Gefragt, ob Pavlovic und Nmecha ein "geeignetes Duo" wären, erwiderte Nagelsmann: "Wir brauchen für den offensiveren Part ein etwas anderes Profil, aber einer von beiden hat auf jeden Fall gute Chancen zu spielen." Die Lösung? "Stand jetzt wird Leon Goretzka, trotz weniger Spielzeit bei Bayern, gute Chancen haben, zu spielen und eine ähnliche Rolle zu haben wie in der WM-Quali." In den vergangenen vier Länderspielen begann Goretzka jeweils neben Pavlovic und zeigte ordentliche Leistungen.
Mit Blick auf Nagelsmanns Aussage vom Sommer, wonach er auf der Doppelsechs unbedingt auf Spieler "im Rhythmus" setzen wolle, verwundert seine klare Entscheidung für Goretzka dennoch. Beim FC Bayern ist der 31-Jährige schließlich nur dritte Wahl hinter Kimmich und Pavlovic. In den vergangenen sieben Pflichtspielen sammelte Goretzka 101 von 630 möglichen Einsatzminuten. Sofern sich seine Rivalen nicht verletzen, wird sich daran bis zur WM nichts ändern - zumal Goretzka keinen neuen Vertrag bekommt.
Laut Nagelsmann unterscheidet sich Goretzka mit seinen Qualitäten von den anderen "elf Sechsern auf meiner Liste", darunter neben Pavlovic und Nmecha also auch von den in den vergangenen Monaten eingesetzten Pascal Groß, Angelo Stiller und Robert Andrich. Goretzka "ist einer, der auch in den Sechzehner geht, der kopfballstark ist und eine gute Wucht mitbringt", erklärte Nagelsmann. "Ich erinnere nur an das Spiel gegen Nordirland: Wenn er da nicht gespielt hätte, hätten wir garantiert nicht gewonnen, weil er 60 Bälle weggeköpft hat."
Tatsächlich bestritt Goretzka bei besagtem 1:0-Sieg in Belfast neun Kopfballduelle, von denen er fünf gewann. Es scheint, als würde Nagelsmann Goretzkas - grundsätzlich zweifellos vorhandene - Kopfballstärke etwas überhöhen. Ob Anton Stach von Leeds United denn eine Alternative zu Goretzka wäre? "Er macht es dort gut, ist aber auch nicht enorm kopfballstark und auch nicht der Top-Zweikämpfer, sondern ebenfalls einer, der gerne das Spiel vor sich hat", sagte Nagelsmann.
Stach gewann beim Abstiegskandidaten Leeds in der physischen Premier League in dieser Saison bisher 62 Prozent seiner Kopfballduelle, Goretzka beim Tabellenführer FC Bayern in der Bundesliga nur 38 Prozent. Damit liegt Goretzka übrigens auch hinter Pavlovic (40 Prozent) und Nmecha (60). Die Zweikampfquoten der drei bewegen sich auf ähnlichem Niveau, hier fällt Stach im Vergleich leicht ab.