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Warum gehen immer mehr Ehen und Beziehungen (mit Kindern) in die Brüche?

Nikita

Asylantin
Das Thema würde ich gerne mal mit euch diskutieren. Seitdem mein Sohn in der Schule ist (vierte Klasse) kriege ich ja über Elternbeirat und Whatsappgruppen vieles mit. Ich würde wirklich so weit gehen zu behaupten, dass inzwischen mindestens 25% der Kinder nicht mehr mit beiden leiblichen Eltern aufwachsen. Was hat sich denn in den letzten Jahren so verändert, dass diese Zahl so in die Höhe schießt? Die Betroffenen selbst mal anzusprechen traue ich mich irgendwie nicht. Aber das ist echt ein Thema das mich umtreibt.
 

Milk_

Unterwegs im Dschungel
Hallo Nikita,
mir fällt da schon ein bißchen was dazu ein, aber heute kommt da von mir nicht mehr viel.😴
Ich glaube, die Prioritäten sind einfach nicht mehr da, wo sie sein sollten, vorallem wenn man Kinder hat.
Morgen schreibe ich bestimmt nochmal mehr dazu.

Gute Nacht :)
 

atreiju

Bekanntes Mitglied
Teammitglied
Wenn inzwischen fast jede 2. Ehe in Deutschland geschieden wird, dann ist das leider eine logische Konsequenz daraus.

Ich glaube, es ist fast unmöglich, dafür ein paar wenige Gründe zu finden, an denen sich das festmachen lässt. Aus meiner Sicht spielen da sicherlich auch Punkte hinein wie die Tatsache, dass die meisten es verlernt haben, um Beziehungen zu kämpfen und auch Kompromisse und Einschränkungen einzugehen, sondern gerade dadurch, dass eben in der Regel heute beide sehr selbständige Persönlichkeiten sind (was grundsätzlich begrüßenswert ist), der Gedanke daran, wie geht es mir oft wichtiger geworden ist als die Frage, wie geht es uns.
 

FCK-Fan-Simone

in Elternzeit
Teammitglied
Ich denke auch, dass es etwas mit dem modernen Zeitgeist zu tun hat, dass jeder sich selbst verwirklichen will und keiner mehr darauf angewiesen ist, sich vom Partner (finanziell) versorgen zu lassen.

Hinzu kommt dann fehlendes Durchhaltevermögen, das merkt man ja auch daran, dass Leute heutzutage leichtfertiger die Schule wechseln, wenn es Probleme gibt oder das Studium/die Ausbildung abbrechen.
 
C

ciesta

Guest
Ich denke auch, dass es etwas mit dem modernen Zeitgeist zu tun hat, dass jeder sich selbst verwirklichen will und keiner mehr darauf angewiesen ist, sich vom Partner (finanziell) versorgen zu lassen.

Hinzu kommt dann fehlendes Durchhaltevermögen, das merkt man ja auch daran, dass Leute heutzutage leichtfertiger die Schule wechseln, wenn es Probleme gibt oder das Studium/die Ausbildung abbrechen.

Ganz wertungsfrei.
Es ist damit auch eine "Nebenwirkung" von emanzipierteren Gesellschaften.
 

Stan-Kowa

Leide an Islamintoleranz
Ich denke auch, dass es etwas mit dem modernen Zeitgeist zu tun hat, dass jeder sich selbst verwirklichen will und keiner mehr darauf angewiesen ist, sich vom Partner (finanziell) versorgen zu lassen.

Hinzu kommt dann fehlendes Durchhaltevermögen, das merkt man ja auch daran, dass Leute heutzutage leichtfertiger die Schule wechseln, wenn es Probleme gibt oder das Studium/die Ausbildung abbrechen.
Und Erwartungshaltung....unsere verwöhnte Generation glaubt ein Anrecht auf alles zu haben. Aber alles kann ein einzelner Mensch bzw Partner nicht erfüllen.
 

