Rentrop geht, der Leichengräber kommt...

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torwarttrainer

The revenge
Aus finanz.net 03/2004

Frage: Sie managen drei verschiedene Hedgefonds. Zu welcher Art von Hedgefonds ordnen Sie sich ein und welche Strategien verfolgen Sie?
Homm: Wir haben drei Hedgefonds. Alle sind Long/Short ausgerichtet.Wir machen die ganze Klaviatur. Zum Beispiel Vorzüge und Stämme, Arbitrage, Sondersituationen, Übernahmen, Pleiten und Spiele innerhalb einer Branche, wo wir die eine Aktie stark unterbewertet finden und die andere fair bewertet. Als Beispiel, was wir lange gemacht haben: Short auf Banco Santander und Long auf Banco Bilbao Vizcaya.
Frage: In Deutschland sind Sie vor allem als "Shortseller" oder "Plattmacher", "Kurskiller" oder "Der Zerleger von Mallorca" bekannt. Können Sie sich mit diesen Bezeichnungen anfreunden?
Homm: Ach, ich bin schon so viele Sachen genannt worden. Es ist okay und ist ja auch irgendwo sportlich. Man soll sich auch nicht so ernst nehmen. Wenn ich mir meinen psychologischen Körperbau anschaue, dann sehe ich da noch viele Kampfnarben.
Frage: Welche Werte zählen auf der Long- und auf der Short-Seiteaktuell zu Ihren Favoriten?
Homm: Auf der Short-Seite muss ich vorsichtig sein. Sonst krieg ich gleich einen Klagebrief von irgendwelchen Firmen, die mir schon drohen, bevor ich den Namen überhaupt in den Mund genommen habe. Außerdem möchten wir nicht erzählen, dass wir short gehen, wenn die Position noch nicht komplett abgeschlossen ist. Wir sind auf jeden Fall an zwei signifikanten Short-Ideen dran. Warten Sie ab. Sie brauchen schließlich für das nächste Interview Stoff. Bis dahin halte ich mich zurück.

:floet:
 

whiteman

Becksteins erste Ehefrau
Erschütternde Zahlen

Der bisherige Großaktionär Norman Rentrop hat die Flucht ergriffen: Er verkauft sein komplettes BVB-Aktienpaket.



Wie erwartet, versucht das börsennotierte Unternehmen Borussia Dortmund durch eine am Donnerstag auch offiziell angekündigte Kapitalerhöhung an frisches Geld zu kommen. Offenbar zwingt die Finanzmisere zu diesem Schritt, bei dem 9,75 Millionen neue Aktien auf den Markt gebracht werden. Nach Angaben der Geschäftsführung um Gerd Niebaum soll es „für einen erheblichen Teil“ der neuen Aktien zu 2,50 Euro das Stück bereits bindende Abnahmeangebote geben.

In der gesetzlich vorgeschriebenen „ad-hoc-Mitteilung“ zur Kapitalerhöhung hat der BVB auch bereits vorläufige Bilanzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht. Trickreich, wie schon in den letzten Monaten gewohnt, verkündet der Klub dabei eine Zahl von „21 bis 22 Millionen Euro“ als „operativen Verlust“, in dem Zinszahlungen, Abschreibungen, Buchverluste und Steuern allerdings nicht enthalten sind. Hierfür weist Dortmund, gegen jede Bilanz-Gepflogenheit, einen Extraposten in Höhe von 45 Millionen Euro aus.



Erwartungen übertroffen
Aus den zur Verfügung gestellten Zahlen ergibt sich demnach ein offizieller Bilanz-Verlust von kaum glaublichen 66 bis 67 Millionen Euro für die abgelaufene Saison 2003/2004. Bisher war eher mit einem Jahresverlust von rund 50 Millionen Euro gerechnet worden. Erboste Fans kommentierten die erschütternden Zahlen in Internet-Fan-Foren wie „schwatzgelb.de“ mit Sarkasmus, wie etwa: „Endlich übertrifft die Borussia mal wieder alle Erwartungen.“

Andere schreiben: „Wer sagt, dass 60 Millionen Minus übertrieben sind und dass 150 Millionen Schulden nur Spekulation sind? Aber es gibt immer noch genügend Leute, die sich erzählen lassen, wie viel tolles Vermögen wir noch als Deckung haben.“

Auch der bisherige Großaktionär Norman Rentrop, der rund 15 Prozent des BVB-Aktienkapitals hielt, hat die Flucht ergriffen. Rentrop ließ am Donnerstagnachmittag bekannt geben, dass er sein komplettes Aktienpaket außerbörslich verkauft hat.

Offenbar hält sich Rentrops Verlust in Grenzen, weil er sein Paket ebenfalls zu Rabattkonditionen von der Deutschen Bank übernommen hatte. Die Deutsche Bank hatte 2000 den Börsengang des BVB als Konsortialbank durchgeführt, sich aber im Herbst 2003 komplett aus Borussia Dortmund zurückgezogen. Rentrops Anteil soll, dem Vernehmen nach, an einen Neckermann-Erben gegangen sein. Der Wechsel des Aktienpakets ist gesetzlich meldepflichtig.

