Ich lese gerade...

Manati

Weltbeste Seekuh
Ja, da ich die Gegend kenne, hatte ich auch sofort Sehnsucht.
Nur leider habe ich es noch nicht mit dem Ruderboot auf den See geschafft. Immer nur per Personenschifffahrt.
 

Manati

Weltbeste Seekuh
Ich fand die nicht so gut. Bzw. muss ich im Singular reden, weil ich nach einer halben Stunde abgeschaltet habe. Ich kann es nicht an irgendwas festmachen - sehr schön war das alte Filmmaterial und es war sicher fundiert erzählt, aber ich fand es uninteressant präsentiert. Trocken. Man kann Geschichte sehr spannend darbieten - das war hier nicht der Fall (meiner Meinung nach).
Okay, dann guck ich erst mal wie lange sie in der Mediathek zu sehen sind und lese wohl erst mal die Geschichten der Schwestern.
 

Blue2021

Bekanntes Mitglied
...ich lehne ihn nach Tod in Venedig ziemlich ab.
Blöde Frage, aber: Hast du es mal gelesen?

Stand auf keiner der Listen ist dennoch neu und hat mir ungemein gut gefallen "Thomas Mann macht Ferien" von
Kerstin Holzer
Klingt gut. Kommt auf meine Liste.
Derzeit habe ich hier liegen: "Stromlinien" von Rebekka Frank. Das lese ich zuerst, danach kommt Tammy Armstrong mit "Pearly-Everlasting" (diogenes).
 

Malou

Nicht gut mit Worten
Abgebrochen:


Yvonne Hirdman hat das Leben ihrer Mutter Charlotte (1900-1966) aufgeschrieben. Aufgewachsen in der Bukowina (damals Österreich-Ungarn) als Tochter eines Hamburger Vaters und einer Schweizer Mutter, besuchte Charlotte in Weimar ein Mädchenpensionat, arbeitete in Jena als Buchhändlerin, tanzte im Berlin der Weimarer Republik, heiratete einen Grafen, ließ sich scheiden, floh als Kommunistin vor Hitler ins Exil nach Moskau, wo ihre neue Liebe Stalins Säuberungen zum Opfer fiel – bevor sie schließlich Zuflucht in Schweden fand, wo sie heiratete und blieb.

Es klang interessant, ein facettenreiches Leben, eng verwoben mit der unruhigen Geschichte des letzten Jahrhunderts, dazu noch eine kommunistische Gräfin und Orte, die mir vertraut sind - eigentlich genug Potential für eine interessante Geschichte. Aber erstens ist die Geschichte nicht annähernd so interessant, wie der Klappentext sie klingen lässt, und mal erfährt überwiegend langweiligen Alltag, zweitens empfand ich die Erzählweise als extrem nervig. Die erzählende Tochter drängt sich immer in den Vordergrund, mag übertriebenen Pathos, füllt außerdem Seiten um Seiten mit allerlei Vermutungen und ausgedachten Szenen. Das machen einige Autoren, die das Leben ihrer Vorfahren erzählen, wohl gerne, mich hat das schon bei "Anna: Oder was von einem Leben bleibt" genervt. Die ungeordnete Erzählweise der Tochter war dann auch nicht gerade hilfreich, und sie gibt sehr viele historische Hintergrundinformationen. Das ist noch verständlich, weil das Buch sich an schwedische Leser richtet, die mit der deutschen Geschichte der Kaiserzeit und 1920er sicher nicht so vertraut sind, aber wenn man diese Hintergründe schon sehr gut kennt, ist diese detaillierte Geschichtsbucherzählung ziemlich langweilig. Es gab ein paar interessante Informationen, aber die waren das ganze Drumherum für mich nicht wert. Nach der Hälfte habe ich abgebrochen.

Auch abgebrochen:

Seit dem Tod seiner Frau sucht Ernest die Ruhe und hält sich an das, was ihm im Leben schon immer weitergeholfen hat: Höflichkeit, Pflichterfüllung und eine richtig zubereitete Tasse Tee. Von seinem aufgeblasenen Sohn dagegen oder der aufgeregten Fürsorge seiner Nachbarinnen hält er sich möglichst fern. Ausgerechnet die beherzte Jasmina, Besitzerin eines Lebensmittelladens, bringt die starren Ansichten des Eigenbrötlers ins Wanken. Als die beiden sich näherkommen, löst diese doch so unpassende Leidenschaft großes Unverständnis aus.

