Unsere Privatsphäre!

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Prof.Dr.Spock

Vulkanier
Nachdem wir in der Lesung "Incommunicado" dem allgegenwärtigen Erreichbarkeitswahn und dem Leben im Online-Rausch auf der Spur waren, drängt sich die Frage nach den Konsequenzen für unsere Privatsphäre geradezu auf. Also los.

Verehrte BND-Mitarbeiter, Klatschreporter, Freunde der Spyware, wer von uns hat nicht schon mal das seltsame Gefühl gehabt, beobachtet zu werden?

Und das obwohl er weder Islamist, Vogue-Model noch Opfer einer Koks-Psychose ist.

Das Anrecht auf die eigene Privatsphäre ist ein verfassungsmäßig garantiertes Grundrecht (ableitbar aus Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1), welches allerdings mittlerweile stärker unterminiert ist als die Gegend um Saigon während des Vietnam-Krieges.

In einer komplexer werdenden Welt ist das Refugium der Privatheit ein hohes Gut und dennoch lassen wir es zu, dass die Schlüssellöcher durch die wir beobachtet werden größer sind als die Zahnlücke von Vanessa Paradis.

Früher hieß es in Franz Lehars Operette "Die lustige Witwe": "Heut geh ich ins Maxim, da bin ich so intim". Heutzutage heißt es eher: „Lass uns in die BB-Bar gehen und ne Line ziehen. Dann sind wir morgen mit Michel Friedmann auf dem Cover der Gala“.

Heimtückische Software inspiziert unsere Rechner, zeichnet unsere Wege im Netz auf und erstellt dabei unter Umständen komplette Marketing-Profile.

Jeder der schon mal unaufgefordert einen Katalog für Latex-Unterwäsche, ein Sonderangebot für Viagra oder eine Container-Ladung Katzensteaks erhalten hat, weiß wovon ich rede.

Wer jemals eine Garantie-Karte für ein Handy ausgefüllt hat, hat sein Schicksal besiegelt. Man landet prompt in einer Datenbank, die jeder einsehen kann, der auch nur im Entferntesten etwas mit Handys zu tun hat.

Man bekommt plötzlich Anrufe von Klingelton-Verkäufern, Flatrate-Providern und aufgrund fehlerhafter Phonetisierungs-Algorithmen sogar Drohbriefe von durchgeknallten Linguisten der Gruppe „Feinde des Hendiadyoin“.

Und wer einmal auf einer ATTAC-Demo war, dessen Telefon ist vermutlich angezapfter als die Fässer im Hofbräuzelt auf dem Oktoberfest.

Sicher, nicht jeder empfindet dies in gleichem Maße als bedrohlich. Viele Bewohner der neuen Bundesländer, die früher schon mal Briefe aus der Normannenstraße mit der Aufforderung erhalten haben „im Bad nicht immer so zu nuscheln“, fühlen sich an die gute alte Zeit erinnert.

Wir Wessis allerdings legen Wert darauf, unbeobachtet mit Strapsen und einer blonden Echthaarperücke vor dem Fernseher zu sitzen und zu den Sexy Sport Clips zu masturbieren bis der Arm abfällt, aharharhar.
 

Prof.Dr.Spock

Vulkanier
Für alle, die noch Illusionen haben.

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Prof.Dr.Spock

Vulkanier
Du meinst die Illusion, dass im digitalen Zeitalter tatsächlich noch Menschen bei Normalos mithören :zwinker3:
Jahrelang habe ich Menschen mit dem Satz beruhigt, dass sich kein Geheimdienst für Otto Normalverbraucher interessiert. Mittlerweile allerdings hat die unglaubliche Kapazitäts- und Effizienzsteigerung moderner Überwachungssysteme dazu geführt, dass zunächst mal anlasslos alles gespeichert wird/werden kann. Ob das dann verwendet wird, ist eine andere Frage, aber es ist verfügbar.
 
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