Ein Perspektiv-Team mit vielen Spielern ohne Perspektive
Ob sein demnächst fünfter Einsatz im "Team 2006" ihn tatsächlich dem großen Ziel näher bringt, 2006 im (National-)Team zu stehen? "Ich hoffe es", sagt Bernd Korzynietz (25), doch ein leicht fatalistischer Unterton ist nicht zu überhören.
Schließlich ist der Gladbacher Rechtsverteidiger das beste Beispiel dafür, dass der Glaube, sich beim DFB "hochdienen" zu können, oft graue Theorie ist. Beim 2002 aus der Taufe gehobenen "Perspektiv-Team" ist Korzynietz ein Mann der ersten Stunde. Sämtlichen Einladungen kam er brav nach, lieferte ordentliche bis gute Leistungen ab - und wurde auf seiner Position im wahrsten Wortsinn rechts überholt. Von Andi Görlitz (22), der beim FC Bayern zuletzt vom etatmäßigen Innenverteidiger Sammy Kuffour (28) verdrängt wurde, und dessen Nominierung selbst Klub-Coach Felix Magath (51) skeptisch sieht. Korzynietz stand derweil gar nicht zur Diskussion, woraus logischerweise folgt: Er spielt zwar im Team 2006, die entsprechende Perspektive räumt ihm Bundestrainer Jürgen Klinsmann (40) indes nicht ein.
Überhaupt: Will man es krass formulieren, ist das "Team 2006" unter diesem Etikett inzwischen eine Mogelpackung. Görlitz, Huth, Mertesacker, Hitzlsperger, Schweinsteiger, Podolski, Lahm - die Beispiele dieser A-Nationalspieler, allesamt 22 oder jünger, belegen, dass längst Klinsmanns Truppe das eigentliche "Perspektiv-Team" hinsichtlich der WM darstellt. Derweil gehören zum Unterbau immer noch "Oldies" wie eben Korzynietz, Marcel Maltritz (26) oder Torwart Simon Jentzsch (28), im Gegensatz zu den Kollegen aus dem A-Team längst gestandene Bundesliga-Spieler, aber ohne realistische Perspektive auf 2006.
Die Namen der ehemaligen Jung-Nationalspieler Paul Freier (25), Christian Rahn (25) oder Tobias Rau (22) sucht man im Kader derweil vergeblich. Dabei war das Team einst ausdrücklich auch als Sammelbecken für solche (vorübergehend) ins Hintertreffen Geratenen installiert worden. Das Trio steht auch "unter unserer genauesten Beobachtung", versichert Bundestrainer Joachim Löw. Derweil erklärt Coach Erich Rutemöller, man müsse "solche Spieler ja nicht mehr testen, weil man sie kennt". Kurios, dass nicht einmal der verletzungsbedingte Ausfall von Phillip Bönig (24) Rutemöller zu einer Nachnominierung von Rahn oder Rau motiviert. Lieber tritt er gegen Polen (Montag, 20.15 Uhr in Ahlen) ohne linken Außenbahnspieler an.
Auch die Nominierten sehen das Team 2006 höchst differenziert. "Wer gut genug ist, schafft es gleich in die A-Mannschaft", erklärte etwa Thomas Broich (23) unlängst im kicker-Interview. Und Maltritz urteilt: "Ein Spiel im Team 2006 bringt mich zwar persönlich weiter. Aber nicht unbedingt näher an die Nationalmannschaft." Anders ist das nur in Ausnahmefällen wie bei Broich und Albert Streit, die auf ausdrücklichen Wunsch von Klinsmann und Löw vorspielen.
Quelle:
http://www.kicker.de/content/news/artikel.asp?folder=7100&object=305423&liga=1&saison=2004/05&spieltag=7