Leonidensucher

Bekanntes Mitglied
aus weiblicher Sicht

1.) - ich gehe jetzt mal explizit von der BRD und dann dem vereinigten Deutschland aus, weil die DDR uns in diesen (und anderen Punkten) weit voraus war: Frauen wurden durch diverse Gesetze befähigt, ihr eigenes Geld zu verdienen und waren nicht mehr auf den Mann als Versorger angewiesen, es entwickelten sich wirkliche Liebsheiraten, nachdem verliebt sein ja nun die einzig gesellschaftlich anerkannte Form der Psychose ist, waren die Auswahlkriterien der Frauen streckenweise nicht auf Langlebigkeit ausgerichtet, was vorher durch die massive Einmischung von Eltern noch etwas ausgehebelt wurde.
1b) durch die Pille sahen Frauen den Sinn einer Sozialisierung Richtung " Kinder bekommen, erziehen, 1 Gehalt Haushalt" nicht mehr sonderlich ein, sondern begannen, ihre Ideen von Selbstverwirklung zu entwickeln und zu leben
1c) Durch Studentenaufstände wurden althergebrachte Vorstellungen eines idealen Lebensentwurfes für Frauen mit dem Protest gegen die althergebrachte männliche Überlegenheit mit über den Haufen geworfen

2.) Die Konsequenz der abnehmenden fetten Jahre und der immer wieder schwelenden, an eingien Stellen massiv aufbrechenden Inflation sowie die generelle Erhöhung des Lebensstandards erforderten 2 Gehälter, was mit 1 a bis c günstigerweise gut kombinierbar war.
2b) der Zeitgeist wandelte sich, emanzipiert galt (das ändert sich gerade und ich begrüße das) als diejenige, die in erster Linie arbeitete und in zweiter Linie nebenbei Familie gründet und versorgte, zu gleichen Teilen, was, unterm Strich für Frauen eine Doppelbelastung darstellte, denn bis weit in die 90er und 00er Jahre dachten weite Teile der Bevölkerung nicht einmal im Traum daran, männliche Jugendliche ident zu weiblichen Jugendlichen zu sozialisieren. Ich verweise hier gerne auf die gängigen Jugendzeitschriften unseren Alters und meinen gerne angezerrten plakativen Spruch, dass die meisten Frauen um die 40 eh am Rande eines burnouts entlang schrabben.
2c) Trotzdem herrschte noch bis weit in die 70er Jahre ein zementierte Bild der Sittsamheit und Ordnung - ich in Jahrgang 74 und bin als lediges Kind einer dann alleinerziehende Mutter zur Adoption freigegeben worden und mir hing der Makel bis weit ins Erwachsenenalter nach, respektive ich musste mich aggressiv von diesen Zuschreibungen lösen, Sprich, siehe 1c: wer schwanger wurde, Pech gehabt. Gilt heute nicht mehr, alleinerziehende Mütter machen einen nicht zu vernachlässigenden %Satz in D aus, das Modell ist anerkannt, ebenso wie Abtreibungen sicher und straffrei unter bestimmten Umständen sind. Frauen haben also Wahlfreiheit und die Möglichkeit, sich aktiv zu entscheiden ohne gesellschaftlich stigmatisiert zu werden, zudem haben sie durch ok-ishe gleiche Bezahlung eine realistische Chance, auf eigenen Beinen zu stehen, was früher schlicht undenkbar war, gewollte kinderlos zu bleiben ist ebenfalls anerkannt, früher waren das " alte Jungfern". (das begrüße ich explizit, die Gebärmütter unserer Mitmenschen gehen uns nichts an) - die Ehe als Versorgungsgemeinschaft ist also quasi nicht mehr existent, und somit entfällt auch der "Druck" diese Versorgungsgemeinschaft aufrecht zu erhalten und sei es nur wegen des Status'.

