Interview mit Heiko Gerber

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die bunte Kuh

unbefleckte Erkenntnis
10.01.2005
"Ich bin keiner, der Ärger macht"

Heiko, des einen Freud, ist des anderen Leid. So lautet ein bekanntes Sprichwort. In Deinem Fall könnte man die Sache auch umdrehen und "Des einen Leid, ist des anderen Freud" formulieren. Nachdem sich Philipp Lahm in der Winterpause einen Ermüdungsbruch im Fuß zugezogen hat, könnte nun Deine Stunde schlagen, oder?
Heiko Gerber: "Das stimmt. Es ist eine Chance, die relativ unvermittelt kam. Aber klar ist auch, dass ich Philipp alles Gute und eine schnelle Genesung wünsche. Ich hoffe, dass es nur die angekündigten sechs Wochen dauern wird, bis er wieder fit ist, denn er ist ein sehr guter und wichtiger Spieler. Das hat er in der Vergangenheit schon oft bewiesen und zwar im VfB-Trikot und im Dress der Nationalmannschaft."

Bei aller Bescheidenheit und dem Respekt einem Kollegen gegenüber. Witterst Du jetzt nicht die Chance, Dir den ersehnten Stammplatz im Team zurückzuholen?
Heiko Gerber: "Es ist unbestritten eine Chance für mich, aber es heißt auch nicht, dass ich jetzt automatisch in die Mannschaft komme. Ich muss mich weiter beweisen und empfehlen."

Und vielleicht mit etwas mehr Nachdruck um Einsatzzeit kämpfen?
Heiko Gerber: "Nein, zumindest nicht außerhalb des Platzes. Ich bin keiner, der Ärger macht. So war ich nie und so werde ich auch nie sein. Ich will mich auf dem Platz empfehlen oder die Dinge in einem persönlichen Gespräch mit dem Trainer klären. Wenn du das über die Medien machst und dann eine Chance bekommst, die Du nicht nutzen kannst, wird dir das ewig vorgehalten. Klar rege ich mich auf, wenn ich nicht spiele. Aber jetzt ist die Situation gegeben, dass ich die Chance habe, in die Mannschaft zu kommen. Wenngleich es auch andere Alternativen gibt. In München, im letzten Hinrundenspiel, haben wir erfolgreich mit einer Dreierkette gespielt und schließlich bin ich auch nicht der einzige in der Mannschaft, der Philipp ersetzen kann."

Wer kann es denn sonst noch?
Heiko Gerber: "Zum Beispiel Heiko Butscher, der ja jetzt auch hier im Trainingslager mit dabei ist, wenngleich das natürlich nicht seine optimale Position ist. Aber unabhängig davon muss ich einfach meine Leistung bringen und mich stabilisieren. Fakt ist, dass ich fast ein halbes Jahr nicht gespielt habe. Und deshalb brauche ich jetzt vielleicht noch das ein oder andere Spiel, um wieder richtig reinzukommen."

Letzten Sommer hast Du zu Beginn der Runde in der Stammelf gestanden, dann aber Deinen Platz wieder an Philipp Lahm verloren. Woran lag es?
Heiko Gerber: "Ich hatte im Sommer eine gute Vorbereitung und war zu Beginn dann auch in der Mannschaft, das stimmt. Aber es war fast logisch, dass Philipp wieder ins Team zurückkehren würde, denn er hat zuvor bei uns sehr gut und auch bei der Europameisterschaft überzeugend gespielt. Am Anfang der Runde hatte er etwas Trainingsrückstand, weshalb er zunächst auf die Bank musste. Und als er dann zurück gekommen ist, war es natürlich schwer, ihm seinen Platz streitig zu machen. Vielleicht ist links hinten auch eine Position, wo man nicht ganz so oft wechselt, wie zum Beispiel im Mittelfeld oder im Sturm. Und im Herbst, als Andi Hinkel verletzt war, gab es dann eine weitere Chance, um ins Team zu kommen, aber in dieser Phase war ich dann leider selbst verletzt und musste passen."

Und jetzt wo die Chance auf einen Einsatz gekommen ist, schaut der Trainer mit Argusaugen auf jede Aktion und ist besonders kritisch mit Dir, oder?
Heiko Gerber: "Nein, ich denke, dass es keinen Unterschied zur Situation davor macht. Der Trainer schaut immer auf alle und jeder hat seine Chance sich zu beweisen. Wer dann letztlich aufläuft entscheidet allein Matthias Sammer."