Der Verleger Rentrop hatte, gemeinsam mit dem Großaktionär Michael Schiemann, der 5,1 Prozent hält, in den vergangenen Wochen massiv auf eine Umbesetzung des Aufsichtsrates beim BVB gedrängt. Dort sitzen, neben dem als unabhängig eingeschätzten Aufsichtsratsvorsitzen, dem Software-Unternehmer Winfried Materna, ausschließlich Männer, die von Gnaden des Präsidenten Niebaum dort installiert sind.

So unter anderem der Vorstands-Chef des börsennotierten Parfüm-Konzerns Douglas, Henning Kreke. Eine Kontrollfunktion, die der Aufsichtsrat ansonsten in börsennotierten Unternehmen ausübt, werde angesichts der persönlichen Nähe der Mitglieder zum Geschäftsführer Niebaum praktisch nicht ausgeübt. Nicht zuletzt wegen des Versagens des Aufsichtsrates sei ein so katastrophales Ergebnis möglich geworden. Es heißt von Rentrop außerdem, er habe eine sofortige Ablösung Niebaums als Geschäftsführer angestrebt. :eek:

Großaktionär Michael Schiemann, selbst langjähriger Unternehmer und Aufsichtsratsvorsitzender der Gilde-Brauerei, sieht die Entwicklung beim BVB ebenfalls mit ausgesprochener Besorgnis: „Die Kapitalerhöhung stellt mich vor eine schwierige Entscheidung: Entweder wird die Quote meines Aktienanteils verwässert, oder ich müsste Aktien nachkaufen. Beides ist nicht schön.“ Er vermisse bei der Borussia bisher ein Konzept zur „Neuordnung der Finanzen“.

Die Kapitalerhöhung war offenbar für den klammen BVB die einzige Möglichkeit, sich kurzfristig mit Kapital zu versorgen. Dem Klub stehen und standen, auch nach eigener Bestätigung, in diesen Tagen mehrere große Zahlungsverpflichtungen ins Haus. Unter anderem sind dies Gewerbesteuerzahlungen in Höhe von bis zu fünf Millionen Euro, vier Millionen für die Rückabwicklung der Namensrechte am Westfalenstadion an die Commerzbank-Tochter Assunta sowie die aktuellen Gehaltszahlungen an den Lizenzspieler-Kader für den Monat August in Höhe zwischen 2,5 und drei Millionen Euro.

(SZ vom 17.9.2004)
 

Blubb

Aktives Mitglied
whiteman schrieb:
Es heißt von Rentrop außerdem, er habe eine sofortige Ablösung Niebaums als Geschäftsführer angestrebt.
Ist ja nix neues... die haben sich wohl eine unanfechtbare Machtposition geschaffen,die jeglicher KOntrolle wider stehen kann... da muss wohl noch sehr sehr viel Negatives passieren, damit die Ernsthaft in Verlegenheit kommen würden...
 
Mal wieder ein Artikel über Homm:

Börsenhai nimmt sich die Borussia vor

Von Jörg Schmitt und Michael Wulzinger

Was will Börsenhai Florian Homm mit den Aktien der hoch verschuldeten Dortmunder Borussia? Die Clubführung ist arglos, doch der neue Großaktionär droht schon mit deren Absetzung. Im Pott laufen bereits die ersten Wetten, ob Homm nun Retter oder Totengräber des sechsfachen deutschen Meisters ist.

Die Umgebung, in der Florian Homm arbeitet, ist ein Hort des Friedens. Von seiner Villa aus hat der Großneffe des verstorbenen Versandhauskönigs Josef Neckermann einen prächtigen Blick auf die Bucht von Palma de Mallorca, im Garten grasen Schafe, und das herrschaftliche Anwesen ist umgeben von einer Orangenplantage, einem Tennisplatz und einem Swimmingpool.

Doch das Idyll trügt. Homm, 44, gehört zu den gefürchtetsten Hedge-Fonds-Managern Europas, die unter anderem mit so genannten Leerverkäufen Millionen machen. Die Transaktionen, die der Börsenhai von seinem Domizil aus einfädelt, lösen bisweilen ein Beben an den Aktienmärkten und Panik bei den Unternehmen aus, die Homm ins Visier genommen hat.

So attackierte der frühere Basketball-Juniorennationalspieler in den letzten zwei Jahren mit seinen brachialen Methoden die Kurse des Finanzdienstleisters MLP, der Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft WCM und des Autoverleihers Sixt - was ihm zuletzt nicht nur eine Geldbuße, sondern auch ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Wertpapierhandelsgesetz bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt eingebracht hat.