Das Buch war bei Rebuy oder Momox stark reduziert, also habe ich es bei einem meiner Großeinkäufe mal mit gekauft, um gelegentlich etwas Leichtes, Heiteres zu haben. Und ich nehme an, für das, was es sein möchte, ist es auch gut, nur war es nicht mein Fall - liegt weniger am Buch als an mir. Positiv: bezaubernd britisch, in der Hinsicht wirklich hervorragend getroffen und geschildert, das habe ich genossen. Aber auch seeeehr gemütlich. Mir zu gemütlich. Das ist sicher beabsichtigt, die feine, zarte Annäherung, das gesamte Kolorit ... es ist eben ein leises, ruhiges Buch, aber ich habe mich nach etwa einem Viertel ziemlich durch die Seiten gekämpft und dann ging es mir zu sehr auf die Nerven, weil es sich so dahinschleppte (und ich mag keine Liebesgeschichten, mir ging es mehr um das Drumherum). Wer so etwas mag, wird es hier aber gut umgesetzt finden.

Nicht abgebrochen:

Wiener Fundstücke

Eine uralte Hundemarke aus Hietzing, ein über Wien abgeworfener Flugzettel aus dem I. Weltkrieg, eine Ballspende vom Ball der Stadt Wien, dekorative Hutnadeln, eine kleine Heiligenfigur, ein kitschiges Andenken-Häferl anhand von Alltagsgegenständen und kuriosen Objekten erzählt der renommierte Lokalhistoriker Herbert Biedermann Spannendes aus dem alten Wien und zeigt die Geschichte der Stadt von 1820 bis 1950 von einer bisher unbekannten Seite.

Das ist nett. Kleine Geschichten über Wiener Geschichte anhand von Gegenständen. Charmant ist, dass der Autor immer berichtet, wie er auf diese Gegenstände gestoßen ist - da scheint jemand mit Leib und Seele Lokalgeschichte zu erforschen und das finde ich sympathisch. Die Informationen sind auch meistens interessant und da ich Wien liebe, erfahre ich immer gerne Neues darüber. Kurze Kapitel, leicht lesbar - ein nettes Buch für zwischendurch.
 

Malou

Nicht gut mit Worten
1.

Während Berlin noch unter den Folgen des Ersten Weltkriegs leidet, versetzt eine Serie bestialischer Sexualmorde die Stadt in Angst und Schrecken. Immer wieder werden im Luisenstädtischen Kanal und im Engelbecken zerstückelte Frauenleichen gefunden.
Horst Bosetzky erzählt den authentischen Fall des Karl Großmann, der als einer der größten deutschen Serienmörder in die Geschichte eingegangen ist. Mit soziologischem und psychologischem Gespür zeichnet er die Greueltaten des gelernten Schlachters nach, der sich um 1920 nahe des Schlesischen Bahnhofs als Wurstverkäufer verdingte. Eindrücklich zeigt der Autor, warum insgesamt möglicherweise über hundert Frauen sterben mussten, bevor dem sadistischen Triebtäter das Handwerk gelegt wurde.


Hmnja. Der Fall ist interessant, aber die Erzählweise sagt mir nicht zu (womit ich, wenn man den Amazon-Rezensionen glauben kann, eher allein bin). Die Formulierungen sind teils ungeschickt, es gibt einige stilistische Fehler, es ist sehr unterleibsbezogen (auch da, wo es für den Fall nicht relevant ist) und zwischendrin finden sich lange geschichtsbuchartige Einschübe. Erzähltechnisch ist da m.E. noch reichlich Luft nach oben. Andererseits liest es sich leicht und schnell weg und ist offensichtlich sehr sorgfältig recherchiert. Vom psychologischen Gespür merke ich nicht sonderlich viel, aber Hintergrundfakten gibt es durchaus. Insofern: informative, leichte Lektüre für zwischendurch, wenn man sich für wahre Kriminalfälle interessiert.

2.

