Wannseekonferenz

Monaco_Franze

Wie meinst Krise, Spatzl?
Hat das jemand zufällig heute gesehen? Ganz harte Kost. Ich muss das jetzt erstmal sacken lassen und sortieren.
 

Wilhelm

Überfliegender Gartenzwerg
Hat das jemand zufällig heute gesehen? Ganz harte Kost. Ich muss das jetzt erstmal sacken lassen und sortieren.
Ja, ich hatte vorher schon eine Filmkritik dazu gelesen, die war nur mäßig begeistert, deshalb habe ich interessiert der Ausstrahlung geharrt. Und ich bin ehrlich: Die filmische Umsetzung von 1984 fand ich besser, da waren die Charaktere noch deutlich, noch geringschätziger, in meinen Augen einfach stärker.

Der Film/das Thema an sich ist harter Stoff. Schwer bürokratische Planung einer industriellen Vernichtung. Puhh.
 
E

Elchjäger

Guest
Ich fand’s richtig gut…… ich denk noch mal darüber nach, wie ich das formulieren kann, was ich mir dabei gedacht habe, ohne dass es missverständlich ist…
 

Wilhelm

Überfliegender Gartenzwerg
Ich fand’s richtig gut…… ich denk noch mal darüber nach, wie ich das formulieren kann, was ich mir dabei gedacht habe, ohne dass es missverständlich ist…
Kennst Du die Version von 1984? Ist im Internet anzusehen. Ich fand die Chraktere hier heute teils recht schwach, ja fast schüchtern. Aber ich gebe Dir recht, gsnz schlecht war der Film nicht.
 
E

Elchjäger

Guest
Kennst Du die Version von 1984? Ist im Internet anzusehen. Ich fand die Chraktere hier heute teils recht schwach, ja fast schüchtern. Aber ich gebe Dir recht, gsnz schlecht war der Film nicht.
Nein. Ich kenn den nicht. Fand aber gerade darin, dass die Protagonisten so schwach charakterisiert waren, die Stärke des Films. Es hat für mich die absurdität der Verhandlung gezeigt, bar jeder emotionalität.
Ich war mal in buchenwald bei einer Führung. Dort wurde über ein vorkomnissnbei einer Feier der lagerkommmdatur berichtet. Über was man sich dort aufgeregt hatte und wie sehr die Ahndung dieses Geschehens im Kontrast zum Umgang mit den Menschen im Lager stand.
Das war für mich unglaublich krass und den Eindruck Hatte ich heute Abend auch.
 

Werderforever

Bekanntes Mitglied
Ich kenne die frühere Verfilmung nicht, fand aber die teilweise schwach gezeichneten Charaktere auch eher gut, dadurch rückte diese völlig entmenschlichte Dimension der geplanten Vernichtung von elf Millionen Menschen sehr stark in den Vordergrund, was der Planung des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte sozusagen "gerecht wird".
 

Wilhelm

Überfliegender Gartenzwerg
Nein. Ich kenn den nicht. Fand aber gerade darin, dass die Protagonisten so schwach charakterisiert waren, die Stärke des Films. Es hat für mich die absurdität der Verhandlung gezeigt, bar jeder emotionalität.
Ich war mal in buchenwald bei einer Führung. Dort wurde über ein vorkomnissnbei einer Feier der lagerkommmdatur berichtet. Über was man sich dort aufgeregt hatte und wie sehr die Ahndung dieses Geschehens im Kontrast zum Umgang mit den Menschen im Lager stand.
Das war für mich unglaublich krass und den Eindruck Hatte ich heute Abend auch.
Diesen Eindruck von Dir kann ich nachvollziehen. Vielleicht haste ja mal die Gelegenheit die alte Version zu schauen.

Man macht sich gar keinen Eindruck, was damals alles passierte. Das war für die "business as usual", da hatte jeder kleinste Mist mehr Bedeutung. Ich kann mich kaum in solche Menschen hineinversetzen, es war einfach nur gruselig.
 

Wilhelm

Überfliegender Gartenzwerg
Ich kenne die frühere Verfilmung nicht, fand aber die teilweise schwach gezeichneten Charaktere auch eher gut, dadurch kam diese völlig entmenschlichte Dimension der geplanten Vernichtung von elf Millionen Menschen geradezu erschreckend gut rüber.
Ich glaube, Ihr habt meine "starke Charaktere" falsch eingeordnet. Stark meint hier, noch bürokratischer, noch entrückter dieser Welt. In der alten Version kloppen die sich bald wegen der Geschichte mit Halb- und Vierteljuden, was hier recht kurz kam. Dass die nicht noch Gesetzesbücher rausgekramt haben, war alles, das war unwürdigste Bürokratie pur, der Mensch als Paragraphennummer.
 

Realistnix

Bekanntes Mitglied
Das war für die "business as usual", da hatte jeder kleinste Mist mehr Bedeutung. Ich kann mich kaum in solche Menschen hineinversetzen, es war einfach nur gruselig.

es war eine andere Zeit, Sozialisition u auch noch Obrigkeitsdenken.

