Zwischen Freude und Frust
STEFAN KRAUSE
Click here to find out more!
+
"Das war ein unglaublich ereignisreicher Tag. Wir haben eine Menge neuer Eindrücke gesammelt." Corny Littmann war begeistert vom Ausflug nach Villa Clara. Der Präsident des FC St. Pauli und die mitgereisten Anhänger hatten angesichts der Geschehnisse so einiges an Emotionen zu verarbeiten.
Auf dem Weg in die Provinz machte der Tross Halt beim Mausoleum von Che Guevara und am Kindergarten "Nula del Valle", wo die Spieler den Kids diverse Geschenke überbrachten. "Das war echt süß, die Kleinen haben keinen Mucks gesagt", meinte Coach Andreas Bergmann lächelnd. Umwerfend dann der Empfang in Zulueta. Bergmann: "Erst hab ich gedacht, das wäre `ne Demo oder so was." Aber es waren die Einwohner des kleinen Ortes, die die Hamburger enthusiastisch begrüßten. Sogar selbst gebastelte Feuerwerkskörper knallten - Karneval auf Kuba.
Weiter gings zum kultigen Frisörladen im Dorf, das als Geburtsstätte des kubanischen Fußballs gilt. Dort hat Besitzer Anry Gouit Hernandez die Wände tapeziert mit Postern von allen kickenden Superstars. Und während Hernandez noch eine Rede schwang, riss das Volk den Paulianern die Mitbringsel wie Autogrammkarten, Poster und Aufkleber aus den Händen. Fazit von Teammanager Christof Hawerkamp: "Unglaublich. Das muss man mal mitgemacht haben."
-
"Lass mich bloß in Ruhe", "Ich sage besser nichts", "Frag mich ja nicht, wie es war", "Die haben alle keine Ahnung hier" - die Stimmung unter den Kickern des FC St. Pauli lag bei der Heimkehr vom Spiel aus Villa Clara (1:1) nahe dem Gefrierpunkt. Um kurz vor 23.30 Uhr stapften sie in die Empfangshalle. Ungeduscht, weils im Stadion keine richtige Kabinen gab. Ungehalten, weil hinter ihnen ein mehr als 15-stündiger Stress-Trip lag.
Um 8 Uhr morgens hatte sich der Bus auf die Reise ins etwa 300 km von Havanna gelegene Zulueta gemacht. Auf dem Weg gabs noch einige Zwischenstops (siehe nebenstehender Text), zum Mittagessen wurde für Athleten eher atypische, weil schwer verdauliche Kost wie Hühnchenkeule, Bohnen und frittierte Chips serviert.
Etwas zu spät im Stadion angekommen, blieb keine Zeit mehr für ein vernünftiges Warmmachen. So hatte die Partie vor gut 3000 Zuschauern, in der Marinko Miletic in der 89. Minute aus abseitsverdächtiger Position das 1:1 erzielte (woraufhin der Linienrichter von mehreren Villa-Clara-Kickern mehrfach herzhaft geohrfeigt wurde), kaum Aussagekraft. Verschwitzt gings wieder in den Bus auf die mehr als vierstündige Rückfahrt. "Fußball war heute egal", brachte es ein Fan auf den Punkt. Besser kann man es nicht ausdrücken.
Als Dank für den Empfang in Zulueta: Michel Dinzey (l.) und Yusuf Akbel tragen die kubanischen Verbandsflaggen
Shakehands: Zuluetas Kapitän und sein St. Pauli-Pendant Fabio Morena (r.) begrüßen sich vor dem Anpfiff freundlich
Trainer Andy Bergmann (l.) und Co. posieren vor dem Kicker-Denkmal in Santa Clara - der Wiege von Kubas Fußball
Was bisher geschah und mehr zum Trainingslager des FC St. Pauli auf Kuba ½
www.fcstpauli.de