Zuletzt hat sich Matthias Sammer eher selten für Dich entschieden. Dein Vertrag läuft aber noch bis 2007. Wirst Du Dich weiter mit der Rolle des zweiten Mannes begnügen oder wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?
Heiko Gerber: "Es ist doch ganz klar, dass ich mehr Einsatzzeit anstrebe. Ich war in der Vergangenheit auch immer da, wenn ich gebraucht wurde und ich hoffe natürlich, dass ich in Zukunft weiter und vor allem häufiger gebraucht werde."

Hast Du Dir aufgrund der Rolle des zweiten Mannes auf der linken Seite jemals Gedanken über einen Vereinswechsel gemacht?
Heiko Gerber: "Nein, eigentlich nicht. Klar macht man sich Gedanken über seine Rolle und weitere zweieinhalb Jahre will ich eigentlich auch nicht auf der Bank verbringen. Aber Fakt ist, dass ich mich in Stuttgart sehr, sehr wohl fühle und deshalb gab es nie einen Gedanken über einen Vereinswechsel."

Könnte daran die Tatsache etwas ändern, dass das VfB-Management gerade auf Deiner Position für die Zukunft nach Verstärkung sucht?
Heiko Gerber: "Dass ich mich darüber nicht unbedingt freue, ist doch klar. Aber auf der anderen Seite ist das eine ganz normale Sache und die Pflicht des VfB, nach Verstärkungen Ausschau zu halten. Schon allein deshalb, weil uns Philipp im Sommer ja verlassen wird."

Stimmt. Und während Philipp Lahm seine Karriere in München fortzsetzen wird, wirst Du Deine in Stuttgart beenden?
Heiko Gerber: "Das ist gut möglich. In meinem Alter ist man ja schon froh, wenn man einen etwas länger datierten Vertrag besitzt. Und wie schon gesagt, ich fühle mich in Stuttgart sehr wohl. Das gilt im übrigen auch für meine Familie. Wir haben in Stuttgart ein Haus gebaut und ich könnte mir vorstellen, auch nach meiner Karriere hier zu bleiben und eventuell weiter für den VfB zu arbeiten."

Was käme denn für ein Job für Dich in Frage?
Heiko Gerber: "Ach Gott, da gibt es viele Möglichkeiten. Vom Fanbetreuer bis zum Jugendtrainer könnte ich mir fast alles vorstellen. Und wenn alle Stricke reißen, dann kann ich im neuen EventCenter ja auch noch eine Bar aufmachen."

Dann lassen wir uns mal überraschen. Zurück zur Gegenwart. Du hast gesagt, dass sich auch Deine Familie in Stuttgart sehr wohl fühlt. Dein Sohn Felix kommt bald in die Schule. Ist auch das ein Grund, beim VfB zu bleiben und nichts Neues anzufangen?
Heiko Gerber: "Ja klar, ich will auf jeden Fall, dass meine Kinder nicht allzu oft die Schule wechseln und sich an ein neues Umfeld gewöhnen müssen. Schließlich sind sie in Stuttgart genauso heimisch geworden wie meine Frau und ich."

Warum heißt Dein Sohn eigentlich Felix? Mit Felix Magath kann es ja eigentlich nichts zu tun haben, denn der war erst zu einem späteren Zeitpunkt Trainer in Stuttgart.
Heiko Gerber: "Doch, es hat schon mit Felix Magath zu tun. Als meine Frau damals schwanger war und wir uns einen Namen überlegt haben, war Felix Magath mein Trainer in Nürnberg. Meiner Frau gefiel der Name Felix so gut, dass er ganz oben auf der Liste stand. Allerdings zunächst in Klammern, denn ich habe gesagt, solange mein Trainer so heißt, nenne ich nicht auch mein Kind so. Dann ist Felix Magath in Nürnberg aber im Sommer gegangen und der Weg war frei. Ich habe schließlich zugestimmt, dass unser Sohn Felix heißt, da ich mir gedacht habe, den Magath siehst du eh nie wieder. So kann man sich halt täuschen, denn wenig später waren wir in Stuttgart wieder vereint."

Und was ist im Jahr eins nach dem Abgang von Felix Magath aus Stuttgart drin?
Heiko Gerber: "Alles ist möglich. In der Meisterschaft und im UEFA-Cup. Allerdings müssen wir dafür auf allen Positionen einhundert Prozent bringen. Wir können uns keine Pausen leisten, wie zum Beispiel die Bayern, bei denen es nicht auffällt, wenn mal zwei Spieler länger ausfallen. Wir müssen Gas geben und wollen so lange wie möglich oben dran bleiben. Und dann schauen wir mal, was am Ende dabei herauskommt."
 

zariz

Bekanntes Mitglied
gerber ist ein prima kerl... wohl leider ein wenig zu brav... dennoch hoffe ich auf sein verbleib, weil er immer 100% gibt.
 
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