Übrigens der Antisemitismus wurde in Wien,

.Nachdem Kaiser Franz Joseph I., der die Gleichberechtigung aller Bürger unter einem Bürgermeister Lueger nicht gewährleistet sah, die erforderliche Bestätigung verweigert hatte, stimmte der Rat am 13. November erneut mit deutlicher Mehrheit für Lueger....

Politik als Bürgermeister

In der Folge etablierten Lueger und seine Gefolgsleute ein effizientes kommunales Machtsystem, das auch stark auf Ämterpatronage beruhte.




Wien, Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus (früher: Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche)

In Luegers Zeit als Bürgermeister fallen wesentliche Reformen und Bauvorhaben der Stadtverwaltung, mit denen Wien auf seine geplante Funktion als europäische Metropole von etwa vier Millionen Einwohnern vorbereitet werden sollte.

Politik als Bürgermeister

In der Folge etablierten Lueger und seine Gefolgsleute ein effizientes kommunales Machtsystem, das auch stark auf Ämterpatronage beruhte.




Wien, Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus (früher: Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche)

In Luegers Zeit als Bürgermeister fallen wesentliche Reformen und Bauvorhaben der Stadtverwaltung, mit denen Wien auf seine geplante Funktion als europäische Metropole von etwa vier Millionen Einwohnern vorbereitet werden sollte.


ein Freund von mir drückt es so aus, die Sau ändert sich, der Trog nicht, (notfalls muß halt der Futterlieferant geändert werden damit ich profitiere. mM)
 

fradiavolo

Unbekanntes Mitglied
Ich glaube, Ihr habt meine "starke Charaktere" falsch eingeordnet. Stark meint hier, noch bürokratischer, noch entrückter dieser Welt. In der alten Version kloppen die sich bald wegen der Geschichte mit Halb- und Vierteljuden, was hier recht kurz kam. Dass die nicht noch Gesetzesbücher rausgekramt haben, war alles, das war unwürdigste Bürokratie pur, der Mensch als Paragraphennummer.

Ich bin normal gar kein Freund von Neuverfilmungen, aber im direkten Vergleich mit der älteren Verfilmung, soweit ich mich noch daran erinnern kann (das dürfte wohl wirklich in den 80ern gewesen sein, dass ich die das letzte mal gesehen habe), waren gerade diese "weichen" Figuren durch ihre zuweilen fast schon lockere Art diabolischer. Die in der früheren Version hat man die eher als Dämonen, fast schon entmenschlicht abtun können. Mit denen heute ging das aber nicht, das waren tatsächlich Menschen. Und die haben einen dazu gezwungen, das auch tatsächlich als das anzunehmen, was es war: das Werk von ganz normalen Menschen und nicht etwa irgendwelchen fiktiven Bösewichten. Ich hab mich sogar manchmal dabei erwischt mich zu fragen wie ich wohl als Teilnehmer geredet hätte, wenn es mich damals in diese Runde verschlagen hätte. Das wäre bei mir bei der alten Version kaum möglich gewesen, dazu war da alles viel zu steril. Und genau das ist es ja, was so eine Aufarbeitung leisten soll.
 

Wilhelm

Überfliegender Gartenzwerg
Ich bin normal gar kein Freund von Neuverfilmungen, aber im direkten Vergleich mit der älteren Verfilmung, soweit ich mich noch daran erinnern kann (das dürfte wohl wirklich in den 80ern gewesen sein, dass ich die das letzte mal gesehen habe), waren gerade diese "weichen" Figuren durch ihre zuweilen fast schon lockere Art diabolischer. Die in der früheren Version hat man die eher als Dämonen, fast schon entmenschlicht abtun können. Mit denen heute ging das aber nicht, das waren tatsächlich Menschen. Und die haben einen dazu gezwungen, das auch tatsächlich als das anzunehmen, was es war: das Werk von ganz normalen Menschen und nicht etwa irgendwelchen fiktiven Bösewichten. Ich hab mich sogar manchmal dabei erwischt mich zu fragen wie ich wohl als Teilnehmer geredet hätte, wenn es mich damals in diese Runde verschlagen hätte. Das wäre bei mir bei der alten Version kaum möglich gewesen, dazu war da alles viel zu steril. Und genau das ist es ja, was so eine Aufarbeitung leisten soll.
Vielleicht ordne ich es auch nur falsch ein, werde mir die beiden Versionen noch mal nachmittags anschauen. Mag alles durchaus sein.
 
E

Elchjäger

Guest
Ich werd mir auch mal die andere Verfilmung anschauen. Vielleicht nicht heute oder morgen.
 

Realistnix

Bekanntes Mitglied
Ich bin normal gar kein Freund von Neuverfilmungen, aber im direkten Vergleich mit der älteren Verfilmung, soweit ich mich noch daran erinnern kann,.....

ein Elementarer Teil bei allen Filmen ist der momentane Zeitgeist bzw der Auftrag/Geldgeber u en Blockbuster wirst du nur wenns der Masse gefällt.