3.) Durch Übersexualisierung und Dauerverfügbarkeit (von so ziemlich allem) und extreme Ausrichtung an Körperlichkeiten (was, wie Frau Birkenbiehl so lustig bemerkte, interessant ist, denn die wenigsten von uns haben Angst davor, dass einem ein Mann nachts an der Ecke entgegen kommt und einem einen markigen Spruch setzt) haben sich die begehrenswerten Attribute verschoben, weg von einer geschlechterangepassten Rolle hin zu dauerjugendlich und fuckable. DAs führt zum einen dazu, dass Frauen - und Männer - mehr um sich und ihren Marktwert kreisen als anno dunnemal und zum anderen führt es dazu, dass eine schier nimmerendende Konkurrenz nachwächst. Es gibt immer eine, die jünger ist, schöner ist, klüger ist. Es gibt aber niemanden, der besser Wiener Schnitzl machen kann als ich (Scherz, is ungesund, esst das nicht).
b) Die Ausrichtung nach aussen, auch auf Leistung, Anerkennung und Attraktivität führte leider dazu, dass wesentliche Dinge nicht mehr wichtig waren, die eine gute Ehe stabil halten- Durchhaltevernögen, Frustrationstoleranz, Empathie, Interesse am Gegenüber, zurückstecken können. Folglich wurden diese "Tugenden" nicht mehr gelernt und wenn sie im Elternhaus vermittelt wurden, wurden sie nicht mehr sonderlich benötigt und schlichen sich aus. Familien, die diese Werte leben, laufen Gefahr, als ur-reaktionär ausgegrenzt zu werden, abgesehen davon sind wir jetzt bereits in der 2 Generation nach den 60ern, also wären es wenn dann die Großeltern der Kinder, von denen Du berichtest aus der Schule. Das würde mich jetzt zum Punkt der Auflösung der Mehrgenerationenfamilie führen, aber das erspare ich uns allen, weil DAS dauert dann lange.

Somit knallen da zwei Menschen aufeinander, die ungünstigerweise prinzipiell nicht gut genug erzogen sind, nicht gelernt haben, nachzureifen und im schlimmsten Fall im Modus " ichwillaber" durch die Gegend rennen. Verträgt sich nicht gut mit einer langen Ehe, und da ist ein Kind kein Hinderungsgrund, sondern eher Katalysator, denn gerade wenn Kinder da sind oder sich ankündigen, muss mindestens ein Teil der Eltern sich eine unendlich lang wirkende Zeit komplett selber aufgeben.

Man könnte es auch zusammenfassen unter: wir haben verlernt, Dinge zu reparieren und besorgen uns einfach etwas neues.
Positiv: die Freiheit der Frauen ermöglich mit Sicherheit einer ziemlich großen Anzahl von Frauen, ein sicheres, sorgenfreies Leben zu leben. Nicht alle Männer sind Heilige - Frauen ja auch nicht - und die Möglichkeit, eine Ehe oder Beziehung zu beenden, ohne stigmatisiert zu sein oder vollkommen am Existenzminimum zu leben ohne Aussicht auf Besserung ist meiner Meinung nach eine gute Entwicklung. Schön wäre es, würde man die andere Seite, nämlich eine lange Partnerschaft führen zu können, wieder mehr an die Menschen herantragen sprich: sie nacherziehen. Meine Großmutter hat mir zu meiner Hochzeit nur einen Rat gegeben: " egal was kommt: Zusammenhalten". Das ist etwas, was ich in auseinandergehenden Ehen schon weit vorher nicht mehr sehe.

Ich möchte noch hinzufügen: wir haben eine schreckliche Kultur des Scheiterns - das ist das, was ich so genüsslich zelebriere, weil es sinniger ist als das "nach aussen so tun als ob.... alles super, nee toll, wirklich, willste mal Fotos von unserem letzten Urlaub sehen, Malediven, all inkl". Wären wir endlich, ENDLICH ehrlicher mit uns und unseren Mitmenschen, uns könnte geholfen werden. Weil: jede/r der verheiratet ist, kennt das Gefühl von Durststrecken und Entfremdung. Nur wir verbauen uns unseren Erfahrungsschatz im Gegenüber, indem wir lieber so tun als ob, statt mal einmal, einfach nur EINMAL ehrlich zu sein.
 
Zuletzt bearbeitet:

Leonidensucher

Bekanntes Mitglied
Inwiefern? ADHS, weil die Eltern getrennt leben? Das glaube ich nicht.
ich bin nicht super up to date, aber mein Stand ist folgender:

es gibt nicht sehr viele Studien, die einen Zusammenhang zwischen Traumatisierungen und ADHS untersuchen, es gibt aber wohl Hinweise, dass frühkindliche Traumatisierungen ADHS begünstigen können.

