Trainer-Problem
Die Vertragsverlängerung von Cheftrainer Kurt Jara beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern schien bis gestern Abend um 17.17 Uhr nur Formsache. Es gehe nur noch um Details, hieß es von beiden Vertragspartnern, was wohl nichts anderes heißt, als dass es im Trainergeschäft um Kleingeld geht. Nach der 0:2-Schmach des FCK gegen Hannover 96, fußballerisch ein Armutszeugnis für die Mannschaft, die sich auch kämpferisch der UI-Cup-Zielsetzung des Trainers verweigerte, aber stellte sich der 54-Jährige selbst in Frage. Damit hat er sich und dem FCK ein Problem beschert.
Der Österreicher reagierte in seiner Enttäuschung über die katastrophale Mannschaftsleistung völlig überzogen auf einige wenige „Jara raus"-Rufe. Eine totale Überreaktion Kurt Jaras. Der Dickhäuter ist in Wahrheit nur ein Dünnhäuter, unverständlich, dass er eine kaum vernehmbare Minderheit dermaßen überbewertet und ignoriert, wie warmherzig ihn die Besetzung der Westkurve 25 Minuten vor Spielbeginn empfangen hat, offenbar vergessen hat, wie ihn die Fans nach der Niederlage in Leverkusen gefeiert hatten. Kurt Jara hat im Abstiegskampf mit seiner Bierruhe überzeugt, er hat eine damals in Auflösung begriffene Mannschaft hinter sich geschart, er hat sich als kluger Taktiker bewiesen. Kurt Jara besitzt Bundesliga-Format, er ist ein Mann für das Tagesgeschäft, keiner, der mehr große Perspektiven zu entwickeln gedenkt. Völlig unverständlich aber, dass er gestern nach der Blamage gegen die unglaublich schwachen Hannoveraner auf Ciriaco Sforza einknüppelte, ohne dessen Namen zu nennen. Sforza, das Synonym des Lauterer Aufschwungs, durfte urplötzlich als Alibi für kollektives Versagen herhalten. Der FCK hat ganz gewiss nicht verloren, nur weil Sforza mit seinen laut geträumten UEFA-Cup-Zielen mehr wollte als realistisch ist. Horst Konzok