HSVFans on tour......

POL-DO: Von Schalke nach Hamburg in 20 Minuten

25.04.2005 - 10:51 Uhr
Dortmund (ots) - Lfd. Nr.: 0651

Ein leider Gottes etwas älterer, dafür aber auch nicht
alltäglicher Sachverhalt erreichte unsere Pressestelle erst heute.

In den frühen Morgenstunden des 17.04.2005 wurde die Dortmunder
Polizei zu einem vermeintlichen PKW-Aufbrecher am Brüderweg in der
Dortmunder Innenstadt gerufen. Ein Mann sollte sich verdächtig an
einem geparkten Fahrzeug aufhalten, bzw. zu schaffen machen, so ein
Zeuge.

Die Beamten trafen auf einen 32-jährigen, auffällig
alkoholisierten Mann, der sich an einen Wagen lehnte, um nicht
umzufallen. Mit einem Aufbruch hatte er tatsächlich nichts zu tun,
sondern er wartete an dieser Stelle auf seine Freundin und das schon
seit längerer Zeit. Etwas erbost, dass seine Lebensgefährtin, die ja
nur 2 Straßenzüge weiter wohnen sollte, immer noch nicht erschienen
war, wollte er sie gerade über sein Mobiltelefon anrufen.

Als die Beamten seine Personalien überprüften, konnten sie sich
ein "leichtes" Schmunzeln nicht verkneifen:

Der 32-Jährige stammte aus Hamburg, hatte das Spiel Schalke 04 -
HSV in Gelsenkirchen besucht und wähnte sich bereits in seiner
Heimatstadt. Während seine Freundin vergeblich in der Hansestadt nach
ihm suchte, wartete der 32-Jährige ebenfalls vergeblich am Brüderweg
im schönen Dortmund auf sie.

Dass die Zugfahrt von Gelsenkirchen nach Hamburg etwas kurz
gewesen ist und auch der Dortmunder Bahnhof sich ein wenig von seinem
Pendant in Hamburg unterscheidet, hatte der Fußballfan wohl aufgrund
des einen Bierchens zuviel nicht bemerkt.

Nachdem der 32-Jährige schließlich überzeugt war, die Dortmunder
und nicht die Hamburger Polizei vor sich zu haben, rief er seine
Freundin an und bat um Abholung aus dem Ruhrgebiet. Sind ja nur ein
paar Straßen mehr......



ots-Originaltext: Polizei Dortmund



:lachtot: :spitze: ........"ein Bierchen zuviel"....... :lachtot:

Hamburger Jungs,Hamburger Jungs-wir sind aaaaaaalle Hamburger Jungs
 

Kurz-de-Borussia

Dortmunder.
Steffen44 schrieb:
Dass die Zugfahrt von Gelsenkirchen nach Hamburg etwas kurz
gewesen ist und auch der Dortmunder Bahnhof sich ein wenig von seinem
Pendant in Hamburg unterscheidet, hatte der Fußballfan wohl aufgrund
des einen Bierchens zuviel nicht bemerkt.


:lachtot: :spitze: :lachtot:

Dass zeigt mal wieder, dass Dortmund viel schöner, als Hamburg ist. Dem Alkohol ist hier keine Schuld zuzuweisen. Unalkoholisiert überlebt man die Schönheit Gelsenkirchens auch gar nicht, zumal wenn man aus einer Stadt, wie Hamburg kommt. :zwinker3: :floet:
 

Kerpinho

FL-Pate
Teammitglied
Hier mal ein Foto des 32-jährigen (geschossen unmittelbar nach seiner Ankunft im trauten Heim):

tmgamd02.jpg


:lachtot:

MFG!
 

Kurz-de-Borussia

Dortmunder.
Kerpinho schrieb:
Hier mal ein Foto des 32-jährigen (geschossen unmittelbar nach seiner Ankunft im trauten Heim):

tmgamd02.jpg


:lachtot:

MFG!

Kerpi :mahnen: ich bitte das zu entschuldigen. Der Mann hat gerade erstmals in seinem Leben Gelsenkirchen gesehen. Da hat diese Körperhaltung noch Stil. :zwinker3:
 

Kerpinho

FL-Pate
Teammitglied
Kurz-de-Borussia schrieb:
Kerpi :mahnen: ich bitte das zu entschuldigen. Der Mann hat gerade erstmals in seinem Leben Gelsenkirchen gesehen. Da hat diese Körperhaltung noch Stil. :zwinker3:
Sicher das es sich hierbei tatsächlich um Gelsenkirchen handelte? Ich sehe nur einen gelben Eimer :floet: :lachtot: ...

MFG!
 

Kurz-de-Borussia

Dortmunder.
Kerpinho schrieb:
Sicher das es sich hierbei tatsächlich um Gelsenkirchen handelte? Ich sehe nur einen gelben Eimer :floet: :lachtot: ...

MFG!