Aber als sicher würde ich folgendes annehmen: die Symptome eines traumatisierten Kindes, vor allem eines komplex traumatisierten Kindes (und Erwachsenen, nur der Vollständigkeit halber) können den Symptomen eines Menschen mit ADHS ziemlich ähneln. Wenn dann keine saubere Diagnostik läuft oder der die das Elter schon mit der Haltung " mach Pille, will Ruhe, bin mit mir selber beschäftigt genug" beim Arzt aufschlägt, kann es durchaus passieren, dass eine Diagnose, die eventuell gar nicht passt, vergeben wird. Hier nehme ich die Ärzte explizit in Schutz, denn justament in diesem BEreich dürfte es sehr schwer sein, in den wenigen Terminen, hinter ein eventuelle sehr komplexes Konstrukt von Beziehungen Missziehungen und Verziehungen zu sehen. (Manchmal ist es auch einfach nur ein Schrei nach echtem gesehen-werden, wenn das Kind frei dreht, läuft halt schlecht, wenn das Grundproblem schon ist, dass das Kind generell nicht gesehen wird, kann sich auch in ADHS ähnlichen Symptomen äussern, Teufelskreis siehe oben " mach Pille, will Ruhe", das aber nur der Vollständigkeit halber.)

Nun ist die Frage, ob die Trennung von Eltern den Begriff " traumatisiert" rechtfertigt, ich halte mich da mal schön zurück aus diversen Gründen, aber ich denke, dass eine andauernde feindseelige Stimmung, ein Instrumentalisieren des Kindes, eventuell noch die Zuweisung als Schuldträger durchaus den Begriff "andauerende, tiefe Traumatisierungen" rechtfertigen, vor allem, wenn von den beiden Bezugspersonen oder auch nur einer ausgeführt, weil die unheilige Hierarchie der Traumatisierungen ja nun die nächsten Beziehungspersonen als Spitze hat.
(und das war jetzt nur ein Beispiel, die Überschneidungen zwischen ADHS und Borderline Persönlichkeitsstörungen* sind noch intensiver, was meine These nur noch mehr untermauert, denn BPL ist mittlerweile als Traumafolgstörung angesehen).

* die wiederum nicht im Kindesalter diagnostiziert werden dürften, aber es gibt ja auch Jugendliche mit einer ADHS Diagnose frisch vom Arzt.

Also: ja, ich würde sagen, es gibt durchaus Hinweise, dass die Erhöhung von offiziellen ADHS Fällen einen Grund in getrennt lebenden Eltern haben kann, wenn man alle Punkte mit in die Waagschale wirft. Wünschenswert wäre in jedem Fall ein attachment Interview, aber dem dürften die wenigsten Eltern gerne zustimmen, wenn man davon ausgeht, dass die Haltung ist " mach weg das Problem" ist, was bereits eine Misshandlung darstellt, und wo eine Misshandlung ist, sind die anderen nicht weit weg. Ist ein bisschen wie bei Ratten. Siehste eine, kannste davon ausgehen, dass ungefähr 30 irgendwo rumflitzen.

Ich geh jetzt ins Bett :)) versprochen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein kleines Erlebnis auf einem Klassentreffen
Eine Schulkameradin sagte zu einem Schulkameraden:
Was ist los mit dir, ich bin schon 2x geschieden und du bist noch nicht 1x verheiratet.

Warum gehen Ehen auseinander: Bei der Selbstverwirklichung wird vergessen, dass es auch Gemeinsamkeiten gibt, bzw. Gemeinsamkeiten notwendig bleiben.

ich hatte das Glück, dass meine Frau und ich in den Jahren immer enger zusammengewachsen sind. Trotzdem haben wir uns auch immer gegenseitig Freiräume für Hobbys und eigene Interessen zugestanden.

