Heute vor ? Jahren

Werderforever

Bekanntes Mitglied
Was das mir Forderungen zu tun hat versteh ich aber immer noch nicht.
Wozu denn ne Bewegung gründen, wenn die nichts fordert? Bzw. es gibt natütlich unpolitische Bewegungen, aber die 68er waren doch hochpolitisch.Und eine politische Bewegung, die nichts fordert, macht doch keinen Sinn.

Die 68er haben sich u.a. dafür eingesetzt eine konsequentere NS-Aufarbeitung durchzuziehen, für mehr studentische Mitbestimmung, das Recht auf Abtreibung etc.
 

Werderforever

Bekanntes Mitglied
Die Studentenbewegung als solche radikalisierte sich auch. Die staatliche Autorität wurde in Frage gestellt. Es wurde ein Umbau der Gesellschaft gefordert. Es wurden kommunistische Hochschulgruppen gegründet. Am Rande von Demos fanden Ausschreitungen statt, Steine flogen, es gab Hausbesetzungen, das Verlagshaus von Axel Springer wurde attackiert und angezündet ...

Und klar, nur ein kleiner Teil wurde extremistisch und bildete Terrorgruppen wie Bewegung 2. Juni und RAF.
Darauf wollte ich hinaus.Dass nur ein kleiner, wenn auch nicht völlig unerheblicher Teil gewalttätige Aktionen befürwortete.
 

Stan-Kowa

Leide an Islamintoleranz
Wozu denn ne Bewegung gründen, wenn die nichts fordert? Bzw. es gibt natütlich unpolitische Bewegungen, aber die 68er waren doch hochpolitisch.Und eine politische Bewegung, die nichts fordert, macht doch keinen Sinn.

Die 68er haben sich u.a. dafür eingesetzt eine konsequentere NS-Aufarbeitung durchzuziehen, für mehr studentische Mitbestimmung, das Recht auf Abtreibung etc.
Du bist also nicht bereit einzuräumen das deine Frage nach Forderungen komplett am Sinn und Inhalt der eigentlichen Aussage vorbei geht?!?!
Forderungen sind das eine, die Mittel sie durchzusetzen etwas anders. Und um die Mittel geht es bei @Schwurbeline s Beitrag auf den wir uns beziehen.
Und das die 68er z.T. edle Motive hatten und auch positives in Gang gesetzt haben ,ändert nichs daran das es auch zu Auswüchsen kam und kommt die nicht jeder begrüssen kann und muss. So ist die RAF eine direkte Folge der Bewegung gewesen, und die Antifa im Grunde eine die bis heute wirkt. Du magst das als Kolaterallschaden empfinden oder gar entschuldigen oder gutheissen.
Ich tue das nicht.

Und daher ist meine Antwort
Das kann man wohl sagen.....
auf Schwurbelines Beitrag wahr und richtig!
 

Schwurbeline

Currywurst-Expertin
Unsere Diskussion erinnert mich an Aussagen des Philosophen Rüdiger Safranski, die er in einem Interview im letzten Jahr gemacht ha, in dem es um die Folgen der 68er-Studentenbewegung ging, die bis heute nachwirken. Leider ein Bezahlartikel

 
Zuletzt bearbeitet:

Stan-Kowa

Leide an Islamintoleranz
Unsere Diskussion erinnert mich an Aussagen des Philosophen Rüdiger Safranski, die er in einem Interview im letzten Jahr gemacht ha, in dem es um die Folgen der 68er-Studentenbewegung ging, die bis heute nachwirken. Ich finde sie so treffend, dass ich mal einen Auszug über die 68er zitiere.

Ich lösch das nachher wieder, weil's aus einem Bezahlartikel stammt:

Safranski: Der Triumph lässt sich nicht abstreiten. Die populäre Botschaft von 1968 war und ist offenbar immer noch eindrucksvoll und wirksam.

WAMS: Worin besteht diese Botschaft?

Safranski: Zuerst soll die Gesellschaft genau analysiert werden, Soziologie war Trumpf. Denn der Mensch ist nach dieser Lehre eigentlich gut, aber die Gesellschaft ist schlecht. Darum muss alles umgebaut werden. Mit diesem gutgemeinten Rousseauismus, der nach 1945 für die belastete deutsche Bevölkerung ja nicht einmal verkehrt erschien, machte man seine Punkte als Weltverbesserer.