Bsb Top Gun finanziert u angestossen vom US Militär, man brauchte Piloten bzw überhaupt Luftwaffe (Vietnam Folgen ?)

oder die Herren in Strümpfhosen Filme, da gabs früher keine Farbigen - ok mal nen nachgebratetenen :) vlt
 

FCK-Fan-Simone

Lehrerin und Mutter
Teammitglied
Ich habe beide Filme bisher nicht gesehen, aber auch mich schockiert bei Nazifilmen, KZ-Besichtigungen usw. diese emotionslose Unmenschlichkeit, mit der gegen die KZ-Insassen vorgegangen wurde. Erklären kann ich es mir eigentlich nur so, dass viele damals vielleicht wirklich dachten, Juden wären keine richtigen Menschen. Und mit bedingungslosem Gehorsam ohne nachzudenken.
 

Forentroll

Bekanntes Mitglied
Ich habe beide Filme bisher nicht gesehen, aber auch mich schockiert bei Nazifilmen, KZ-Besichtigungen usw. diese emotionslose Unmenschlichkeit, mit der gegen die KZ-Insassen vorgegangen wurde. Erklären kann ich es mir eigentlich nur so, dass viele damals vielleicht wirklich dachten, Juden wären keine richtigen Menschen. Und mit bedingungslosem Gehorsam ohne nachzudenken.
Nein, das reicht tatsächlich gar nicht aus. Um so etwas zu ermöglichen braucht es die subjektive Wahrnehmung einer Schädigung, einer Bedrohung. Das Ekelzentrum des Gehirns wurde aktiviert, also die Areale die uns daran hindern in einen verfaulten Apfel zu beißen. Der Mensch ist in der Lage das zu abstrahieren, das Ekelgefühl kann auch durch beliebig andere Marker (z.B. gelbe Sterne auf der Kleidung) ausgelöst werden.

Der Mensch hat ohnehin eine sehr starke natürlich Neigung zur Tribalisierung, also der Abgrenzung der eigenen von der fremden Gruppe. Die Wahrnehmung wird komplett verzerrt. Du kannst das sogar beim Fußball beobachten, wenn die Leute da felsenfest der Überzeugung sind der Schiedsrichter hätte richtig oder eben falsch entschieden, je nachdem ob es der eigenen Gruppe nützt oder schadet. Die Leute sagen die Wahrheit, sie nehmen das in dem Moment wirklich so wahr, egal wie unsinnig es von außen betrachtet sein mag. Soweit ich weiß, ist es sogar so, dass man von Angehörigen "der Anderen" Gesichter schlechter erkennen, Emotionen schwerer verstehen kann usw.

Besonders übel wird es aber, wenn zusätzlich dieser Ekelfaktor noch mit bedient wird, man den Mitmenschen also als etwas wahrnimmt, der quasi "unrein" ist und die Gemeinschaft der "Sauberen" verschmutzt. Nicht umsonst ist der Vorwurf Epidemien oder Schädlinge zu verbreiten historisch häufig mit Ausgrenzungen und Progromen einhergegangen. In dem Fall wird das Gegenüber nicht mehr nur als "fremd" wahrgenommen, sondern quasi als "Krankheitserreger auf Beinen" und damit eine massive Bedrohung. An dem Punkt fallen dann jegliche Hemmungen. Es ist jedenfalls kein Zufall, dass es sich bei Zyklon B eigentlich um ein Schädlingsbekämpfungsmittel handelte und man ausgerechnet Duschräume fürs industrialisierte Töten verwendete und auch sonst strotz die ganze Sprache der Zeit von einem völlig überdrehten Hygienewahn.
 

FCK-Fan-Simone

Lehrerin und Mutter
Teammitglied
Ein ekliger Beitrag...da wirds einem ja beim Lesen schlecht...(nicht auf dich bezogen, sondern auf den kranken Inhalt).
 

Cheeria

Bekanntes Mitglied
Hat das jemand zufällig heute gesehen? Ganz harte Kost. Ich muss das jetzt erstmal sacken lassen und sortieren.
Ja und ging mir auch so. Besonders nach der Doku danach, die das ganze Ausmaß der "Konsequenzen" aus dieser und anderen Konferenzen zeigte. Unfassbar, einfach unfassbar. Die Systematik hinter allem und alles in der Sprache von Behörden, Spediteuren und Logistikern. Unfassbar, dass soviele von diesen Wörtern überlebt haben und auch heute noch gebraucht werden. Dass diese Behördler ihre Ämter behalten haben, v.a. bei der Polizei und in der Justiz. Am unfassbarsten aber für mich, dass heute wieder Juden in diesem Land leben.

Den Film von 1984 kenne ich auch nicht und werde ihn anschauen. Es gibt auch einen amerikanischen von 2001 mit überwiegend britischen Schauspielern. Nie gesehen. Und ich suche immer noch im Netz nach der halbdokumentarischen Darstellung, die ich vor Jahren mal gesehen habe und die auch ziemlich gut war.
 

FCK-Fan-Simone

Lehrerin und Mutter
Teammitglied
Oh ja...es gab nicht nur die KZs. Und auch dort wurden längst nicht alle Opfer vergast. Es gab Erschießungen, manche bekamen Gift gespritzt und viele starben auch einfach an Mangelernährung, Überarbeitung, Erschöpfung, ...
 
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