Phil Jackson rechnet mit Bryant ab

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Phil Jackson, der Ex-Meistertrainer der Lakers und der Bulls, wird ein Buch über die letzte verkorkste Saison veröffentlichen und anscheinend kommt Kobe Bryant nicht gerade gut darin weg:
München/Los Angeles - Es war das erste Spiel für Kobe Bryant ohne Shaquille O'Neal und ohne Phil Jackson.

Beim Preseason-Auftakt der Los Angeles Lakers erzielte Bryant beachtliche 35 Punkte. Die 80:87-Heimniederlage am Dienstagabend im kalifornischen Anaheim gegen die Seattle SuperSonics hat aber auch Bryant nicht abgewendet.

So gut der Superstar der Lakers auch in die neue NBA-Saison gestartet sein mag - was sein ehemaliger Coach nun über ihn in der Öffentlichkeit verbreitet, muss wie ein Schlag in die Magengrube sein.

Im Sommer hatte Cheftrainer Phil Jackson das Handtuch bei den Lakers geworfen. Drei NBA-Titel hat Jackson in fünf Jahren mit L.A. geholt. Doch am Ende haben die ständigen Machtkämpfe und Eifersüchteleien zwischen Bryant und O'Neal auch den "Zen-Meister", der bereits mit den Chicago Bulls sechs Meisterschaften in den 1990er Jahren gewonnen hatte, zermürbt.

Mit ein wenig Abstand legt Jackson nun sein Tagebuch zur Spielzeit 2003/2004 vor. Noch in diesem Monat soll das Werk mit dem Titel "Die letzte Saison: Eine Mannschaft auf der Suche nach seiner Seele" erscheinen.
Darin packt Jackson aus und schreibt sich unverblümt den Frust von der Seele. Mittelpunkt allen Übels aus Sicht von Jackson: Kobe Bryant.

"Es gab einige Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass da ein Psycho-Krieg zwischen uns abläuft", so Jackson.

Die Dauerfehde mit Bryant sei Jackson derart an die Nieren gegangen, dass dieser sich sogar bei einem Psychologen in Therapie begeben habe.

Jackson schreibt weiterhin, er habe im Januar diesen Jahres General Manager Mike Kupchak erklärt, falls Bryant bei den Lakers bleibe, würde er "dieses Team im nächsten Jahr nicht mehr trainieren. Mit diesem Kind (Bryant, Anm. d. Red.) bin ich fertig."

Den ersten Riss im Verhältnis Jackson/Bryant gab es demnach bereits 1999. Damals habe Jackson die Lakers-Führung gebeten, Bryant für Jason Kidd und Shawn Marion zu den Phoenix Suns abzuschieben. Doch Lakers-Besitzer Jerry Buss stellte sich quer. Niemals werde er seinen Superstar ziehen lassen, soll Buss zu Jackson gesagt haben.

Jacksons Tagebuch sorgt bereits vor seiner Veröffentlichung für mächtig Wirbel in L.A. Die Lakers fühlten sich zu einer offiziellen Erklärung genötigt. Darin heißt es, Jacksons Buch beinhalte "einige Ungereimtheiten".

"Es geht um Begebenheiten, die im Privaten und hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben", ließen Buss und Kupchak weiterhin verkünden. "Phil hat sich dazu entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Wir wollen dagegen Rücksicht auf private Angelegenheiten nehmen."

Bryant gibt sich ebenso zurückhaltend. Kein Wunder. Denn noch mehr Ärger kann der Flügelspieler wahrlich nicht gebrauchen. Zwar wurde die strafrechtliche Klage im Vergewaltigungsprozess gegen ihn fallen gelassen. Doch das zivilgerichtliche Verfahren läuft immer noch.

"Wir beide hatten schwere Zeiten miteinander. Wir waren nicht immer einer Meinung. Doch ich habe ihn als Coach immer respektiert", sagt Byrant über Jackson. Wer es gut mit Bryant meint, kann ihm Diplomatie unterstellen. Im Grunde ist das aber Geschwafel eines mit allen Wassern gewaschen Profis.

Die abgelaufene Spielzeit sollte erneut den Titel nach Los Angeles bringen. Mit Karl Malone und Gary Payton wurden im Herbst 2003 zwei weitere Superstars verpflichtet. Genützt hat es nichts.

Die Saison war geprägt von erneuten Streitereien zwischen Bryant und O'Neal, der im Sommer zu den Miami Heat gewechselt ist. Zudem machten zahlreiche Verletzungen Jacksons Konzept zunichte. Bryants Prozess brachte zusätzliche Unruhe.

"Manchmal waren die Reibereien zwischen Kobe und Shaq unglaublich kindisch", berichtet Jackson.

Mit O'Neal habe er zwar auch einige Male Krach gehabt. Aber "Shaq-Attack" zu coachen sei "eine Erfahrung gewesen, die er sein Leben lang in guter Erinnerung behalten werde."

Roland Schekelinski

Quelle: S1
 
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