WAMS: Würde es wirklich besser, wenn alle wieder hinter der Fahne hermarschierten? Egal, ob rote oder grüne Ideologie?

Safranski: So einfach läuft das nicht ab. Es gab ja so ab 1967 zuerst eine Phase der Lockerheit: weniger Hierarchie im Zusammenleben, freiere Sexualität. Es gab da viel neuen Schwung. Ab den 1970er-Jahren kam dann mangels politischen Erfolgs die Dogmatisierung und die ideologische Selbstbewirtschaftung auf. Linke Sekten schotteten sich ab, die Radikalsten landeten beim Terror der RAF.

WAMS: Wie aber kann dann trotzdem so viel linkes Gedankengut heute zum Mainstream werden?

Safranski: Die 68er hatten einen mächtigen Verbündeten: den Hedonismus. Man kämpfte gegen Entfremdung, was immer das bedeuten sollte. Gegen das Leistungsdenken, gegen Verbote, gegen den Nationalismus. Das ging alles einher mit dem Wohlstand des Wirtschaftswunders. Man konnte gleichzeitig gegen die Gesellschaft protestieren und gemeinsam mit ihr konsumieren. In diesem lässigen Konsumismus richtete man sich ein; man polemisierte zwar gegen den „Konsumidioten“, aber man war selber einer, wenn auch bisweilen anarchistisch verkleidet. Ein gängiger Spruch war damals: Wir wollen alles, aber sofort. Gegen schwachen Widerstand der Alten saßen die 68er auf die Dauer am längeren Hebel.

WAMS: Sah denn niemand den Widerspruch, dass im ummauerten West-Berlin dieser ganze Reichtum und die Freiheit von den verhassten Amerikanern garantiert wurde und nicht vom verehrten Sowjetkommunismus oder gar von Maos China?

Safranski: Es war doch schön bequem, den Surplus des Feindes abzuschöpfen. Man lebte auf der Sonnenseite des amerikanischen Imperiums, ohne sich das einzugestehen. Moralisch war Vietnam in der Tat eine Art übler Kolonialkrieg. So redete man sich die eigene radikale Politik schön, und das liberal-hedonistische Milieu wurde immer attraktiver und immer größer, bis heute. Die DDR direkt vor der Nase begriff man nicht als Widerlegung, sondern als Verzerrung der ursprünglich guten Idee. Letztlich gaben viele den USA, weil sie auf den Ostblock Druck ausübte, sogar noch die Mitschuld am versteinerten Sozialismus. Und daheim richtete man sich in einem wohlhabenden linken Biedermeier gemütlich ein.

WAMS: Eine gigantische Lebenslüge also?

Safranski: Ja, aber mit einer ungeheuer anspruchsvollen Theorie im Hintergrund. Das Ganze ist das Unwahre, heißt es bei Adorno in der Frankfurter Schule. Dort gab es die subtilste Fundamentalkritik der Moderne: „Entfremdung“, wo man hinblickt. Man grub sich Tunnel mit dem Licht am Ende – das war dann der Marsch durch die Institutionen plus Pensionsberechtigung. Mit gut abgeschottetem gutem Gewissen.

WAMS: Wie hinter der Berliner Mauer

Safranski: Aus dieser eskapistischen Haltung entstammen viele Elemente des Erziehungsregimentes, das wir heute erleben, unter Einschluss der CDU. Ob beim Klima, bei der Migration, bei der Europäischen Union – egal welche demokratischen Mehrheiten es gibt: Die Ziele dieser Vorgaben müssen in jedem Fall realisiert werden, weil sie als das real existierende Gute gelten.

WAMS: Ideologie ist wichtiger als Pragmatismus? Parteiprogramme sind wichtiger als Wahlen?

Safranski: Es geht seit 1968 um die angeblich guten Ziele. Das ist diese linke Selbstgerechtigkeit, die heute vielen aufstößt. Man ist auf dem guten Weg zu einer besseren Welt, glaubt man.


Ein stückweit auch eine spätpubertäre Jugendbewegung.
 

derMoralapostel

Bekanntes Mitglied
vor 37 Jahren
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