Spitzname "Zerstörer"

Nun will der "Zerstörer" ("Wirtschaftswoche") auch im Fußball-Business kräftig verdienen. Ende vorvergangener Woche kam heraus, dass der berüchtigte Spekulant über seine auf den Cayman-Inseln ansässige FM Fund Management Limited 11,22 Prozent an der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA erworben hat.

Homm konnte einsteigen, weil ein bisheriger BVB-Großaktionär, der bibelfeste Godesberger Verleger Norman Rentrop, seine Borussia-Aktien abgestoßen hatte. In den nächsten Wochen kann sich Homms Anteil sogar noch erhöhen - wenn der Harvard-Absolvent seine Bezugsrechte bei der eingeleiteten Kapitalerhöhung wahrnimmt. Offen lässt der passionierte Zigarrenraucher bislang, ob er darüber hinaus noch weitere BVB-Anteile erwerben will.

Schon laufen im Pott die ersten Wetten, ob der Aktien-Junkie von Palma zum Retter oder zum Totengräber des finanziell arg gebeutelten Traditionsclubs wird. Der Verein ist mit 150 Millionen Euro verschuldet und hat allein die vergangene Saison mit einem Defizit von 67 Millionen abgeschlossen. Der Wert des einzigen börsennotierten Bundesligisten rauschte vom Ausgabekurs von 11 Euro im Oktober 2000 zuletzt auf ein historisches Tief von 2,26 Euro.

Formal kein Durchgriff aufs operative Geschäft

Beim BVB ist man bislang völlig arglos. Nein, mit dem neuen Großaktionär habe man noch keinen Kontakt aufgenommen. Nein, man wisse auch nicht, was Herr Homm mit seinem Aktienpaket vorhabe. Weder von dessen legendär schlechtem Ruf noch von dessen aggressivem Geschäftsgebaren lässt sich die Club-Führung irritieren. "Wieso soll Homm diesmal nicht eine langfristige Strategie fahren?", sagt Borussen-Manager Michael Meier. "Ich kann doch nicht bei jedem neuen Investor einen Charaktertest machen." Ohnehin könne der frisch eingestiegene Shareholder bei einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, die der BVB nun mal sei, "keinen Einfluss auf die Geschäftsführung ausüben".

Wenn sich Meier da nicht täuscht. Homm, der seit Juli intensiv seinen Scoop vorbereitete, will sich keinesfalls mit der Rolle eines passiven Salonaktionärs zufrieden geben: "Ich bin ein Straight Shooter." Er sei eingestiegen, um das aus seiner Sicht unterbewertete Unternehmen "mittelfristig" nach vorn zu bringen - um jeden Preis. Da schert ihn auch wenig, dass er mit seinen Anteilen formal keinen Durchgriff auf das operative Geschäft beim BVB hat. Homm hat schon oft genug bewiesen, dass er weiß, wie man ein Management unter Druck setzt. "Wenn die Sanierung des Clubs sich nicht schon in den nächsten Halbjahreszahlen niederschlägt, können wir sehr unbequem werden."

Ein auf Englisch verfasstes internes Strategiepapier seiner FM Fund liest sich wie eine Kampfansage an die BVB-Führung. Gnadenlos watscht Homm die Vereinspolitik ab: "schwacher finanzieller Auftritt, schwacher Management-Auftritt, zuletzt schwache sportliche Leistungen". Den Vorstand werde er nur "unter drei Bedingungen aktiv unterstützen: Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht wiederholt werden; die Finanzstruktur wird gestärkt; die sportliche Entwicklung verbessert sich".

"Phantastischer Markenname"

Schließlich hält der Börsenjongleur die BVB-Aktie für unterbewertet. Die Marktkapitalisierung betrage gerade einmal 5 Prozent des derzeitigen Werts von Manchester United; Borussia sei ein "phantastischer Markenname, den mehr als 90 Prozent aller Deutschen kennen".

Sein Fazit: "Jeglicher Fortschritt beim Abbau der Schulden, jegliche Stärkung der Glaubwürdigkeit des Managements und jegliche Verbesserung der sportlichen Entwicklung" würden den Aktienkurs nach oben treiben. "Als aktiver Anteilseigner sehen wir es als unsere Pflicht an, den Shareholder-Value der Aktie zu maximieren."

Für den Fall, dass die Club-Bosse Gerd Niebaum und Meier seine Vorgaben nicht umsetzen, kündigt Homm in dem zweiseitigen Papier deren Demission an. "Um es klar zu sagen: Sollte das Management den BVB nicht erfolgreich auf eine solidere finanzielle Basis stellen, wird es durch fähigere Personen ersetzt werden müssen."
 

Blubb

Aktives Mitglied
@Libuda:
Da meint man ja fast,dass nix besseres dem BVB hätte passieren können... zumindest oberflächlich klingt es so,als ob er den Verein übernehmen wolle und das Management absetzen...
 
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