationspotential nach vorne brüllen können und wenn wir wieder Glaubwürdigkeit bei denen verspüren, die die Geschicke unseres Vereins leiten.

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Na ich bin mir noch nicht so sicher ob Herr Meier das Feld im Juni nach Vertragsablauf räumen wird!!!!

Ich bete mal das es geschieht, weil .... wenn ich jetzt was schreibe wird es böse werden. Es heißt ja wenn man nichts Gutes über einen Menschen sagen kann soll man es lassen. Ich lasse es jetzt mal lieber!!!

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