zum Wohl
 

Stan-Kowa

Leide an Islamintoleranz
aus weiblicher Sicht

1.) - ich gehe jetzt mal explizit von der BRD und dann dem vereinigten Deutschland aus, weil die DDR uns in diesen (und anderen Punkten) weit voraus war: Frauen wurden durch diverse Gesetze befähigt, ihr eigenes Geld zu verdienen und waren nicht mehr auf den Mann als Versorger angewiesen, es entwickelten sich wirkliche Liebsheiraten, nachdem verliebt sein ja nun die einzig gesellschaftlich anerkannte Form der Psychose ist, waren die Auswahlkriterien der Frauen streckenweise nicht auf Langlebigkeit ausgerichtet, was vorher durch die massive Einmischung von Eltern noch etwas ausgehebelt wurde.
1b) durch die Pille sahen Frauen den Sinn einer Sozialisierung Richtung " Kinder bekommen, erziehen, 1 Gehalt Haushalt" nicht mehr sonderlich ein, sondern begannen, ihre Ideen von Selbstverwirklung zu entwickeln und zu leben
1c) Durch Studentenaufstände wurden althergebrachte Vorstellungen eines idealen Lebensentwurfes für Frauen mit dem Protest gegen die althergebrachte männliche Überlegenheit mit über den Haufen geworfen

2.) Die Konsequenz der abnehmenden fetten Jahre und der immer wieder schwelenden, an eingien Stellen massiv aufbrechenden Inflation sowie die generelle Erhöhung des Lebensstandards erforderten 2 Gehälter, was mit 1 a bis c günstigerweise gut kombinierbar war.
2b) der Zeitgeist wandelte sich, emanzipiert galt (das ändert sich gerade und ich begrüße das) als diejenige, die in erster Linie arbeitete und in zweiter Linie nebenbei Familie gründet und versorgte, zu gleichen Teilen, was, unterm Strich für Frauen eine Doppelbelastung darstellte, denn bis weit in die 90er und 00er Jahre dachten weite Teile der Bevölkerung nicht einmal im Traum daran, männliche Jugendliche ident zu weiblichen Jugendlichen zu sozialisieren. Ich verweise hier gerne auf die gängigen Jugendzeitschriften unseren Alters und meinen gerne angezerrten plakativen Spruch, dass die meisten Frauen um die 40 eh am Rande eines burnouts entlang schrabben.
2c) Trotzdem herrschte noch bis weit in die 70er Jahre ein zementierte Bild der Sittsamheit und Ordnung - ich in Jahrgang 74 und bin als lediges Kind einer dann alleinerziehende Mutter zur Adoption freigegeben worden und mir hing der Makel bis weit ins Erwachsenenalter nach, respektive ich musste mich aggressiv von diesen Zuschreibungen lösen, Sprich, siehe 1c: wer schwanger wurde, Pech gehabt. Gilt heute nicht mehr, alleinerziehende Mütter machen einen nicht zu vernachlässigenden %Satz in D aus, das Modell ist anerkannt, ebenso wie Abtreibungen sicher und straffrei unter bestimmten Umständen sind. Frauen haben also Wahlfreiheit und die Möglichkeit, sich aktiv zu entscheiden ohne gesellschaftlich stigmatisiert zu werden, zudem haben sie durch ok-ishe gleiche Bezahlung eine realistische Chance, auf eigenen Beinen zu stehen, was früher schlicht undenkbar war, gewollte kinderlos zu bleiben ist ebenfalls anerkannt, früher waren das " alte Jungfern". (das begrüße ich explizit, die Gebärmütter unserer Mitmenschen gehen uns nichts an) - die Ehe als Versorgungsgemeinschaft ist also quasi nicht mehr existent, und somit entfällt auch der "Druck" diese Versorgungsgemeinschaft aufrecht zu erhalten und sei es nur wegen des Status'.