:gruebel: Na toll. Was ein Grund. Wenn er wegen nem gelben Eimer kotzt, bete darum, dass er nie an dem Birefkasten vorbeikommt, in den du deine Post wirfst :zwinker3:
 

Zoni

Herthafan aus Überzeugung
Oh, ich kann mich auch noch sehr schön an dieses Spiel erinnern: Um 10.10 das erste Bierchen, und um 14.45 nach knapp 3 Litern das Saufen beendet.... aber Gelsenkirchen ist ja echt hässlich, und da red ich nicht nur von den Schalker Fans......
 
S

s04rheinland

Guest
nette Geschichte, und damit ihr weiter etwas mehr über das häßliche Gelsenkirchen lachen könnt, hier extra für euch ein aktueller Artikel aus der WAZ, das findet ihr bestimmt lustig:

22.04.2005 Von Hayke Lanwert

WAZ Gelsenkirchen. Mit 26,1 Prozent Arbeitslosigkeit hat Gelsenkirchen eine Rekordmarke erreicht, um die es niemand beneidet. Schon äugt der Osten der Republik auf jene westliche Stadt, der es so verdammt schlecht geht. Doch Gelsenkirchen begehrt trotzig auf, verweigert sich dem Titel "Armenhaus der Nation".

Diesen Ort aufsuchen zu müssen, wünscht man keinem. Nicht, dass er schäbig ist. Hier steht auch niemand von der Not gedrungen Schlange. Nein, die Wände des Ladenlokals sind eben erst in lichtem Beige getüncht, Obst und Gemüse liegen ansehnlich drapiert wie im Supermarkt und auch all jene, die zwischen Frühlingszwiebeln und Weißbrot die roten Einkaufskörbe füllen, bemühen sich beflissen um Normalität. Tun so, als gingen sie einkaufen. Dabei gibt es bei der "Gelsenkirchener Tafel" nichts zu kaufen. Hier wird verschenkt, werden mit den Abfällen des Wohlstands die Kühlschränke der Armen gefüllt.

Arnold Imort ist ein Gelsenkirchener, wie man in diesen Tagen viele trifft. Pharmareferent war er, jetzt ist er Rentner, vor allem aber Optimist. Und als solcher glaubt er wider alle Zahlen der Agentur für Arbeit, dass es mit Gelsenkirchen längst wieder aufwärts geht. Natürlich sei das mit der Arbeitslosigkeit dramatisch, aber es gibt doch neben all den Geschäften, die schließen, auch solche die neu eröffnet werden. Überhaupt "finde ich unsere Stadt schon in Ordnung, auch optisch sind wir doch kein heruntergekommener Haufen."

Imort ist ehrenamtlicher Geschäftsführer der Gelsenkirchener Tafel und hat wie kaum ein anderer eine Ahnung davon, was Armut in Gelsenkirchen bedeutet. Jeden Tag gehen bei ihm Menschen ein und aus, die nicht mehr genug zum Leben haben. Wohnungslose, Abgesackte, Familien, in denen der Mann das Geld versäuft, aber seit Hartz IV eben immer häufiger auch "Menschen wie du und ich, Menschen, denen man die Armut nicht ansieht". So groß ist der Andrang seit Hartz IV, dass die Tafel zwei Wochen Anmeldestopp verhängte, weil es nicht genug Ware gab.

Verlassen wir das Ladenlokal in der Innenstadt, fahren wir in den Süden, Richtung Bulmke-Hüllen und Ückendorf. Dort, wo einst der Schalker Verein, der Stahl, das Leben bestimmte. Heute kratzt die Arbeitslosigkeit in diesen Stadtteilen an der 30-Prozent-Grenze. Der Ausländer-Anteil ist hoch, und 90 Prozent der Schüler, die die Gesamtschule besuchen, haben eine Hauptschul-Empfehlung. "Ich wundere mich, dass es hier noch so friedlich abgeht", sagt Uwe Gerwin, der Leiter des Stadtteilbüros, "denn die Perspektive der Jugendlichen von Haupt- und Gesamtschule, eine Lehrstelle zu kriegen, tendiert gegen Null."

2,75 Millionen Euro stehen Gerwin und seinem Team in diesem Jahr zur Verfügung für alle möglichen Maßnahmen, den Süden wieder nach vorne zu bringen. Da werden Fassaden erneuert, Geschäftsleute zu Zusammenschlüssen animiert, Schulen zur Neugestaltung ihrer Schulhöfe. "Sicher, es gibt hier viel Leidensdruck, aber dadurch auch viel Engagement", sagt Gerwin. Seit die Arbeitslosigkeit offiziell auf 26 Prozent hochschnellte, ist Gerwin ein gefragter Mann. Journalisten aus dem Osten wie dem Norden der Republik befragen ihn, aber er betont, dass er kein Interesse habe, "lediglich das Elend zu illustrieren".