Dieses Buch beschreibt Oostendes Blütezeit. Neben dem Kursaal, einem wunderbar vielseitigen Palast, beherbergte der Badeort zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Grand Symphony Orchestra mit 155 Spitzenmusikern. Weltstars wie Caruso, Saint-Saëns, Strauss und Casals traten in der imposanten Rotunde auf. Oper, Theater und Ballett wurden im Königlichen Theater aufgeführt. Gelehrte und Schriftsteller hielten Vorträge, und Maler und Bildhauer präsentierten ihre neuesten Werke. Revuen erlebten eine Hochphase, und es gab Sportveranstaltungen, Blumenkorsos, Feuerwerke und Prozessionen. Auguste Escoffier kreierte die „Sole Ostendaise“ in der Küche des Königlichen Palastes, dem luxuriösesten Hotel an der Atlantikküste… „Oostende in der Belle Époque“ ist ein Buch voller Überraschungen.

Dieses Buch macht dagegen richtig Freude. Ich habe mich lange nicht rangetraut, weil ich nicht sicher war, ob ich noch flüssig genug Flämisch lesen kann, aber es klappt super! Werde ich jetzt wieder öfter machen, um erneut in Übung zu kommen. Das Buch ist ungemein interessant, gerade weil ich Oostende so gut kenne, aber bisher kaum etwas über die Geschichte wusste. Ich finde immer, man kann eine Stadt noch mal ganz neu entdecken, wenn man ihre Geschichte erfährt, ging mir mit Frankfurt auch so. Und Oostendes Geschichte ist spannend - diese entschlossene und geschickte Vermarktung als Seebad zu genau der richtigen Zeit, die dezente finanzielle Unterstützung des Königs dabei (und die Tatsache, dass dieses Geld aus den Verbrechen im Kongo stammt, was Oostende dezent übersah). Dann das Seebadleben, wie man es so und ähnlich in vielen Kurstädten Europas in der Zeit fand. Dazu ein Blick auf die Stadt durch Ensors Augen und das Ganze unterhaltsam und leicht geschrieben. Macht Spaß :).
 

Teddy Horn

Aktives Mitglied
Saskia te Marveld - Blutwild
Debütroman dieser Autorin. Hier wird nicht lange gefackelt, es geht gleich zur Sache. Keine Beschreibungen der Protagonisten, allein die Blaupause der Gewalt. Packend und gut geschrieben, aber das Tempo ist schier zu atemberaubend.
 

Malou

Nicht gut mit Worten

Dieses Buch zeigt die Habsburger, deren Gestalten sehr oft hinter undurchschaubaren Masken verborgen blieben, ganz ungeschminkt und legt dem Leser dar, welche Sorgen und Nöte, welche Vorlieben und Schwächen, aber auch welche zwischenmenschlichen Probleme sie plagten.

Ich glaube, ich habe das Buch aus einem öffentlichen Bücherschrank, oder es war eine dieser superbillig-Stapelbestellungen bei Momox oder Rebuy. Hat sich in jedem Fall gelohnt. Trotz des kitschigen Untertitels "Liebe und Leid im Hause Habsburg" ist es erstaunlich interessant. Eine chronologische Reise, die 1477 mit Maximilian I und Maria von Burgund beginnt und in jedem Kapitel einen Habsburg und dessen privates Leben beleuchtet, immer mit historischen Hintergründen. Das geht nicht sonderlich in die Tiefe, ist bei dem Format auch gar nicht möglich, sonst müsste das Buch enorm dick sein, aber für einen solchen Überblick ist es historisch durchaus informativ, und dieser private Blick ist eine interessante Perspektive.
Leicht lesbar, gut wegzulesen - stilistisch ausbaufähig.
Gelegentlich kippen die Formulierungen etwas ins "Bunte"-Niveau. Die erste Begegnung von Maximilian und Maria von Burgund war so kitschig geschrieben, dass ich das Buch fast wieder weggelegt hätte, und was wimmelt es doch von hochgewachsenen, stolzen, prächtigen Männern auf diesen Seiten :LOL: . Aber abgesehen davon ist es wie gesagt informativ und auch mit geschichtlichen Vorkenntnissen erfährt man noch manch Neues oder liest Bekanntes unterhaltsam.
 

