1.FC Bocholt peilt Regionalliga an

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FUSSBALL I / Jupp Tenhagen bleibt weiter am Hünting und soll die Schwarz-Weißen nächstes Jahr in die dritte Liga führen.

EMMERICH/BOCHOLT. Der größte Tag in der Vereinsgeschichte des 1. FC Bocholt war der 3. März 1984. Kein geringerer als der FC Bayern München, mehrfacher deutsche Meister, gastierte am Bocholter Hünting. Die Bayern hatten schon im Mai 1983 in Freundschaft bei den Schwarz-Weißen gespielt. Doch jetzt kamen sie zu einem Pflichtspiel: Viertelfinale im DFB-Pokal. 16.350 Karten durften aus Sicherheitsgründen nur verkauft werden. Der Hünting war so voll, dass quasi keine Maus mehr ins Stadion passte. Und es herrschte eine grandiose Stimmung auf den Rängen- ein absoluter Höhepunkt der 100-jährigen Vereinsgeschichte. Die Bayern kamen mit allen Assen - ob sie nun Pfaff, Rummenigge, Augenthaler, Dürnberger, Pflügler, Hoeneß, Nachtweih oder Lerby hießen - und gewannen denkbar knapp mit 2:1. Der 1. FC Bocholt zog sich ganz beachtlich aus der Affäre.

Vorstand hat höhere Ziele

Viele Bocholt-Fans schwelgen noch heute in Erinnerungen an dieses Highlight. Doch geht es nach den Verantwortlichen des Clubs, gibt es ab Sommer 2006 wieder höherklassigen Fußball am Hünting: "Der Vorstand ist zu dem Schluss gekommen, dass Oberliga für Bocholt in dieser Form in Zukunft nicht mehr funktionieren wird", berichtet Trainer Jupp Tenhagen, mit dem die FCB-Verantwortlichen den Vertrag jetzt bis Mitte nächsten Jahres verlängert haben. Angestrebt ist, dass die Schwarz-Weißen genau dann den Aufstieg in die Regionalliga feiern können. Zurzeit belegt das Tenhagen-Team mit 26 Zählern Platz sieben der Oberliga-Nordrhein-Tabelle, 14 Punkte hinter dem führenden Adler Osterfeld.

"Wir werden für die nächste Saison versuchen, alles möglich zu machen, um die Qualität der Mannschaft zu verbessern. Sponsoren und die Stadt müssen mitziehen, damit unser Ziel erreicht werden kann. Ich schaue mich bereits jetzt nach Spielern um. Ich weiß ja schon ziemlich genau, wer wo herumläuft", blickt Tenhagen bereits jetzt auf die kommende Spielzeit 2005/06 voraus.

Zu Tenhagens Planungen für die "Mission Regionalliga" gehört Pascal Lohmann aus Bienen. Der 22-Jährige fügt sich immer besser ins Team des Oberligisten ein: "Pascal hat sich in der Hinrunde enorm gesteigert. Er hat fast alle Spiele mitgemacht und ist auf einem guten Weg , er könnte auch in der kommenden Saison eine wichtige Rolle spielen", urteilt der ehemalige Nationalspieler über seinen Defensiv-Spieler, der zuletzte im rechten Mittelfeld zu Einsatz kam. "Ich werde versuchen, in der Rückrunde meine Form der letzten Spiele zu bestätigen, um mich für die neue Saison zu empfehlen", sagt Lohmann, der ebenfalls das Ziel Regionalliga für nicht unrealitisch hält.

Sein 52-jähriger Fußball-Trainer hat eine ganz klare Meinung: "In Bocholt und Umgebung gibt es einfach zu viele Fußballvereine. Was bringt es einer Stadt, wenn sie fünf Landesligisten hat, aber kein Team in der Regional- oder sogar Zweiten Liga?". Nach Tenhagens Ansicht müsse auch der Stadt daran gelegen sein, die Kräfte sinnvoll zu bündeln. "Neben Flender ist der 1. FC Bocholt der größte Werbeträger der Stadt!"

Mitte der 90er schon drei Jahre in der Regionalliga

Die dreijährige Zeit in der Regionalliga (von 1994 bis 1997), als Trainer Jupp Tenhagen eine Mannschaft mit Kapitän Uwe Vengels an der Spitze formte, sind noch in guter Erinnerung. In dieser Zeit gab es auch jedes Jahr freundschaftliche Topgegner am Hünting: AS Rom, Athletic Bilbao, SSC Neapel, PSV Eindhoven, FC Valencia, Ajax Amsterdam (gegen Borussia Mönchengladbach), Real Sociedad San Sebastian, Borussia Dortmund sowie am 12. Juli 2000 die Glasgow Rangers gaben ihre Visitenkarte am Hünting ab. Und zu all den Spielen, die von einem Freundeskreis von FCB-Präsident Friedel Elting gesponsert wurden, kamen insgesamt 41 000 Zuschauer.

Zurzeit strömen zu den Heimspielen der Schwarz-Weißen immerhin 800 bis 1000 Zuschauer zum Hünting. "Doch es dürften gerne mal wieder ein paar mehr sein. Wir haben ja schließlich Platz für 18 000 Besucher", sagt Jupp Tenhagen mit einem Augenzwinkern. Und denkt dabei natürlich auch wieder an jenes Bayern-Gastspiel am 3. März 1984 zurück.
Quelle: NRZ
 
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