Leistung zählt

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03.03.2005:
Hamburger Abendblatt

Doll geht seinen mutigen Weg

So sauer war Martin Pieckenhagen nicht einmal während seiner Brandrede vor der Entlassung des ehemaligen Trainers Klaus Toppmöller. Im Training präsentierte sich der frisch auf die Auswechselbank degradierte Torwart aggressiv wie immer. Doch danach verschwand Pieckenhagen als erster in die Kabine und trat kurz darauf den Heimweg an. Schnellen Schrittes. Wortlos. "Es gibt doch nichts neues", grantelte der 33jährige und kündigte an, sich nach einer gedanklichen Pause am Nachmittag zu seiner Situation äußern zu wollen.

Allein, der sonst als "Mister Tacheles" bekannte Pieckenhagen schwieg weiter. Aus Angst, die falschen Worte zu wählen, verhängte sich der Keeper einen Maulkorb. Die richtige Entscheidung? Vielleicht. Dennoch widersprach es dem sonstigen Verhalten als selbsternanntes und wortgewaltiges Sprachrohr, wie es ihm gerade zu Krisenzeiten Respekt bei der Vereinsführung, den Fans und den Medien eingebracht hatte.

"Es ist völlig legitim, ein paar Tage sauer zu sein, in sich zu gehen", zeigte Trainer Thomas Doll Verständnis, "aber nach ein paar Tagen muß auch das vorbei sein. Schließlich haben wir als Mannschaft weiter ein gemeinsames Ziel. Auch wenn es für ihn keine einfache Situation ist, muß sich jeder voll einbringen, das gehört zum Teamgeist."

Befürchtungen, daß seine Beziehung zu dem geschaßten Torwart dauerhaft gestört sein könnte, hat Doll nicht. "Wir haben ja alles besprochen. Er weiß, daß bei mir nie jemand abgeschrieben wird. Aber es geht bei mir ums Leistungsprinzip, und da muß ich der Mannschaft gegenüber glaubwürdig bleiben."

Unterstützung erhält Doll für seinen mutigen Weg aus der Mannschaft. "So bitter es für Martin ist, aber wir haben zwei gute Torhüter, die beide spielen wollen. Das Beispiel Martin Pieckenhagen hat uns allen gezeigt, daß bei Doll nichts unmöglich ist", sagt Bastian Reinhardt, der für den gesperrten Khalid Boulahrouz in die Abwehr rücken wird. "Er macht seine Ankündigungen wahr, trifft mutige Entscheidungen und macht auch vor großen Namen keinen Halt. Und Pieckenhagen ist nun mal einer, der wirklich ein hohes Standing in der Mannschaft hat." Damit nähre Doll die Hoffnungen derer, die mit Stammkräften wie Sergej Barbarez, Stefan Beinlich oder den Innenverteidigern Khalid Boulahrouz und Daniel van Buyten konkurrieren. "Eine Situation wie diese, so bitter sie natürlich für den Betroffenen ist, kann einer Mannschaft auch guttun."

Bisher lag Thomas Doll bei seinen Personalentscheidungen häufig richtig. So brachte er beim 2:0-Sieg in Dortmund, seinem ersten Bundesligaeinsatz, den unerfahrenen Amateur René Klingbeil. Dafür muß Mehdi Mahdavikia, immerhin Asiens Spieler des Jahres, zumeist auf der Bank zuschauen. Die klare Ansage, durchgängig - ob zu Hause oder in fremden Stadien - mit einem 4-4-2-System zu agieren, sorgte für Sicherheit und Selbstbewußtsein.

Sein Vertrauen und seine Risikobereitschaft wurden jedoch nicht immer belohnt: In München konnte sich Miso Brecko bei seinem Einsatz nicht empfehlen - Doll zog daraus sofort die Konsequenzen. Und auch Almami Moreira dürfte sich nach seinem schwachen Auftritt in Berlin auf der Bank wiederfinden.

"Es ist eine klare Handschrift, das reine Leistungsprinzip erkennbar", lobt Kapitän Daniel van Buyten. Wenn die Leistung jedoch nicht stimmt, sortiert Doll gnadenlos aus. Siehe Nationalspieler Christian Rahn (Köln), siehe Stephan Kling (Saarbrücken). "Reisende soll man nicht aufhalten", pflegt Doll dann zu sagen. Und sortiert aus. Gnadenlos, knallhart, aber immer nachvollziehbar, offen und damit fair.

:spitze:
 

gary

Bekanntes Mitglied
Steffen44 schrieb:
"Es ist eine klare Handschrift, das reine Leistungsprinzip erkennbar", lobt Kapitän Daniel van Buyten. Wenn die Leistung jedoch nicht stimmt, sortiert Doll gnadenlos aus. Siehe Nationalspieler Christian Rahn (Köln), siehe Stephan Kling (Saarbrücken). "Reisende soll man nicht aufhalten", pflegt Doll dann zu sagen. Und sortiert aus. Gnadenlos, knallhart, aber immer nachvollziehbar, offen und damit fair.


Stimmt, Doll scheint seine Linie konsequent durchzuziehen. :spitze:
Hätte ich dem ehrlich gesagt gar nicht zugetraut.
 
Steffen44 schrieb:
"Reisende soll man nicht aufhalten", pflegt Doll dann zu sagen. Und sortiert aus. Gnadenlos, knallhart, aber immer nachvollziehbar, offen und damit fair.
Richtige Aussage, aber die sollte nicht immer gelten. Wir brauchen ja mindestens 11 Spieler noch damit wir ne Mannschaft haben ... :lachtot:
 
garylineker schrieb:
Stimmt, Doll scheint seine Linie konsequent durchzuziehen. :spitze:
Hätte ich dem ehrlich gesagt gar nicht zugetraut.
Ich auch nicht. Aber mal abwarten wie das wird wenn die erste Erfolgspause eintritt, dann kann man ihn richtig bewerten. Momentan läuft vieles einfach zu reibungslos, die Rückschläge werden leider auch kommen.
 
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