Teddy Horn

Aktives Mitglied
Daniel Faßbender "Heavens Gate"
Ein Surfer auf den Philippinen, der sich gelegentlich als Privatdetektiv versucht. Herrlich geschrieben
 

Malou

Nicht gut mit Worten

Sie war nicht nur klug, gebildet und abenteuerlustig, sondern vor allem leidenschaftlich interessiert an der Kunst und neugierig auf Menschen. Caroline von Humboldt bereiste ganz Europa, ihr Haus in Rom wurde zum gesellschaftlichen Mittelpunkt. Sie förderte die dort lebenden deutschen Künstler und sammelte mit großem Kunstverstand. Trotzdem sah die Nachwelt in ihr lange vor allem nur die mustergültige Gattin Wilhelm von Humboldts. Dagmar von Gersdorff entwirft in dieser Biographie ein neues Bild


Die Humboldts begegnen einem natürlich ständig, wenn man sich mit dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert beschäftigt, und als ich diese Biographie im öffentlichen Bücherschrank sah, habe ich gleich zugegriffen. Caroline von Humboldt kannte ich bis dahin eher aus Kurzbiographien oder wenn sie in anderen Büchern erwähnt wurde.
Na ja. Mag sein, dass sie kunstinteressiert und intelligent und wasweißich alles war. Aber sonderlich interessant ist sie nicht. Oder zumindest nicht so, dass es für ein ganzes Buch reicht. Sie reist umher, schreibt Artikel, fördert Künstler, verliebt sich unablässig, bekommt Kinder und tauscht hingebungsvolle Briefe mit ihrem Mann aus. Das liest sich nicht sonderlich interessant, kann natürlich auch an der Autorin liegen, wobei ich deren Buch über Goethes Enkel durchaus interessant fand. Hier schreibt sie aber eher zäh, dafür mit deutlichen Fangirl-Schwingungen.
Das Ganze zieht sich, das Berichtete wiederholt sich und am interessantesten wird es eher, wenn andere Leute ihres Umfelds erwähnt werden: Gustav von Schlabrendorf, der nur durch Zufalle der Guillotine entging und zum menschenscheuen Exzentriker wurde. Goethe :love: und Schiller. Das unsympathische Varnhagen-Paar und andere. Und natürlich Napoleons Niederlage, immer wieder ein Vergnügen.
Kurz gesagt: die Epoche ist spannend, das kann man aber in anderen Büchern besser lesen.
 

Malou

Nicht gut mit Worten

Mischa und Nikolaj sind die Stars der internationalen Ballettwelt. Beruflich erfolgreich, musste das Ehepaar jedoch einen tragischen Schicksalsschlag hinnehmen: Bei einem Autounfall kam ihre gemeinsame Tochter ums Leben. Für einen Neuanfang zogen sie daraufhin von London zurück nach Amsterdam. Als in ihrer Wohnung ein schreckliches Feuer ausbricht, kommen die beiden mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung, und plötzlich beschuldigt sich das vermeintliche Traumpaar gegenseitig des versuchten Mordes. Beide haben etwas zu verbergen und nur einer von ihnen sagt die Wahrheit …


Bin ich froh, dass ich das für wenig Geld als Mängelexemplar gekauft habe. Ein grottiges Buch. Langatmig und schlecht geschrieben, auch wenn ich natürlich irrsinnig dankbar bin, dass die Tätowierungen des Protagonisten eine ganze Seite lang geschildert werden (völlig irrelevant für die Handlung) :rolleyes: . Da kommt beim Lesen so ein First-Dates-Gefühl auf, wenn man hört, wofür die Tattuuuuus stehen und wie sie aussehen.
Die Charaktere sind sowohl blass wie auch unsympathisch. Alles wird fünfmal erklärt (und von "show, don't tell" hat die Autorin offensichtlich noch nie etwas gehört). Unnötige Details zum Ballettleben und auch sonst zu so ziemlich allem. Das Ding nennt sich Psychothriller - 90% der Bücher, die sich so nennen, haben nichts mit Psychothrillern zu tun und dieses gehört dazu. Null Spannung, null Raffinesse.

Das Caroline-von-Humboldt-Buch habe ich jetzt durch Überfliegen beendet und mit einer Fontane-Biographie angefangen. Vom Schreibstil her bin ich jetzt auch nicht überwältigt, aber es ist zumindest schon mal interessanter, und in den Passagen über Napoleon, den Dreggsagg, kann ich mich über die verdammten Franzosen ärgern und mich auf 1813 freuen.
 

Katsche

Erfolgsfan
Auf Empfehlung der Göttergattin:

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