Nicht, dass Gerwin die Probleme der Stadt nicht kennen würde. Er weiß nur allzu genau, dass schon 2010 jeder zweite Jugendliche aus einer Migrantenfamilie stammt, dass 18 Prozent der Kinder bei Alleinerziehenden aufwachsen. Dass Emilia Liebers, die Kinderärztin des Gesundheitsamtes, lange schon die Folgen kindlicher Armut beklagt: 13,4 Prozent der Kinder in Gelsenkirchen sind übergewichtig. Kinder der Armut konsumieren zu viel Medien, bewegen sich zu wenig und haben sprachliche Defizite.

Das alles weiß Gerwin, und doch führt er seine Gäste lieber dort hin, wo nicht resigniert wird. In die Bochumer Straße etwa, jene schmale Einkaufsstraße, der man die strahlende Gründerzeit noch ansieht, wo der verbliebene Einzelhandel heute zwischen mit Zeitungen beklebten Schaufenstern der Tristesse ausgeliefert ist. In einem dieser leeren Ladenlokale arbeitet seit drei Wochen der österreichische Maler Valentin Oman, bemalt mit viel Ultramarin Plastikfolien, fügt diese wiederum zu Collagen zusammen, um zwischendurch Grundschülern zu erklären, wie und warum er so vorgeht. Acht internationale Künstler hat die Galeristin Patricia Ude animiert, ihr Atelier für ein paar Wochen von Italien, Kroatien oder sonstwo an die Bochumer Straße zu verlegen. Und die loben wie Valentin Oman vor allem die multikulturelle Atmosphäre der Stadt: "Auch in Kärnten ist es wirtschaftlich schlecht, zugegeben nicht so wie hier."

Initiativen, die helfen sollen, den Stadtteil nicht abgleiten zu lassen. Doch die hohe Arbeitslosigkeit ist Realität, und wer 22 Jahre jung ist in dieser Stadt, so wie Sabine, die Frau mit dem Hauptschulabschluss, der sucht nach anderer Hilfe. Vor einem Jahr hat sie ihre Ausbildung abgebrochen, "ein großer Fehler" wie sie heute sagt. Seitdem sucht sie, möchte gerne Altenpflegerin werden, bewirbt sich bislang ohne Erfolg um einen Ausbildungsplatz. Nun steht sie vor der Heilige-Familie-Kirche in Bulmke und schüppt Betonbruch in einen Container. 1,02 Euro pro Stunde bekommt sie und ein Frühstück. "Tagelöhner" nennt sich das Projekt, mit dem junge Leute wie Sabine vor dem Abtauchen bewahrt werden sollen. Und sie kommen gerne zur Arbeit, "denn alles ist besser als zuhause rumzusitzen."

Hoch im Norden, da wo Schalkes Arena glänzt, geht es an diesem Morgen festlich zu. Elegante Kostüme und graue Doppelreiher begegnen sich unter weißem Zeltdach, zufrieden mit sich und diesem neuen Bau. Grundsteinlegung für ein 200-Zimmer-Hotel, ein Mariott. Rudi Assauer ist dabei, Charly Neumann, der Fan aller Fans und natürlich Frank Baranowski, Gelsenkirchens Oberbürgermeister. Dass Baranowski den als Macher gefeierten CDU-Mann Wittke nach nur einer Wahlperiode ablöste, hat auch mit der Stimmung in dieser Stadt zu tun. Wittke hatte die Probleme so medienträchtig thematisiert, dass sich seine Stadt kollektiv als Armenhaus runtergemacht fühlte. Das verletzte den Stolz, provozierte den Widerstand.

Baranowski, der SPD-OB weiß als ehemaliger Lehrer sehr wohl, dass Lob motiviert und so betont er in der Krise die Chancen. Einen Masterplan, wie ihn einst Dortmund aufstellte, will er für seine Stadt. Trabantenstädte abreißen, Gelsenkirchen lebenswerter machen, damit sich Unternehmen wieder gerne ansiedeln.

400 000 Einwohner zählte Gelsenkirchen einst, heute sind es noch 240 000. Bis 2040 wird ein weiterer Rückgang der Einwohnerzahl um 32 Prozent erwartet. Das sind die Zahlen der Armut. Das Gesicht der Armut ist schwerer zu erkennen. Es ist die Abwesenheit jedweden Luxus´ in der Fußgängerzone. Es ist die versteckte Scham derjenigen, die ohne die Gelsenkirchener Tafel nicht über die Runden kommen. Aber Gelsenkirchens Trotz ist längst geweckt.
 

calle1887

42 Jahre Bundesliga
Tja, Strukturwandel im Ruhrgebiet. Wenn Gelsenkirchen den Bundesligaverein nicht hätte, könnte man dort die Lichter ausmachen. Demzufolge hat der SO4 wohl auch eine soziale und kulturelle Daseinsberechtigung...
 
Oben