3.) Durch Übersexualisierung und Dauerverfügbarkeit (von so ziemlich allem) und extreme Ausrichtung an Körperlichkeiten (was, wie Frau Birkenbiehl so lustig bemerkte, interessant ist, denn die wenigsten von uns haben Angst davor, dass einem ein Mann nachts an der Ecke entgegen kommt und einem einen markigen Spruch setzt) haben sich die begehrenswerten Attribute verschoben, weg von einer geschlechterangepassten Rolle hin zu dauerjugendlich und fuckable. DAs führt zum einen dazu, dass Frauen - und Männer - mehr um sich und ihren Marktwert kreisen als anno dunnemal und zum anderen führt es dazu, dass eine schier nimmerendende Konkurrenz nachwächst. Es gibt immer eine, die jünger ist, schöner ist, klüger ist. Es gibt aber niemanden, der besser Wiener Schnitzl machen kann als ich (Scherz, is ungesund, esst das nicht).
b) Die Ausrichtung nach aussen, auch auf Leistung, Anerkennung und Attraktivität führte leider dazu, dass wesentliche Dinge nicht mehr wichtig waren, die eine gute Ehe stabil halten- Durchhaltevernögen, Frustrationstoleranz, Empathie, Interesse am Gegenüber, zurückstecken können. Folglich wurden diese "Tugenden" nicht mehr gelernt und wenn sie im Elternhaus vermittelt wurden, wurden sie nicht mehr sonderlich benötigt und schlichen sich aus. Familien, die diese Werte leben, laufen Gefahr, als ur-reaktionär ausgegrenzt zu werden, abgesehen davon sind wir jetzt bereits in der 2 Generation nach den 60ern, also wären es wenn dann die Großeltern der Kinder, von denen Du berichtest aus der Schule. Das würde mich jetzt zum Punkt der Auflösung der Mehrgenerationenfamilie führen, aber das erspare ich uns allen, weil DAS dauert dann lange.

Somit knallen da zwei Menschen aufeinander, die ungünstigerweise prinzipiell nicht gut genug erzogen sind, nicht gelernt haben, nachzureifen und im schlimmsten Fall im Modus " ichwillaber" durch die Gegend rennen. Verträgt sich nicht gut mit einer langen Ehe, und da ist ein Kind kein Hinderungsgrund, sondern eher Katalysator, denn gerade wenn Kinder da sind oder sich ankündigen, muss mindestens ein Teil der Eltern sich eine unendlich lang wirkende Zeit komplett selber aufgeben.

Man könnte es auch zusammenfassen unter: wir haben verlernt, Dinge zu reparieren und besorgen uns einfach etwas neues.
Positiv: die Freiheit der Frauen ermöglich mit Sicherheit einer ziemlich großen Anzahl von Frauen, ein sicheres, sorgenfreies Leben zu leben. Nicht alle Männer sind Heilige - Frauen ja auch nicht - und die Möglichkeit, eine Ehe oder Beziehung zu beenden, ohne stigmatisiert zu sein oder vollkommen am Existenzminimum zu leben ohne Aussicht auf Besserung ist meiner Meinung nach eine gute Entwicklung. Schön wäre es, würde man die andere Seite, nämlich eine lange Partnerschaft führen zu können, wieder mehr an die Menschen herantragen sprich: sie nacherziehen. Meine Großmutter hat mir zu meiner Hochzeit nur einen Rat gegeben: " egal was kommt: Zusammenhalten". Das ist etwas, was ich in auseinandergehenden Ehen schon weit vorher nicht mehr sehe.

Ich möchte noch hinzufügen: wir haben eine schreckliche Kultur des Scheiterns - das ist das, was ich so genüsslich zelebriere, weil es sinniger ist als das "nach aussen so tun als ob.... alles super, nee toll, wirklich, willste mal Fotos von unserem letzten Urlaub sehen, Malediven, all inkl". Wären wir endlich, ENDLICH ehrlicher mit uns und unseren Mitmenschen, uns könnte geholfen werden. Weil: jede/r der verheiratet ist, kennt das Gefühl von Durststrecken und Entfremdung. Nur wir verbauen uns unseren Erfahrungsschatz im Gegenüber, indem wir lieber so tun als ob, statt mal einmal, einfach nur EINMAL ehrlich zu sein.
Thread kann zu.

Die Ehe ist ein vollkommenüberflüssiges,überholtes,nicht zeitgemässes Model.
Langzeitbeziehungen nicht.
 

Abendstern

Inaktives Mitglied
Mich hat die Horror-Ehe meiner Eltern und anderer Verwandten fürs Leben gereicht! Man "blieb halt zusammen", auch wenn man sich am liebsten drei Mal täglich gegenseitig die Rübe einschlagen würde.
Ein verlogenes, überholtes Konstrukt, in dem IMMER einer den Kürzeren zieht, faule Kompromisse eingeht und sich selbst verleugnet.

Habe ich GSD erfolgreich in meinem Leben umschifft und aus meinem Kind ist auch was geworden. :D
 
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